Der Demografiebericht des Landes Tirol liefert jährlich zahlreiche statistische Kennzahlen und lässt Aussagen über Veränderungen in der Bevölkerung zu.
Der Bezirk Lienz sticht aus den Daten für das Jahr 2024 insofern heraus, als er das größte Bevölkerungswachstum aller Tiroler Bezirke aufweist. Obwohl die Geburtenbilanz negativ war, also mehr Menschen starben als lebend geboren wurden, führte die vergleichsweise hohe errechnete Wanderungsbilanz zu einem Bevölkerungswachstum. Insgesamt lebten am 1.1.2025 somit 49.011 Personen im Bezirk Lienz, was einer Zunahme von 170 Osttiroler:innen im Vergleich zum Stichtag 2024 entspricht.

Ein konträres Bild ergibt sich allerdings bei Betrachtung eines Längsschnittes: In den letzten 20 Jahren sank die Bevölkerung um 1.315 Einwohner:innen. Ursächlich dafür ist die negative Wanderungsbilanz - obwohl die Geburten die Todesfälle geringfügig übertrafen, zogen mehr Personen von Osttirol weg als nach Osttirol. Damit ist Lienz der einzige Tiroler Bezirk mit einer schrumpfenden Bevölkerung.

Betrachtet man die Bevölkerungszahlen unter dem Gesichtspunkt der ausländischen Herkunft, ist Lienz im Tirolvergleich mit 8,9 Prozent Schlusslicht. Die größte Gruppe der Wohnbevölkerung mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit stellen die Deutschen mit zwei Prozent dar, gefolgt von Angehörigen anderer EU-Staaten und Italienern.

Auf Ebene der Gemeinde schaffen es gleich zwei Osttiroler Kommunen in das Ranking des Demografieberichts: Einerseits Heinfels als Tiroler Gemeinde mit dem drittgrößten Bevölkerungswachstum und andererseits Lavant, das zu den Top zehn Tiroler Gemeinden mit dem größten Einwohnerrückgang zählt.
2 Postings
1973 ist die Fertilitätsrate in Österreich erstmals unter 2,0 gefallen und sinkt seitdem kontinuierlich. Was hat man in dem guten halben Jahrhundert getan, um diesen Trend umzukehren bzw. sich auf die neuen Realitäten vorzubereiten? Nichts. Gar nichts. Nicht einmal einen einzigen ernsthaften Versuch hat man gewagt. In kalter Marktlogik haben wir die Menschen zur austauschbaren Größe erklärt. Die Österreicher bekommen zu wenige Kinder? Kein Problem, es gibt genügend Afrikaner, Asiaten und Araber. Wir ersetzen einfach ein fehlendes Individuum durch ein anderes Individuum. Was das in der Gesamtheit ergibt, interessiert uns nicht, denn das Individuum ist die heilige Kuh. Das ist die Logik des westlichen Liberlismus - und an dieser wird er auch zugrunde gehen.
In dieser Logik sind wir alle gefangen und deshalb bleibt hier auch die Kommentarspalte leer.
Eine sehr wichtige Meldung für alle Menschen, leider verschließen vor den dahinter liegenden Wahrheiten alle Beteiligten die Augen. Eigentlich müsste es hier zig Postings geben, weil die Entwicklung jede und jeden massiv betreffen wird - ungesteuert und unbedacht wird es allerdings etwas ungemütlicher als mit guter Planung und vor allem positiven Bewusstsein von uns allen. Wir müssen nämlich mit dem Schrumpfen und einer deutlich älteren Bevölkerung (weniger Junge, mehr Alte, mehr Hochaltrige) intelligent umgehen. Psychologisch ist weniger werden nie einfach, aber auch kein Malheur. Z 1. Zwar stehen die Geburten knapp noch über Todesfällen, aber das wird sich absehbar ändern. Nur die Langlebigkeit der Generation der um 1940/1945 Geborenen führt dazu, dass (diese sehr großen Kohorten) das Bild stabilisieren (in ganz Österreich; dank einem trotz aller Beschwerden recht leistungsfähigen Gesundheitssystems). Osttirol hat de facto kaum Zuwanderung (die ist auch künftig eher nicht auszumachen) und ich muss die Publikation noch untersuchen, woher die 170 Personen zusätzlich 2024 im Bezirk gekommen sind. 2. Die Zahl der jungen Frauen schrumpft und diese jungen Frauen kriegen weniger Kinder (daher gibt es auch weniger Mädchen). Das ist sozusagen eine Art innere Logik, ein sich selbst verstärkender Effekt des Schrumpfens, da eben nur Frauen im gebärfähigen Alter Kinder bekommen können. Das mag auf der Hand liegen, ist aber essentiell für die Zukunft. Siehe dazu die die treffenden Erklärungen im Bereich 4 des Berichts, auch zum steigenden Alter der Erstgebärenden (wer später im Leben ein Kind kriegt, die bekommt vielleicht kein weiteres usw.). 3. Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter schrumpft damit im Verhältnis zur Osttiroler Gesamtbevölkerung in den kommenden Jahr mehr und mehr. Das betrifft Arbeitgeber, Gemeinden, Infrastruktur, Feuerwehren, Musikkapellen, Sportvereine, Schulen und Bildungsanstalten, den Tourismus-Sektor usw., denn natürlich tragen Personen zwischen 20 und 65 unsere Gesellschaft (wenn auch sehr viele nach 65 außerordentliche Leistungen erbringen). Auch die lokale Nachfrage schrumpft, das Auffinden eines Handwerkers wird wohl noch schwieriger. Gleichzeitig steigen die Betreuungsnotwendigkeiten für die ältere Generation (aber mit weniger Menschen unter 65, die diese Betreuung übernehmen könnten + ausgebildet sind). 4. Die Voraussetzungen für die ältere Generation sind zwar per se nicht schlecht (im EU-Vergleich in Ö ein vgl.weise gutes Pensionssystem, angespanntes aber vorhandes Pflegesystem, angespanntes aber an sich vernünftiges Gesundheitssystem), aber die Kleinteiligkeit des Systems zeigt sich ja schon, dass wir Gebiete in Österreich haben, wo es zu wenige Hausärzte gibt, das Essen auf Räder muss auch jemand bringen usw. Im baulichen Bereich (Begehbarkeit von Kernorten mit Rollator, Aufzüge im öffentlichen Raum, um Baustufen zu überwinden etc.) ist der Weg überhaupt noch sehr weit. 5. Infrastruktur: Hier müssen künftig deutlich weniger Leute sozusagen gleich viel Infrastruktur (Kläranlagen, Wassernetze, Brücken, Straßen usw.) erhalten. Die Wohnsituation muss auch demographisch langfristig betrachtet werden, sonst wird es in den kommenden Jahrzehnten viel mehr leere Gebäude geben, und auch die höchste Leerstandsabgabe wird da kein Problem mehr lösen (sondern eher selber eines sein). Man fahre dafür einfach in die Täler südlich der Karnischen Alpen. Zweitwohnsitzer sollte man daher positiver sehen und sie in die örtlichen Gemeinschaften stärker einbinden (ja, das ist leichter gesagt als getan). 6. Am weitestens sind sicher größere Arbeitgeberbetriebe, die einfach auch der Zentrale nachweisen müssen, dass ihnen die Arbeitskräfte nicht ausgehen und die Produktivität anhaltend hoch ist. Hier wird sich auch die Wirtschaftskammer und die Arbeiterkammer weniger mit sich selber, sondern noch viel mehr im Sinne der Klein- und Mittelbetriebe mit dieser Frage beschäftigen müssen. Hier bin ich aber positiv gestimmt und gute Arbeitsplätze werden in der Region die Demographie stützen können (aber die Entwicklung nicht vollkommen aufhalten können, außer die Zuwanderung springt an). Zusammenfassung: Wir müssen in ganz Österreich offen und unaufgeregt anfangen über diese Entwicklung zu reden, gesamtstaatlich und in jeder Gemeinde, in jedem Ortsteil - auch auf die Gefahr hin, dass diese Diskussion von den üblichen Spaltern gekapert wird. Das Thema ist nämlich in vielen Regionen unsere große Herausforderung bis 2050 und danach.
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