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Kein „Feuer!“ für Frauen bei den Tiroler Schützen

Nur 13 Prozent stimmten dafür, dass Frauen mit Gewehr ausrücken dürfen. NEOS, Grüne und SPÖ äußern Kritik.

In der traditionellen Rollenverteilung sieht der Bund der Tiroler Schützenkompanie den Schützen als „Verteidiger“, die Marketenderin als „Bewahrerin“. Diese Struktur bleibt 2026 unverändert – per Briefwahl haben sich 86,96 Prozent der wahlberechtigten Mitglieder für Beibehaltung des Ist-Zustands ausgesprochen. Ausgelöst wurde die Debatte im Jahr 2025, als zwei Kompanien Anträge vorlegten, um „Frauen als Gewehrschützinnen bei Ausrückungen zuzulassen“.

Dem Thema begegnete der Schützenbund mit einem sogenannten Nachdenkprozess. Im Vorjahr fanden dazu Diskussionsrunden in den vier Tiroler Vierteln statt. Als zentrale Erkenntnisse einigten sich die Teilnehmer:innen darauf, dass „Tradition Vorrang vor dem Zeitgeist“ habe und Marketenderinnen „als wichtiger und sichtbarer Teil der Gemeinschaft“ hohe Wertschätzung erfahren. Festgehalten wurde zudem, dass sich das bestehende Nachwuchsproblem durch die Zulassung von Gewehrschützinnen nicht lösen werde.

Auf Basis dieser und weiterer Erkenntnisse formulierte der Bund neun Thesen, die zur weiteren Meinungsbildung herangezogen werden konnten. Darunter die Ansicht, dass das Bild des bewaffneten Schützen aufgrund einer „rechtlich-gesellschaftlichen Ordnung“ bestehe und nicht als Abwertung zu verstehen sei. Die klare Rollenverteilung begründen die Verantwortlichen mit dem Verständnis, dass echte Gemeinschaft nicht von Gleichheit lebt, „sondern von Ergänzung“.

Die Erkenntnisse, Thesen und das Fazit zum Nachlesen.

Die Briefwahl fand zwischen dem 1. Dezember 2025 und dem 15. Januar 2026 statt. Das Ergebnis wurde am 21. Januar veröffentlicht. Unter allen Schützenkompanien in Tirol, dem Bundesausschuss und den Ehrenoffizieren gab es insgesamt 322 wahlberechtigte Personen. 299 Stimmzettel wurden abgeschickt. Rund 87 Prozent stimmten für den Ist-Zustand. Lediglich 38 Wahlberechtigte sprachen sich für Gewehrschützinnen aus.

„Das ist ein klarer demokratischer Auftrag, unsere gewachsene Tradition beizubehalten. Es war richtig dass wir dieses Thema offen diskutiert haben – aber jetzt ist es entschieden“, wird Thomas Saurer, Landeskommandant der Tiroler Schützen, auf der Webseite des Bundes der Tiroler Schützenkompanien zitiert.

Salve am Hohen Frauentag in Innsbruck 2025. Foto: Land Tirol/Sedlak

Die liberaleren Parteien der Tiroler Politik äußern sich kritisch. „Im 21. Jahrhundert hätte ich mir von einem traditionsbewussten Verein eine andere Entscheidung erwartet“, schreibt etwa Birgit Obermüller, NEOS Klubobfrau. Sie vermutet, das Umdenken komme erst, „wenn der Nachwuchsmangel nicht mehr zu übersehen ist.“ Kritisch betrachtet sie das Rollenbild und das Verständnis von Gleichstellung, an denen der Bund der Tiroler Schützenkompanie festhält. „Wer Tradition lebendig halten will, muss sie weiterentwickeln“, ist Obermüller überzeugt. 

Mit ihrer Einschätzung ist sie auf politischer Ebene nicht allein. Zeliha Arslan, Kultursprecherin der Grünen, bedauert den ausbleibenden Fortschritt. „Brauchtum sollte mit den gesellschaftlichen Veränderungen gehen und sich nicht als Gegenmodell verstehen“, argumentiert Arslan. Sie ist sich sicher, dass die Schützenkompanie eine „Vorreiterrolle für mehr Gleichberechtigung“ hätte einnehmen können. Für Tirol wäre die Zulassung von Gewehrschützinnen daher „ein wichtiger Schritt“ gewesen, ist sie überzeugt. 

Vor allem die falsche Interpretation der Geschichte verwundert die Kultursprecherin. Die Entscheidung werde mit Identität und Tradition begründet, „obwohl historisch hinlänglich belegt ist, dass schon in den Gründerzeiten der Schützen auch Frauen zu den Waffen gegriffen haben.“

Ein Argument, das auch Selma Yildirim, Landesfrauenvorsitzende der SPÖ, bringt. Außerdem spricht sie den Widerspruch aktueller Diskussionen im Land an: „In Österreich wird wieder über eine Wehrpflicht für Frauen diskutiert. Bei den Schützen in Tirol stellt man sich aus ‚Tradition‘ gegen Schützinnen mit Gewehr.“ Ihre Meinung lautet: „Wer will, soll dürfen.“

Alexandra Hassler stammt aus Irschen, hat die HAK Lienz absolviert und ist als junge Redakteurin auf lebendige, multimediale Reportagen und Videos spezialisiert.

3 Postings

Niemand
vor 27 Minuten

Sobald Frauen auch zum Bundesheer müssen, werden sich auch die Schützen damit abfinden können bzw. müssen.

 
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Haberg21
vor 31 Minuten

Dass es Kritik geben wird, wurde auch erwartet, aber die Entscheidung der Kompanien des Bundes der Tiroler Schützenkompanien sollte akzeptiert werden! Wie schon unser Landeskommandant beteuert hat - ist diese Entscheidung nicht gegen unsere Frauen und Marketenerinnen gerichtet, sondern im Voraus durch einen Nachdenkprozess in mehrwöchiger Diskussion in den gesamten Schützenvierteln Tirols abgehalten worden. Wenn jetzt Vorsitzende der verschiedenen Politparteien diese Entscheidungen kritisieren, so sollten sie doch mal einem der Vereine beitreten, um zu sehen, welchen Stellenwert Frauen/Marketenderinnen bei uns Schützen haben und dass sie genauso wie ihre männlichen Kollegen am Schießstand sein dürfen. Auch in verschiedenen Funktionen, zB. Obfrau, oder als Schriftführerin, bzw. Kassierin, oder auch als Schießbeauftragte können sie Verantwortung übernehmen. Viele von den Kritikern sind halt kaum in Dörflichen Vereinen tätig und leisten für die Dorfgemeinschaft so gut wie gar nichts!

 
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Asdf jjkloe
vor 2 Stunden

Tirol in a nutshell

 
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