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„Ich will nahbar für meine Mitschüler sein“

HAK-Schulsprecher Zidan Hasoyev über seine organisatorischen Aufgaben und Handys im Unterricht.

„Ich bin nicht gerade ein Paradeschüler“, beschreibt sich Zidan Hasoyev mit einem Augenzwinkern selbst. Was er aber ist: Schulsprecher. Warum? „Von ein paar ehemaligen Schulsprechern habe ich wenig mitbekommen. Das wollte ich anders machen. Ich will nahbar für meine Mitschüler sein.“ Gespielt hat der Viertklässler mit dem Gedanken zu kandidieren schon länger. Freunde unterstützten seinen Plan, ermutigten ihn und sagten, er habe die Persönlichkeit dazu. 

„Meine Klasse und die Nebenklassen verstehen sich erst seit letztem Jahr so richtig.“ Bei einem Ausflug schaffte es der redselige 18-Jährige, dass sich die kleinen Freundeskreise immer mehr vermischten und eine große klassenübergreifende Gruppendynamik entstand. „Am Ende hatten wir einen richtig coolen Draht zueinander“, erinnert sich Zidan, während er die letzten Weihnachtskarten der Schule unterschreibt und zur Seite räumt. Im Lesezimmer nehmen wir an einem runden Tisch Platz, leicht geblendet von der Sonne sprechen wir über seine Kandidatur, seine Aufgaben und Handys im Unterricht. 

Gewählt wurde an der Handelsakadmie Lienz vor knapp drei Monaten, zehn Schüler:innen traten an. An einem Donnerstag Ende September fand die Vorstellung der Kandidat:innen statt, am Freitag wurde abgestimmt. Aufgeregt war Zidan, das gibt er zu. Mit einer Mehrheit von 60 Prozent entschied er die Wahl schließlich für sich. Vielleicht wegen seiner lockeren, lässigen Art?

„Ich probier halt, offen zu sein, weil ich es nicht gut finde, wenn man sich zu wichtig nimmt.“

Zidan Hasoyev

Seit knapp drei Monaten ist der HAK-Schulsprecher nun darum bemüht, seiner neuen Rolle gerecht zu werden. „Ich probier halt, offen zu sein, weil ich es nicht gut finde, wenn man sich zu wichtig nimmt.“ Wenn seine Mitschüler:innen mit diversen Anliegen zu ihm kommen, nimmt er sich Zeit. „Meistens geht es um Lehrpersonen. Dann rede ich mit dem Lehrer oder der Lehrerin und das Thema ist geklärt“, gibt Zidan einen Einblick in seinen Schulsprecher-Alltag. Für anonyme Anliegen wurde in der Schule eine „Beschwerde-Box“ eingerichtet. Die dort eingeworfenen Briefe werden nur vom Direktor und vom Schulsprecher geöffnet und gelesen. 

Als stressig empfindet Zidan den demokratischen Nebenjob nicht und meint, dass „viele ein falsches Bild vom Schulsprecher-Dasein haben.“ Neben den Fragen und Anregungen seiner Mitschüler:innen gehe es vor allem um organisatorische Themen wie Ausflüge oder Veranstaltungen, die im Schulgemeinschaftsausschuss besprochen werden. Dort wurde auch sein Vorschlag akzeptiert, ein Volleyballturnier zu veranstalten. Es wird noch vor den Weihnachtsferien stattfinden und gemeinsam mit der HTL ausgetragen. Im Sommersemester würde Zidan gerne ein weiteres Sportturnier umsetzen. Außerdem ist er im Organisationsteam für seinen Maturaball. „Der liegt mir sehr am Herzen!“

Zidan Hasoyev aus der 4B wurde Anfang des Schuljahres zum Schulsprecher gewählt. Foto: Dolomitenstadt/Hassler

Zidan macht sich bereits Gedanken über seine Diplomarbeit. Künstliche Intelligenz (KI) wär ein mögliches Thema, vielleicht wird es aber auch eine eher technische Aufgabenstellung, zum Beispiel eine Website programmieren. Das nötige Know-how stammt aus den Informatikfächern, „die hab ich gewählt, weil mich Fotografie und Bildbearbeitung interessieren. Beides kommt meiner Meinung nach aber etwas zu kurz.“ Für seine Schule würde Zidan sich dennoch wieder entscheiden, primär wegen der Lehrpersonen, die in der HAK ein respektvolles und fast freundschaftliches Verhältnis zu den Schüler:innen aufbauen.

Zurück zu der SGA-Sitzung. Dort waren Handys im Unterricht ein Thema, das nicht nur an der HAK heiß diskutiert wird. Direktor Josef Pretis klärt über die Situation an seiner Schule auf: „Handys dürfen während des Unterrichts verwendet werden, wenn die Lehrperson dies zulässt, zum Beispiel für eine kurze Recherchearbeit. Ansonsten ist das Handy in der Schultasche zu verwahren und darf nur in den Pausen verwendet werden.“

Wer sich nicht daran hält, muss das Handy abgeben. Am Ende des Schultages kann es wieder beim Direktor abgeholt werden. „Ca. fünf Handys landen im Laufe eines Schuljahres bei mir – aufgrund der recht großen Toleranz der Lehrpersonen.“ Aus der Sicht von Pretis sind Handys immer störend, „da sie ja die Aufmerksamkeit der Schüler:innen rauben.“ Der Direktor befürwortet daher ein Verbot während des Unterrichts – „zum Schutz des Lehr- und Lernraums Schule“, wie er sagt. 

„Wer im Unterricht nicht aufpasst, wird auch ohne Handy nicht aufmerksamer.“

Zidan Hasoyev

Doch was sagt Zidan als Schüler dazu? Er versteht die Bedenken und findet den Kompromiss, das Handy in der Schultasche zu lassen, gut. Trotzdem ist er gegen ein striktes Verbot. „Wer im Unterricht nicht aufpasst, wird auch ohne Handy nicht aufmerksamer“, meint er. 

Zidan gibt zu, dass er selbst sich leicht ablenken lässt. Aber wenn er sich zum Lernen aufrafft, lässt der engagierte Schüler sein Smartphone auch mal links liegen. Und manchmal hilft es ihm sogar. Zum Beispiel beim Italienisch lernen. Abgesehen vom Büffeln verbringt Zidan viel Zeit vor dem Bildschirm und versinkt nicht selten im Scrollen in den Videoclip-Welten von TikTok und Co. In Vorbereitung auf seine Diplomarbeit überlegt er deshalb, Apps wie das Videoportal zu löschen.

Alexandra Hassler stammt aus Irschen, hat eine Ausbildung bei Dolomitenstadt absolviert und ist als freie Journalistin auf lebendige, multimediale Reportagen und Videos spezialisiert.

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