Aufsteiger Matrei mischt in der ersten Saison in der Kärntner Liga kräftig mit und überwinterte auf Platz fünf. Der Start in die Frühjahrssaison verlief zwar nicht nach Wunsch, aber dennoch ist man in Matrei optimistisch. Harald Panzl, sportlicher Leiter und Coach im Trainerteam Panzl/Bernsteiner, spricht im Interview über seine bereits gesammelten Erfahrungen und was er sich für die Zukunft vornimmt.
Herr Panzl, Ihr Weg führte von Matrei über Stationen wie TSU Virgen, FC-WR Nußdorf/Debant und TSU Bramberg wieder zurück nach Matrei. Was konnten Sie in den Jahren in anderen Vereinen lernen, was Ihnen jetzt auf alle Fälle zugutekommt?
Man kann natürlich aus jedem Verein viele Sachen mitnehmen. Jeder Verein hat seine eigene Philosophie und verfolgt andere Ziele. Über die Jahre findet man auch Dinge, die besser und schlechter für einen funktionieren.
Eine meiner schönsten Stationen war Virgen. Dort haben wir nicht nur viele Erfolge gefeiert, sondern haben erstmals den Aufstieg in die 1. Klasse geschafft. Der Aufstieg erfolgte ausschließlich mit einheimischen Spielern.
Meine Zeit bei der TSU Bramberg war komplettes Neuland. Die Salzburger Liga ist ganz anders als unsere hier. Der Betrieb verlangt ein ganz anderes Level und es wird viel mehr gescoutet. Wir haben auch in Stadien gespielt wie Grödig mit einer Kapazität von mehreren Tausend Zuschauern.
Wir wissen ja, es kamen nicht nur Sie zurück zum Heimatverein, sondern mit Ihnen auch viele bekannte Gesichter, die ihre Jugend in Matrei verbracht haben. Versucht man auch in Zukunft auf heimische Jugendliche zu setzen?
Bei der Kaderplanung lag mein Augenmerk auf Spielern, die ihre gesamte Nachwuchszeit in Matrei verbracht haben. Wir wollen eine gute und wettkampfsstarke Mannschaft aus regionalen Spielern bilden. Mit Luca Ronacher haben wir einen Spieler aus Niedernsill, der rund 20 Minuten zum Training fährt. Auch Adrian Steurer nimmt eine Anreise von etwa 20 Minuten in Kauf, er kommt aus Tristach. Für mich sind daher beide regionale Spieler.
„Man muss jedem Kind die Möglichkeit geben, Fußball zu spielen!“
Harald Panzl
Natürlich wollen wir allen Spielern aus der Region die Möglichkeit geben sich in der höchsten Amateurklasse Kärntens zu beweisen. Da wir auch von guter Nachwuchsarbeit von unseren Nachbarvereinen profitieren, werden wir auch in Zukunft mehr Fokus auf die Seitentäler legen. Spieler wie Laurin Berger oder Benjamin Mair sind auf unserem Radar. Gleichzeitig investieren wir viel in den eigenen Nachwuchs. Man will ihnen schließlich die bestmögliche Ausbildung bieten können.
Mit Ihrem Aufstieg hat sich auch Ihr langjähriger Derby-Gegner Nußdorf-Debant für den Aufstieg qualifiziert. Nun konnten sich die Zuschauer bereits über Derbys in der anspruchsvolleren Liga freuen. Freut man sich da als Trainer auch, wenn der langjährige Rivale ebenfalls den Aufstieg schafft, und man nun doch noch DAS größte Derby im Bezirk bestreitet?
Es wäre schade, wenn es nur mehr eine Mannschaft in der Liga gibt und man auf ein Derby verzichten müsste. Derbys sind sehr wichtig im Fußball und einfach eine coole Geschichte. Gegen wen wir ein Derby haben, ist für mich zweitrangig.
Die Leidenschaft in Derbys ist unvergleichbar. Schauen wir auf das letzte Match gegen Nussdorf/Debant zurück, welches wir mit 4:0 gewonnen haben: Bei diesem Spiel waren fast 2000 Zuschauer und eine unvergleichbare Atmosphäre. Derbys in diesem Ausmaß sind nicht nur für die Spieler etwas Besonderes, sondern auch für uns Trainer eine coole Erfahrung.
Man sieht der Fußball-Hype im Tauernstadion war nie weg, ist jetzt aber größer denn je. Wie geht man als Trainer mit dem Druck um? Hat man auch da gewisse Rituale, die nie fehlen dürfen?
Der Hype ist da. Wir haben im Schnitt 1000 Zuschauer pro Spiel. Diese Zahl an Zuschauern haben wir uns durch unseren attraktiven Fußball aber auch verdient. Durch Routine und Erfahrung hält sich mein Druck in Grenzen. Ich verspüre deutlich weniger Druck, da ich mich auf meine Spieler verlassen kann. Sie sind nicht nur fokussiert, sondern freuen sich auch richtig auf die Spiele!
Rituale habe ich keine. In der Früh stehe ich auf und freue mich auf den Tag. Danach warte ich hart, bis das Match endlich beginnt.
Sie stehen derzeit mit Ihrer Mannschaft nach der Herbstsaison auf dem 5. Platz der Kärntner Liga – was sind ihre Ziele für die Frühjahrssaison? Versucht man einfach den Platz zu halten oder will man ganz nach vorne?
Unser erstes Ziel nach dem Aufstieg war der Klassenerhalt. Nun steht man nach der Hinrunde völlig unerwartet auf dem 5. Platz und hat wirklich die Möglichkeit aufzusteigen. Im Endeffekt haben wir nicht selbst in der Hand, wie viele Mannschaften es schlussendlich von der Kärntner Liga in die Regionalliga schaffen. Damit wir um den Aufstieg mitspielen können, müssen wir verletzungsfrei bleiben.
Sollten wir den Aufstieg am Ende der Saison schaffen, wollen wir unseren Werten und Zielen trotzdem treu bleiben. Wir setzen weiterhin auf regionale Talente.
Wenn Sie auf die vergangene Herbstsaison blicken. Wofür steht Ihre Mannschaft auf dem Platz? Welche Philosophie steckt dahinter?
Leidenschaft! Wenn ich zurückblicke auf die Herbstsaison, dann steht unsere Mannschaft für echte Leidenschaft und ein starkes Wir-Gefühl. Disziplin ist das A und O, aber auch Spaß gehört dazu. Das Gemeinsame treibt uns an!
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