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Sarah Schellander: „Darts ist ein Mentalsport!“

Eine 17-jährige Kärntnerin mischt kräftig in der österreichischen Pfeilsport-Szene mit.

Ein Pfeil, ein Atemzug, dann ein dumpfer Laut – das Metall landet im Sisal. Es ist ein Geräusch, das in Bars und im Keller des Nachbarn vertraut klingt, aber in Medien wenn, dann nur unterschwellig zu hören ist. Im Vergleich zu Sportarten wie Skifahren oder Fußball ist Darts eine Nischensportart, die weniger stark im Mittelpunkt der breiten Öffentlichkeit steht. Aufmerksamkeit hin oder her – es gibt eine Szene, auch in Österreich. Und Sarah Schellander aus Kötschach-Mauthen macht sich in dieser aktuell einen Namen.

Vor rund zwei Monaten stand die 17-Jährige wie beinahe jeden Tag vor einer Dartscheibe. In der Hand ihre Luke Littler Dartpfeile – auf ihre Wurftechnik angepasst mit 40mm Spitzen, Pixel Grip und kurzem Schaft. Sie trifft die Triple 20 und anschließend die Doppel 14 – ihr Sieg ist besiegelt. Sarah kürte sich in Innsbruck zur österreichischen U18-Staatsmeisterin.

Erstes Interesse für den Sport entwickelte die Kärntnerin vor rund zwei Jahren. 15 Jahre war sie alt, als Michael van Gerwen im Finale der Darts-WM im Jänner 2023 gegen Michael Smith antrat. Sie verfolgte das legendäre Aufeinandertreffen und ist seitdem Fan. Es dauerte jedoch noch ein weiteres Jahr, bis Sarah ihre erste Dartscheibe zu Hause aufhängte – motiviert durch den Darts-Boom, den Luke Littler damals auslöste. Sarah spielte ab und zu mit ihrem Vater. Das hörte sich mit der Zeit auf – der Vater hat keine Chance mehr gegen seine Tochter.

Sarah Schellander aus Kötschach-Mauthen hat in ihrer noch jungen Darts-Karriere bereits ihr Talent unter Beweis gestellt. Foto: Dolomitenstadt/Hassler

Vom Hobby zum Wettkampf führte bei der HAK-Schülerin aber kein Plan, sondern ein spontaner Impuls. Im heurigen Februar – etwa ein Jahr nach dem Kauf ihres ersten Boards – stieß sie auf die Ausschreibung für ein Turnier in Klagenfurt. „Ich meinte damals zu meinem Papa: ‚Was wäre, wenn wir da hin fahren, einfach schauen wie es läuft?“ Gesagt, getan. Und es lief äußerst passabel für die Jugendliche. Sie meisterte die Gruppenphase. Im Achtelfinale war dann gegen einen Nationalspieler Schluss. Doch das Aus war zugleich ein Anfang – Sarahs Einstieg in die Welt der Wettbewerbe. „Ich dachte mir: ‚Cool, ich kann eigentlich schon mithalten.“ 

Bei Turnieren trägt die Kärntnerin heute das Trikot ihres Vereins Dartsrunde BimBuschi. Früher aber lief sie im Shirt von Stephen Bunting auf – einem ihrer Vorbilder. „Er ist einfach ein cooler Typ“, sagt sie. Neben ihm zählen auch Gerwyn Price, Martin Schindler und die beiden österreichischen Spieler Mensur Suljović und Rowby-John Rodriguez zu ihren Favoriten. Letzteren hat sie bei ihrem ersten Turnier in Klagenfurt getroffen. „Ich war so: ‚Boah, schau Papa, da ist Rowby-John Rodriguez. Verrückt, den kennt man ja aus dem Fernsehen“, erinnert sie sich und lacht.

Essenziell bei dieser Sportart ist die psychische Tagesverfassung. „Darts ist ein Mentalsport“, sagt die HAK-Schülerin und trifft damit ins Schwarze. Konzentration und die Fähigkeit, Ruhe zu bewahren, müssen gelernt sein. Es geht darum, auch unter Druck zu performen und die eigenen Stärken bewusst auszuspielen. „Ich bin sehr perfektionistisch. Anfangs hatte ich damit Problem. Wenn einmal ein Pfeil nicht wie geplant landete, war ich schnell negativ gestimmt“, erklärt die 17-Jährige.

Heute weiß Sarah: Wer sich selbst sabotiert, hat im Darts schon verloren. Dafür arbeitet sie gelegentlich mit einem Mental-Coach zusammen. „Aber natürlich muss man auch trainieren. Wie halte ich meine Hand? Wie stehe ich?“, fährt sie fort. Eine halbe bis eine Stunde steht die Kärntnerin täglich vor ihrem Board. Der Fokus liegt auf der 20, der 19 und den Doppeln. Nebenbei hört sie Musik oder verfolgt online ein Darts-Duell. Wichtig ist auch die Augen-Hand-Koordination. Dabei hilft Jonglieren.

Bei ihren ersten Staatsmeisterschaften räumte Sarah ab. Foto: Privat

Genauigkeit ist auch außerhalb der Dartscheibe Sarahs Stärke. In der Schule ist Mathe ihr Lieblingsfach: „Seit ich Dart spiele, merke ich, dass ich im Kopfrechnen schneller bin. Zahlen sind mir aber immer schon besser gelegen als Worte.“ Und auch in ihrem zweiten Hobby spielt Präzision eine Rolle. Mit der Klarinette oder dem Waldhorn in der Hand steht sie in den Reihen der örtlichen Musikkapelle. Wenn sie zwischen Schulstress, Musizieren und Theaterprobe Zeit hat, nimmt Sarah an den Jugendtrainings ihres Vereins in Klagenfurt teil, die mittwochs stattfinden.

So gefüllt ihr Alltag derzeit ist, so offen hält sich Sarah ihre Zukunft. Konkrete Pläne verfolgt sie keine. Der Fokus liegt vorerst darauf, bei heimischen Turnieren Erfahrung zu sammeln. Ganz ohne Träume geht es aber nicht: Einmal bei der traditionsreichen WDF-WM in Lakeside auf der Bühne zu stehen, das wäre für sie etwas ganz Besonderes. Vielleicht ergibt sich auch ein Start bei Qulifikationsspielen im Ausland oder den World Masters.

Sollte Sarah die Turnierleiter also weiter hinaufklettern, wird sie wohl auch einen Einlaufsong brauchen – so wie es bei internationalen Wettbewerben üblich ist. Auf die Frage, welchen sie wählen würde, kommt die Antwort ohne Zögern: „Rock Me Amadeus“. Nach kurzem Überlegen fügt sie hinzu: „Oder ‚We Pray‘ von Coldplay – das hat einen richtig coolen Beat.“ 

Alexandra Hassler stammt aus Irschen, hat die HAK Lienz absolviert und ist als junge Redakteurin auf lebendige, multimediale Reportagen und Videos spezialisiert.

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