Farbe, Fantasie und Sensibilität verbindet man nicht unbedingt mit der psychiatrischen Abteilung einer Klinik. Was das Bezirkskrankenhaus Lienz angeht, handelt es sich tatsächlich um ein Vorurteil, wie Journalist:innen am Donnerstag, 26. Februar, selbst erlebten. Ein Pressetermin im Besprechungsraum des Spitals, entwickelte sich zu einer offenen Gesprächsrunde, in deren Mittelpunkt Schüler:innen des Gymnasiums Lienz standen.
Durch die Kreativität der Jugendlichen fanden Farbe, Fantasie und Sensibilität einen Platz in den Klinikräumen. Seit den Weihnachtsferien gestalteten Schüler:innen der fünften, siebten und achten Schulstufe in drei Unterrichtseinheiten Kunstwerke, die nun die Wände der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin zieren. Die Motive wurden von den Jugendlichen bewusst gewählt und zeigen bekannte Gebäude und Wahrzeichen der Stadt Lienz. Die Liebburg, Schloss Bruck oder die Pfarrkirche St. Andrä, um nur ein paar zu nennen. Über den künstlerischen und organisatorischen Prozess erzählt Mira, eine Teilnehmerin des Kunstprojekts:

Die Idee zu diesem Projekt stammt von Primar Jadranko Hodzic, er leitet die Abteilung und stellte über Hansjörg Marsoner, den ärztlichen Direktor des BKH, den Kontakt zum Gymnasium her: „Zwischen den Räumen einer psychiatrischen Einrichtung hängen oft schwere Gedanken und Gefühle“, erklärte der Primar. Gerade deshalb sei es so wichtig, einen Ort wie diesen in einen Raum mit Farbe und Fantasie zu verwandeln, der berührt. Eine Anforderung, der die Schüler:innen gerecht wurden, darin sind sich Hodzic und Marsoner einig.
Auch Wolfgang Bonecker, stellvertretender Leiter der Station, sieht das so und berichtet von Gesprächen über die Gemälde unter den Patient:innen. Angeregt von den Motiven der Kunstwerke kam es zu Interaktionen, Diskussionen und Erinnerungen. Es wurden Verbindungen geschaffen, erläutert Gabriele Riess, Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin am BKH. Sie erklärt: „Als Menschen haben wir gemein, uns ausdrücken zu wollen. Bei Patient:innen ist das oftmals blockiert, es fällt ihnen schwer, sich auszudrücken.“ Die neuen Bilder und Fensterfolien würden jedoch eine Hemmschwelle abbauen.
Doch nicht nur intern geht es um das Überwinden von Hürden. Auch nach außen, gegenüber der Gesellschaft, sieht sich die Einrichtung mit der Herausforderung konfrontiert, psychische Erkrankungen zu entstigmatisieren. „Die Zusammenarbeit mit dem Gymnasium symbolisiert dabei einen von vielen Schritten“, betont Oberärztin Nadja Wendlinger.
Anna, die das Gymnasium besucht, ergriff bei der Präsentation ebenfalls das Wort. Sie hat das Kunstprojekt tatsächlich als entstigmatisierend wahrgenommen. Die Auseinandersetzung mit dem Thema und der Besuch der psychiatrischen Station bauten bei ihr selbst Vorurteile ab. Fenja, eine Schulkollegin, schildert, wie sie die Beschäftigung mit dem Thema empfunden hat:
Eine weitere Klassenkollegin, Hannah, erzählte, dass die Schüler:innen auch bei der Platzierung der Bilder mitbestimmen durften: „Wir haben die Bilder so angeordnet, dass sie perfekt harmonieren, besonders was die Farben betrifft.“ Das Ergebnis schafft eine angenehme Atmosphäre, von der auch die Pflegekräfte profitieren. Ein Projekt, das somit auf mehreren Ebenen Freude bereitet.


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herzliche Gratulation den Schülern zu den gelungenen Kunstwerken...
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