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Der Umweltanwalt will der Isel nun Rechte einräumen

Das „Iseljahr“ war ein Auftakt. Johannes Kostenzer und der TVBO geben einen Ausblick auf ihr weiteres Engagement.

„Die Isel ist lebendig“ – so lautete das Motto der Tiroler Umweltanwaltschaft beim Start zum „Iseljahr 2025“, das auch auf dolomitenstadt.at mit einer eigenen Rubrik zelebriert wurde. Das Projektjahr ist vorüber und Umweltanwalt Johannes Kostenzer zieht Bilanz: „Das hat sich bestätigt.“ Im Rahmen eines Pressegesprächs luden der Tourismusverband Osttirol und die Umweltanwaltschaft am Mittwoch 14. Januar, zu einem Jahresrück- und -ausblick.  

Die Bevölkerung war dazu aufgerufen, ihre Beziehung zum Gletscherfluss zu reflektieren und zu kommunizieren. Zahlreiche Aktivitäten und kreative Auseinandersetzungen von Osttiroler:innen – angefangen bei Texten über Lieder bis hin zu Kurzvideos – sind Beispiele für die große Resonanz. In Zusammenarbeit mit Vereinen und örtlichen Instituten fanden auch einige Veranstaltungen, Projekte und in Summe sieben Ausstellungen statt. 

Einen Beitrag leistete zudem der Tourismusverband. Diese Zusammenarbeit nannte Kostenzer „ungewöhnlich“ aber dennoch sehr „konstruktiv und wertschätzend“.  Franz Theurl, TVBO-Obmann freut sich über die lobenden Worte und erwähnt im Anschluss gleich mehrere anstehende Projekte für das laufende Jahr, die den Iseltrail betreffen: „Iseltrail-Haus“ in der Pfister, eine neue Hängebrücke in Matrei bei Seblas und eine Plattform in der Iselschlucht. 

Aber nicht nur der Tourismusverband hat weitere Pläne rund um das „Osttiroler Juwel“ – wie Theurl die Isel nennt. Auch die Umweltanwaltschaft wird sich weiter im Bezirk Lienz engagieren. „Das ‚Jahr der Isel‘ war der Anstoß“, erklärt Kostenzer. Ein erster Versuch, die Bedeutung dieser Lebensader zu verdeutlichen und der Diskussion zu den Rechten der Isel ein Gewicht zu geben. Für 2026 sind bereits ein „Iselslam“ – zusammengesetzt aus „Isel“ und „Poetry Slam“ – und die Erstellung eines Dashboards mit Daten zum Gletscherfluss geplant.

Johannes Kostenzer, Tiroler Umweltanwalt. Foto: Dolomitenstadt/Hassler

Langfristiges Ziel war und ist, für die Isel eine „Rechtspersönlichkeit“ zu erlangen. Unter Berücksichtigung der anrainenden Menschen sei das Gewässer ein Integritäts- und Identitätsfaktor. „In erster Linie geht es dabei nicht um Naturschutz“, betont der Umweltanwalt und verweist auf die Natura 2000-Einstufung. Da der Naturschutz bereits abgedeckt sei, könne der Fokus nun auf das Miteinander gelegt werden. Gerade deshalb habe die Umweltanwaltschaft den Osttiroler Gletscherfluss gewählt. 

Laut Kostenzer geht es in diesem Prozess nämlich „um eine Veränderung des Umgangs im eigenen Kopf. Auf Neudeutsch würde man sagen, im Mindset. Wie ist meine Beziehung und welchen Stellenwert hat dieser Fluss für mich?“ Die Rechtspersönlichkeit wäre demnach „kein Instrument, um etwas zu verhindern“, sondern ein Symbol für ein respektvolles Zusammenleben mit der Isel.

Weltweit gibt es schon Beispiele für Gewässer mit Rechtspersönlichkeit. Dazu zählen das Mar Menor in Spanien, der Ganges in Indien und der Whanganui-Fluss in Neuseeland. Welche spezifischen Rechte den Gewässern eingeräumt werden, ist unterschiedlich. Die „Interessen“ der Flüsse werden jeweils von Gremien vertreten. In Osttirol könnte dies etwa der Verein „Isel Freunde“ sein, der in den kommenden Monaten seine Gründung finalisiert.

Johannes Kostenzer beschreibt den Prozess der Anerkennung einer Rechtspersönlichkeit für Natur-Entitäten unter anderem in einem Podcast-Gespräch zum Auftakt des Iseljahres im Jänner 2025 mit Dolomitenstadt-Chefredakteur Gerhard Pirkner.

Alexandra Hassler stammt aus Irschen, hat die HAK Lienz absolviert und ist als junge Redakteurin auf lebendige, multimediale Reportagen und Videos spezialisiert.

21 Postings

lia
vor 2 Monaten

die isel personalisieren ist eine gute idee. was wäre noch möglich? wolf, hund, rauchkofel

 
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    Joe B. Tolliver
    vor 2 Monaten

    Sie haben das zwar offenbar ironisch gemeint (haha!), aber das wäre tatsächlich möglich. Manche andere Länder (zB Bolivien) sind da schon deutlich weiter.

     
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      jj.ll.
      vor 2 Monaten

      Andere Länder sind da schon weiter!!! Z.B. Ruanda hat schon 2008 Plastiksackerln verboten. Bolivien hat ihrer Meinung schon mehr Natur personalisiert? Punktuell wird das ja auch stimmen. Viele Flüsse sind ja auch in Italien wenig verbaut. Aber ob man deswegen in diesen "Vorreitern" leben will? Das Gesamtpaket ist entscheidend. Und Österr. steht da gar nicht so schlecht da.

       
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      Village Pizza
      vor 2 Monaten

      @jj.ll. Ja, Österreich steht ganz hervorragend da, und die Einführung der (unionsrechtlich gar nicht erforderlichen) Umweltanwaltschaften hat der Natur zwar keine Rechtspersönlichkeit, aber doch eine Stimme gegeben. Gut so. Allerdings ist der Umwelt- und Naturschutz, den wir in Österreich praktizieren, ein Wohlstandsphänomen, und das muss man sich erst einmal leisten können. Es könnte leicht sein dass in Zukunft auch hier rigoros "gespart" wird.

       
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      jj.ll.
      vor 2 Monaten

      Wohlstandsphänomen? Grosse Teile Österreichs sind sich selbst überlassen und kosten nichts, solange sich nicht irgendwelche Experten darum kümmern. Die Kulturlandschaften werden genützt und erwirtschaften Ertrag, solange es die Rahmenbedingungen erlauben. Wenn z.B. die Almbauern den Wolf aufgedrückt bekommen, dann kosten die Experten und Beamten, Ablösen für tote Schafe werden fällig und zuguterletzt werden die Almen aufgelassen. Dagegen wird auf Glyphosat und Ähnliches vergessen.

       
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beobachter52
vor 2 Monaten

Vielleicht können die "Iselfreunde" ihre Freundin einmal fragen, ob es ihr egal ist, wenn das Wasser des Kalserbaches nicht in Unterpeischlach sondern einen Kilometer weiter flussabwärts in sie mündet, nachdem es nämlich im Kalserbachkraftwerk Strom erzeugt hat! Wäre nämlich für den eventuellen Bau von weiteren Wasserkraftwerken wichtig :-)

 
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heli52
vor 2 Monaten

Wenn die liebe Isel unsere Freundin ist, wird sie uns wohl nichts mehr antun? Wieso man dann in Lienz eine solch aufwendige Hochwasserverbauung macht, verstehe ich nicht! Im Ernst: Dass die Tourismuswerbung vom "letzten unverbauten Gletscherfluss der Ostalpen" spricht, verstehe ich! Ist anscheinend ein erfolgreicher Werbeslogan! Dass dies Umweltexperten auch behaupten, wundert mich schon! In meinen Jugendjahren floss die Isel zwischen Huben und Lienz in vielen Seitenarmen durch die Auwälder! Bei Niedrigwasser konnte man sie trockenen Fusses überqueren! Nach den Hochwassern in den 60-er Jahren wurde sie (richtigerweise!) in ein Flussbett mit abschnittweisem Hochwasserschutz zurück "gedrängt"! Immer noch ein "schöner Gletscherfluss", aber "naturbelassen", "unverbaut"?

 
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    Joe B. Tolliver
    vor 2 Monaten

    "Frei fließend" bedeutet, dass die longitudinale, laterale und vertikale Vernetzung eines Flusses oder eines Flussabschnittes nicht durch künstliche Strukturen, die ein Hindernis bilden, behindert wird und dessen natürliche Funktionen weitgehend unbeeinträchtigt sind (siehe etwa Art. 3 Z 22 Wiederherstellungs-VO 2024/1991).

    Nach der Publikation "FREI FLIESSENDE FLÜSSE - POTENZIAL ZUR RENATURIERUNG IN ÖSTERREICH" des WWF sind nur Teile der Isel (hauptsächlich Teile der Strecke vor Matrei, aber auch das Stückchen zwischen St. Johann und Oberlienz) "frei fließend". Das Gerede vom "letzten frei fließenden Fluss der Alpen" erweist sich als unzutreffender Marketing-Schmäh. Das heißt aber natürlich nicht, dass auch die derzeit noch naturbelassenen Abschnitte verbaut werden sollen.

     
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      senf
      vor 2 Monaten

      sie meinen es aber böse mit dem aberglauben :-)

       
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jj.ll.
vor 2 Monaten

Tiere sind keine Sachen mehr, Bäume und Pilze können denken, Männer fühlen sich als Frauen und umgekehrt, Menschen fühlen sich genderkonform auch als Tiere! Pizza und Gailtaler Almkäse sind Weltkulturerbe der Unesco! lrgendwann reichts einfach! Als nächstes kommt der Rauchkofel daher und verlangt Rechtspersönlichkeit für sich. Die Natur ist zu schützen, sonst nichts!

 
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    Simonetta
    vor 2 Monaten

    💯%

     
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    Biker
    vor 2 Monaten

    @jj.ll., Noch nie was vom "Wood Wide Web" gehört?

     
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    isnitwahr
    vor 2 Monaten

    Tiere sind keine Sache, Bäume und Pilze haben z.B. erstaunliche Strategien gegen "Feinde", ob sich Männer als Frauen fühlen oder umgekehrt ist allein deren Sache, dass sich Menschen als Tiere fühlen entspringt wohl Ihrer Fantasie und wenn Pizza und Gailtaler Almkäse zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, umso besser. Wenn man nur ein ganz, ganz wenig in Biologie aufgepasst hat weiß man, dass ein Fluss schon durch seine pflanzlichen und tierischen "Bewohner" lebt. Die zu schützende Natur strotzt nur so vor Leben, warum regen Sie sich also auf? das alles hat ja keine negativen Auswirkungen auf Sie!

     
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      jj.ll.
      vor 2 Monaten

      Noch nie was von Therianthropen gehört? Kann ich nicht glauben! Wenn ein Krimineller vom Walter zur Waltraud wird und deswegen nicht in den Knast muss, betrifft mich das schon. Genauso wie die ausufernde Bürokratie uns alle betrifft. Der Blick auf das Gesamte ist offensichtlich verlorengegangen, Details stehen im Interesse der Öffentlichkeit. Das FSC Zertifikat ist dank WWF und anderen ein schlechtes Beispiel.

       
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      isnitwahr
      vor 2 Monaten

      @jj.ll, Walter bzw. Waltraud wollte ins Frauengefängnis und nicht dem Gefängnis entgehen, außerdem wollte er oder sie auch früher in Pension gehen und diese Causa ist, soweit ich weiß, noch nicht abgeschlossen. Aber ich darf Sie beruhigen, DIE Isel wird keinen Antrag stellen, künftig DER Isel zu sein, da bin ich mir ganz sicher..

       
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      jj.ll.
      vor 2 Monaten

      Das sind die Details! Ob der Isel oder die Isel ist für die Natur vollkommen egal. Was den ehemaligen Bordellie anbelangt gibts nur eine Lösung, das Skalpell. Dann kann er mit den Frauen duschen.

       
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    Sensei
    vor 2 Monaten

    Auweh. Es muss weh tun, alt und frustriert zu sein und die Welt aufgrund der eigenen Ignoranz und Unfähigkeit zur Entwicklung nicht mehr verstehen zu können. Kopf hoch! Wir werden heutzutage nicht nur immer dümmer sondern auch immer schlauer und Sie können sich jederzeit frei für eine der Strömungen entscheiden ;)

     
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      jj.ll.
      vor 2 Monaten

      Schlauer sein bedeutet: jung sein und Toleranz einfordern. Selbst tolerant sein ist kein Kriterium. Wenn man das generische Maskulin als ausreichend beurteilt, aber gleiche Löhne haben will. Wenn man die Natur schützen will und die Verbauung der Flüsse und Bäche aus Sicherheitsgründen akzeptiert. Wenn man die Tujenhecke samt gepflegtem Rasen für gut befindet und nicht jedes Unkraut bis zur Reife stehen lässt, ist man dann alt? Den Jungen/Junginnen ist zu wünschen, dass sie ein wenig Toleranz von den älteren Generstionen abschauen.

       
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    Manfred Huber
    vor 2 Monaten

    Bingo 💯 ganz einfach wärs!

     
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Medan
vor 2 Monaten

"Da der Naturschutz bereits abgedeckt sei ..." Und wie ist das bei den einmündenden Gewässern? Ihr Einfluss (nicht nur im wörtlichen Sinn) darf nicht ausgeblendet werden.

 
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ohli
vor 2 Monaten

Die Isel ist meine Freundin: An 365 Tagen für mich da, gibt mir Ruhe,Stärke,Gelassenheit und Freude--ist immer neu zu entdecken-- kurz: Eine PERSÖNLICHKEIT, deren Wert jeder entdecken kann, so er,sie es will!

 
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