Österreichs Bäckern geht der heimische Weizen aus

Deshalb fordert Ernst Joast im Videointerview einen Exportstopp und setzt auf Regionalität.

Seit Oktober steigen die Preise für Getreide weltweit stark an. Der Preis für Weizen hat sich mehr als verdoppelt. Österreich ist Weizen-Exportland und liefert nicht nur in die EU, sondern zunehmend auch nach China. Weil Händler und Landwirte mit dem Export nach Asien Rekordpreise erzielen, befürchten die heimischen Lebensmittelhersteller zunehmend Engpässe und rufen nach staatlicher Regulierung. 

Ernst Joast führt Osttirols größte Bäckerei. Wir haben ihn mit der Kamera besucht. Noch spürt er keinen konkreten Engpass, doch sein Müller hat ihn vorgewarnt. Im Gespräch mit dolomitenstadt.at schildert Joast, welchen Einfluss die steigenden Preise auf den Familienbetrieb haben. Schwankende Produktionskosten sind in der Branche nichts Neues. Eine derartige Preiserhöhung, mit steigender Tendenz, hat der Chef-Bäcker bisher allerdings noch nie erlebt. Die Gegenstrategie: Regionalität. Die Bäckerei Joast hat nicht nur eine eigene Getreidemühle, sondern forciert auch den regionalen Anbau von Weizen, der früher auf Osttirols Äckern allgegenwärtig war. 

Dennoch ist ein staatlicher Eingriff aus der Sicht des Osttiroler Bäckers dringend notwendig. Joast will nämlich auch in Zukunft ausschließlich österreichisches Getreide verarbeiten. Durch hohe Flexibilität und innovative Produkte wird aktuell vermieden, dass Getreidesorten aus dem Ausland importiert werden müssen. Ist ein bestimmtes Korn nicht erhältlich, wird ein anderes regionales Getreide verwendet. Wenn das nicht möglich ist, wird das Produkt aus dem Sortiment genommen. 

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13 Postings bisher
senf

joast hat recht!

wenn wir mit dem landverbrauch so weitermachen, dann ist die versorgung der bevölkerung mit nahrungsmittel gefährdet. darauf hingewiesen wurde auch schon längst vom militärobersten, der ja auch für die innere sicherheit zuständig ist.

schuld ist der sorglose umgang mit dem instrument der raumordnung das in die falschen hände gelegt wurde. leider werden immer noch baugründe für einfamilienhäuser und wochenendsitze in gunstlagen gewidmet und die zersiedelung gefördert. weit abseits von öffi-linien und mit km-lange zufahrtsstraßen. dafür lässt man aus spekulationsgründen wohnraum in ortskernen brach liegen. im wald sind rodungen nur mit ersatzflächen möglich, warum macht man das fallweise nicht auch im ackerland?

dann müssten die genossen im lienzer talboden für ihren satten neubau auf bester ackerfläche ihre alten leerstehenden gebäude in lienz rückbauen und daraus wieder ein weizenfeld machen, anstatt mit millionen für den mobilienverkauf zu spekulieren. aber dafür taugt das raumordnungsinstrument und die bauernehre (nich ähre) leider nicht.

    wolf_c

    hagel.at Schützen wir unseren einzigartigen Lebensraum Initiative Bodenverbrauch

    Verbaute Agrarfläche in Österreich seit

    1. Jänner 2021

    69.897.859 m2

    oder 349 Bauernhöfe

    Herr Weinberger hat mehr für Bewußtseinsbildung geleistet wie die allermeisten Experten und Verantwortlichen dieser Republik; und ausserdem sollte die Importpraxis des Gensoja aus dem ehemaligen Regenwald überdacht werden; und darüberhinaus ist die Wüstenbildung in NO Brasilien ein katastrophales Zeichen für den ganzen Planet; und deswegen sollten die verantwortlichen Politiker(auch die regionalen im hässlichsten Talboden Österreichs)endlich handeln, und nicht mehr weiter versiegeln und betonieren und zerstören.

      senf

      jetzt ist es mir klar: nachdem das lienzer becken deiner überzeugung nach laufend als hässlichster talboden österreichs bezeichnet wird, dürfte es egal sein, was damit weiterhin passiert, denn was man nicht schätzt, ist ohnehin nicht erhaltenswert.

      ein toller und aufmunternder beitrag zur bewustseinsbildung von dir. 😯

Anna Maria Kerber

Das wäre doch eine gute Gelegenheit zur Förderung von hiesigem Getreideanbau, z. B. als Pilotprojekt für unseren Bezirk. Das würde weniger Abhängigkeit bedeuten, allerdings sind wir als Konsumenten dann gefordert, hiesige Backwaren, statt Billigware vom Diskonter, zu kaufen.

Immer vorausgesetzt, dass Landwirtschaftsministerium, Agrarbehörden bis hin zu den Kammern ihren Aufruf für mehr Regionalität wirklich ernst nehmen, und ihre Rohstoffe bevorzugt in Österreich anbieten?

    chiller336

    ganz genau, und zwar auf den von wolf_c zitierten "kargen Böden der Nikolsdorfer AgrarSyndikate". da wäre zb fläche genug. leider muss für viele tiere dort auch futtermais angebaut werden - aber es blieben doch bestimmt etliche flächen für getreideanbau? mir persönlich wärs wert, für ein osttiroloer brot mit osttiroler grundzutaten mehr zu bezahlen

wolf_c

Lasst uns weiter Parkplätze und Umfahrungen bauen, wer braucht schon Ackerland und Gemüse im (Hoch-)Beet

so ist es vielleicht

Kluger, vorausschauender Kopf! Tja, die Unterjochung aus China ist weltweit zu spüren, das wird noch zu einem riesen Problem werden. Dieser Welthandel gehört wieder eingedämmt, alles was hier produzierbar ist, soll auch hier bleiben! Wäre auch ein Beitrag zum höchstnotwendigen Klimawandel!!! 😌

    F_Z

    Wenn alles was hier produziert wird hier bleibt, was machen wir dann mit all den Kühlschränken die beim Liebherr gebaut werden? Oder anders rumm - wenn alles was in China gebaut wird in China bleibt, dann ... ja was dann? 🤔

      chiller336

      ja dann .... hätten wir kein corona ....

      turboschatten

      @F_Z: ...wohl nicht gut aufgepasst ?? in der Schule hätte der Lehrer gesagt: Thema verfehlt - setzen - nicht genügend !!! Nochmals für alle, die nicht gut zugehört haben: es geht hier um unser TÄGLICHES BROT... etwas vom Wichtigsten, das der Mensch braucht !! Unser Bäckermeister Ernst Joast hat von Regionalität bei MEHL und BROT gesprochen (und nicht von Kühlschränken!). Diese "Wortspende" ist für mich -wie so oft- ein weiterer Beweis, dass so Manche/r hier in diesem Forum einen aufgelegten Blödsinn von sich geben.... nur damit man halt auch etwas gesagt/geschrieben hat... ist das mit "Meinungsfreiheit" gemeint...?

      bergfex

      @chiller336, wohl der Experte ?

    bergfex

    Hab neulich eine Doku gesehen von Getreidefeldern in Kanada und wie sie bewirtschaftet werden, da vergeht dir der Appetit. Italien , der Nudelfabrikant schlechthin, bezieht sein Weizenmehl aus Kanada und rühmt sich mit italienischer Qualität.