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Die Wirtschaftskammer ist „vorsichtig optimistisch“

Das metaphorische Glas sei „halb voll“, wurde im Rahmen des diesjährigen Neujahrsempfangs betont.

Am Montag, 19. Jänner, fand der Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer in der Bezirksstelle Lienz statt. Im Vorfeld wurde zu einem Pressegespräch geladen. Dabei schilderte zunächst Barbara Thaler, Präsidentin der WK Tirol, die aktuelle wirtschaftliche Lage und gab einen Ausblick für 2026.

Verbesserte Stimmung

Das Konjunkturbarometer der Wirtschaftskammer, das die Einschätzungen aus 400 Betrieben mit insgesamt 300.000 Mitarbeiter:innen abbildet, verdeutliche im Vergleich mit dem Vorjahr, dass man wieder Boden unter den Füßen gewinne: „Fast alle Zahlen sind in den Umfragen besser als letztes Jahr“, sagte Thaler, ergänzte aber einschränkend, dass die Situation je nach Branche unterschiedlich sei.

Mit Blick auf ganz Tirol identifizierte sie den Tourismus als „stabilen Anker, der durch die Krise hilft“, aber auch in der Informations- und Consultingbranche sowie im Handel sei Besserung eingetreten. Als „Sorgenkind“ benannte Thaler hingegen die Industrie, da die internationale Wettbewerbsfähigkeit gefährdet sei: „Österreich ist zu teuer für den Weltmarkt“, konstatierte die WK-Präsidentin. Auch die Bauwirtschaft bleibe laut Konjunkturbarometer im negativen Bereich, im Vergleich zum Vorjahr sei aber zumindest die Stimmung besser.

Strukturelle Herausforderungen bleiben

Entwarnung wollten Thaler und Hysek-Unterweger trotz allem aber nicht gegeben, da strukturelle Herausforderungen, wie hohe Lohnkosten, Bürokratie und hohe Steuerlast bestehen bleiben. Konjunkturhemmend sei zudem die hohe Sparquote in Österreich. Auch Betriebe agieren bei Neuinvestitionen zurückhaltend.

Nicht ohne Pathos forderte Thaler mehr Wertschätzung für die Wirtschaft ein. Schließlich zahle die Tiroler Wirtschaft jährlich Löhne in der Höhe von 21 Milliarden aus, während sich die Arbeiterkammer damit brüste, 80 Millionen für ihre Mitglieder erstritten zu haben. „Wann haben wir zugelassen, dass der Applaus für jene, die viel leisten, leiser geworden ist?", fragte die Präsidentin rhetorisch, bevor sie im nächsten Atemzug die Wichtigkeit eines guten Miteinanders zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern unterstrich.

Krisenhafter November für Wirtschaftskammer

Angesprochen auf die sich im November überschlagenden Ereignisse rund um den ehemaligen WK-Präsidenten Harald Mahrer, dessen Bezüge und Krisenkommunikation, zeigte sich Thaler einsichtig: Es sei gut, dass die Geschichte noch im Hinterkopf sei und sie wolle unangenehme Themen auch offen ansprechen. Man starte nun in einen Reformprozess, an dessen Ende „es den Betrieben besser gehen soll.“ Beispielhaft für geplante Vorhaben verweist Thaler etwa auf die Stärkung der Bezirksstellen oder eine vereinfachte WK-Wahl 2030.

Bezirksstelle Lienz als Servicepartner

Bezirksstellenobfrau Michaela Hysek-Unterweger skizzierte anhand einiger Zahlen den konkreten Stellenwert der Wirtschaftskammer in Lienz als Service- und Bildungsinstitution: 4.000 Kontakte mit Osttiroler Betrieben wurden im Jahr 2025 verzeichnet, 220 WIFI-Kurse mit 1.500 Teilnehmer:innen abgehalten und unterschiedliche Bildungsformate, wie „Kinder entdecken Wirtschaft“ oder das „Tiroler Berufsfestival“, umgesetzt.

Gaben Auskunft über die wirtschaftliche Lage in Tirol und Lienz: WK-Bezirksstellenleiter Johann Kollreider, Bezirksobfrau Michaela Hysek-Unterweger und WK-Tirol-Präsidentin Barbara Thaler. Foto: Dolomitenstadt/Sint

Überalterung

Als zentrale Herausforderung für den Bezirk nannte Hysek-Unterweger die Überalterung, die es Betrieben immer schwerer mache, Personal zu finden. Daher sei man einerseits auf Zuwanderung angewiesen, andererseits wolle man auch das Image der Lehre weiter verbessern. Lehrlinge gelten für viele KMUs und Industriebetriebe als überlebensnotwendig, gleichzeitig sind sowohl die Zahlen der Lehrlinge als auch jene der Ausbildungsbetriebe rückläufig

Digitalisierung, Automatisierung, KI

Als dritte Strategie, um einem Fachkräftemangel beizukommen, wies die Bezirksstellenobfrau schließlich einen Dreischritt aus Digitalisierung, Automatisierung und KI aus. Gerade im Bezirk dominieren allerdings kleine und mittlere Betriebe, wo die Digitalisierung oft an einzelnen Personen hängt. Vielfach sei diesen Betrieben wohl bewusst, dass es mehr Digitalisierung braucht, der Anfang mit einem ersten Projekt falle aber dennoch schwer. Mit Blick auf die letzten Jahre resümiert Hysek-Unterweger, dass der Bezirk Osttirol gut durch die Krise gekommen sei und sich als widerstandsfähig erwiesen habe.

Bezirksstellenleiter Johann Kollreider, WK-Tirol Präsidentin Barbara Thaler, Landesrat Mario Gerber, Bezirksstellenobfrau Michaela Hysek-Unterweger und WK-Tirol Vizedirektor Gregor Leitner. Foto: Brunner Images

Nach dem Informationsgespräch mit Medienvertreter:innen wechselten Thaler, Hysek-Unterweger und Kollreider das Stockwerk. Im Festsaal der Kammer waren Wirtschaftstreibende und lokale Prominenz aus Verwaltung, Gemeinden, Kirche und Schulwesen zum traditionellen Neujahrsempfang geladen, den sich auch Wirtschaftslandesrat Mario Gerber nicht entgehen ließ. Er betonte in seiner Ansprache vor allem die mehr als 60 Maßnahmen zur Entbürokratisierung, die von der Tiroler Landesregierung bisher bereits gesetzt worden seien, eine Digitalisierungsoffensive, das Bemühen um flächendeckende Kinderbetreuung und die Budgetkonsolidierung, bei der Tirol vorbildhaft sei.

Kristina Sint hat Lehramt studiert und den Masterlehrgang „Journalismus und Medienarbeit“ abgeschlossen. Sie unterrichtet an der MS Egger-Lienz und lebt bei dolomitenstadt.at ihre Faszination fürs Schreiben und spannende Geschichten aus.

8 Postings

Syria
vor einem Monat

@Schaltjahr: Volle Zustimmung, aber ich weiß nicht genau, wie die Redaktion tickt ? Schreib ich so einen Beitrag gegen einen Grünen, wird er garantiert zensiert, weil "persönliche Angriffe", "beleidigend" etc......

 
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    Colombo
    vor einem Monat

    kommt mir irgendwie bekannt vor ! 🤔

     
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Der Graukofler
vor einem Monat

Ich warte auf Strukturmaßnahmen in der Wirtschaftskammer! Oder ist mir etwas entgangen?

 
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schaltjahr
vor einem Monat

Man könnte fast glauben, Michaela Hysek-Unterweger sei ein Mythos. Eine Erscheinung, sichtbar vor allem dann, wenn Blitzlichter, Festsaal und Landespolitik zusammentreffen.

Sobald diese Kulisse fehlt, wird es still. Im wirtschaftlichen Alltag Osttirols hört man nichts. Keine Wortmeldungen, wenn Betriebe kämpfen. Keine öffentlichen Positionen, wenn Lehrstellen verschwinden. Keine hörbare Stimme, wenn Fachkräftemangel und Überalterung längst Realität sind. Wird hingegen Prominenz angekündigt, ist sie da. Verlässlich wie das Namensschild am Rednerpult.

Das ist kein Zufall. Diese Zurückhaltung hat System. Inhaltlich bewegt sich der öffentliche Auftritt in bewährten Komfortzonen: Zahlen, Kurse, Kontakte, Formate. Alles richtig, alles korrekt, alles vollkommen ungefährlich. Haltung wird durch Statistik ersetzt, Führung durch wohlklingende Sätze ohne Konsequenzen. Wer nichts zuspitzt, kann auch niemanden verärgern.

Entsprechend werden auch die großen Themen behandelt. Zuwanderung, Lehre, Digitalisierung, Automatisierung, KI. Aufgezählt, entschärft, folgenlos. Digitalisierung wird beschworen, während kleine Betriebe nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Zuwanderung wird erwähnt, ohne je über Integration oder Arbeitsbedingungen zu sprechen. Lehre wird gelobt, während die Zahlen unbeirrt weiter sinken.

Gerne heißt es, Wirtschaft seien „wir alle“. In der Praxis wirkt dieses „Wir“ erstaunlich selektiv. Denn Wirtschaft ist nicht nur Produktionsstraße und Stapler, sondern auch die Lienzer Innenstadt mit ihren lokalen Betrieben. Auch zur Causa Harald Mahrer schwieg sie auffallend souverän. Aber man beißt ja selten in jene Hand, von der man persönlich jahrelang gefüttert wurde.

So zeigt sich ein klares Muster unserer Witschaftskammer- und Wirschaftsbund- obfrau: Man sieht sie dort, wo Wirtschaft geschniegelt ist. Man hört sie dort, wo niemand widerspricht. Man vermisst sie dort, wo es ungemütlich wird.

Vielleicht ist genau das ihre Strategie: maximale Sichtbarkeit bei minimalem Risiko. Echte Interessenvertretung ist laut, unbequem und konfliktbereit. Ein sicherer Platz in der ersten Reihe offenbar nicht.

Am Ende bleibt ein Eindruck: Man kennt die Bezirksobfrau. Man weiß, wie sie aussieht. Man weiß, wo sie sitzt. Man weiß nur nicht, wofür. Außer für den nächsten Empfang. In diesem Sinne: Lei Lei🎭

 
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    ruhigblut
    vor einem Monat

    @ schaltjahr...auf den Punkt gebracht ....

     
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    felix1960
    vor einem Monat

    sehr gutes statement - kann auch auf unsere Politiker angewendet werden. Angefangen von den Gemeinderäten und Bürgermeistern/in !!!!!.

     
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wolfgangwien
vor einem Monat

Wann wird die Bezirksstelle Lienz jetzt aufgelöst?? Konnte im Artikel kein Datum finden.

 
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ruhigblut
vor einem Monat

..... sorry aber das Foto erinnert mich an die Adams Family ;-)

 
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