Ihr Dolo Plus Vorteil:
Diesen Artikel jetzt anhören

Suchtmittel: „Osttirol ist keine Insel der Seligen“

Die Verfügbarkeit verschiedener Drogen ist hoch. Die Polizei setzt auf Opferschutz und Cyberermittlungen.

Wie groß ist das Ausmaß des illegalen Drogenkonsums bzw. der Substanzabhängigkeit im Bezirk Lienz? Stellt man diese Frage, stößt man zunächst auf „gefühlte“ Wahrheiten, die Osttirol als Insel der Seligen deklarieren, bestimmte Lokale und Orte verdächtigen oder den Bezirk mit vielsagendem Blick als „doch gar nicht so harmlos“ zu demaskieren versuchen.

2025: 165 Anzeigen nach Suchtmittelgesetz

Doch diese Einschätzungen sind in den wenigsten Fällen valide, zumal sie vielfach auf Gehörtem und Weitererzähltem basieren.

Im Gegensatz dazu verfügt die Polizei über statistische Daten, die zumindest im Bereich der Anzeigen ein klares Bild ergeben: So wurden im Jahr 2025 im Bezirk Lienz 165 Vergehen und Verbrechen nach dem Suchtmittelgesetz zur Anzeige gebracht, was im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von 5,8 Prozent bedeutet. Erfasst sind von diesem Gesetz unter anderem Erwerb, Besitz, Erzeugung, Beförderung, Ein- und Ausfuhr, Angebot sowie Handel von Suchtgift.  

Festnahme wegen Kokainhandel

Eine Person wurde 2025 außerdem wegen des Verdachts des Kokainhandels ausgeforscht, festgenommen, in die Justizvollzugsanstalt Innsbruck eingeliefert und bei der Staatsanwaltschaft Innsbruck zur Anzeige gebracht. Außerdem wurden mehrere ihrer Abnehmer ausgeforscht und zur Anzeige gebracht, beantwortet Bezirkspolizeikommandant Michael Jaufer eine Anfrage von Dolomitenstadt.

Hohe Verfügbarkeit durch Internethandel

Doch was kann die Polizei darüber hinaus über den Substanzkonsum im Bezirk mitteilen? Inspektor David Huber vom Bezirkspolizeikommando Lienz, der hauptsächlich für den Bereich Suchtgift zuständig ist, bestätigt, dass die Verfügbarkeit der unterschiedlichen illegalen Substanzen auch in Osttirol sehr hoch ist. Der Konsum illegaler Drogen reiche von thc-haltigem Cannabis bis zu XTC/Ecstasy, die Vertriebswege seien breit gestreut.

Inspektor David Huber gibt Auskunft über den Substanzkonsum im Bezirk Lienz. Foto: Dolomitenstadt/Sint

Eine wichtige Rolle spiele in diesem Zusammenhang die Beschaffung via Internet bzw. Darknet, die in den letzten Jahren zugenommen habe. Dafür werden vor allem die scheinbare Sicherheit durch Anonymität, die hohe Verfügbarkeit sowie eine niedrigere Hemmschwelle für den Erwerb der Suchtmittel als ausschlaggebend betrachtet.

Konsum vermehrt im privaten Raum

Auch der Konsum habe sich seit der Corona-Zeit auffallend verlagert: Seither werde mehr im privaten Raum konsumiert, was die polizeilichen Ermittlungen erschwert.

Extremfälle, bei denen sich besonders Mädchen und junge Frauen zur Beschaffung von Drogen in gefährliche Situationen begeben und sexualisierte Gewalt durch ältere Männer erleben, seien der Polizei in Lienz derzeit nicht bekannt. Von derartigen Situationen, in denen Mädchen im Tausch gegen Drogen zu sexuellen Handlungen gedrängt werden, hatte Gerhard Jäger, Geschäftsführer der Innsbrucker Drogenberatungsstelle Z6, im Jänner gegenüber dem ORF Tirol berichtet.

Allerdings gesteht Huber in diesem Zusammenhang zu, dass die Polizei eben nicht alles wisse und die Bevölkerung dazu einlade, zur Aufklärung beizutragen.

Vorurteile vielfach nicht zutreffend

Hinsichtlich der Suchtgift konsumierenden Personengruppe wehrt sich Huber vor Verallgemeinerungen oder klischeehaften Zuschreibungen: „Es sind Menschen aus unserer Gesellschaft, die einfach ein Problem haben, ein Suchtproblem. Es gibt auch legale Drogen, wie zum Beispiel Alkohol. Wie stellt man sich einen klassischen Alkoholiker vor?

Das ist unmöglich seriös zu beschreiben. Im Bereich der illegalen Drogen ist das nicht anders. Nur greifen diese Menschen zu einer Substanz, die verboten ist, aber im Endeffekt bleibt es eine Krankheit und eine Sucht. Die Menschen haben auch verschiedene Zugänge und Hintergründe, warum sie in eine derartige Lage geraten sind. Das lässt sich keinesfalls verallgemeinern.“

Spekulationen über Gründe, warum Menschen in die Drogensucht geraten, hält Huber nicht für angebracht. Ebenso wenig möchte er gewissen Personengruppen einen vorurteilsbehafteten „Stempel“ aufdrücken. Foto: Dolomitenstadt/Sint

Opferschutz vor Bestrafung Süchtiger

Diese Haltung spiegelt sich auch in der Zusammenarbeit der Polizei mit verschiedenen Partnern, wie der mobilen Jugendarbeit oder der Gesundheitsbehörde, wider: „Wir nehmen das Thema absolut ernst und verfolgen auch eine präventive Strategie in der Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern. Hier geht es nicht um die klassische Anzeige, denn wenn man vorher gut präventiv gearbeitet hat, sollte es diese Anzeige erst gar nicht geben müssen. Repression ist der letzte Schritt“, so Huber.

Schließlich gehe es immer auch um Opferschutz, speziell wenn Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene betroffen sind. „Mir ist als Botschaft wichtig, dass das Umfeld reagiert, wenn etwas auffällt.“ Es gelte darauf zu achten, wenn sich Kinder und Jugendliche zurückziehen, eine Wesensveränderung geschieht oder die Leistungen in Schule oder Job nachlassen.

„Mir ist als Botschaft wichtig, dass das Umfeld reagiert, wenn etwas auffällt.“

Inspektor David Huber

„Wenn man auffällige Sackerl findet oder leere Medikamentenblister, muss man das ansprechen. Das ist aus meiner Sicht die wichtigste Botschaft. Alles, was verhindert werden kann, ist gewonnen“, appelliert der „Präventionsmensch“, wie sich der Inspektor selbst bezeichnet, an Eltern und Bezugspersonen.

Die Polizei kann, muss aber in solchen Fällen nicht die erste Anlaufstelle sein. Stattdessen gibt es auch die mobile Jugendarbeit, die Bezirksverwaltungsbehörde als Gesundheitsbehörde, Beratungsstellen oder Hotlines, an die man sich wenden kann.

Gesellschaftliche Entwicklung macht vor Osttirol nicht Halt

Hinsichtlich der gesellschaftlichen Wahrnehmung geht Huber davon aus, Osttirol sei in puncto Suchtgiftkonsum lange als „Insel der Seligen“ betrachtet worden. „Das sind wir definitiv nicht. Das darf man auch deutlich ansprechen.“ Gleichzeitig warnt er jedoch vor einer Überschätzung bzw. einer übersteigerten Dramatisierung der Lage, da auch diese Einschätzung nicht zutreffe. „Wir sind Teil einer gesellschaftlichen Entwicklung, wie es sie überall gibt, und da sind Drogen nun einmal auch präsent“, ordnet der Inspektor ein.

Diese Lage nehme die Polizei sehr ernst, weshalb in den Ermittlungstätigkeiten zunehmend auf integrierte Ansätze, wie die Spezialisierung auf Cyberermittlungen sowie die stärkere Vernetzung unterschiedlicher Zuständigkeiten, gesetzt werde.

Kristina Sint hat Lehramt studiert und den Masterlehrgang „Journalismus und Medienarbeit“ abgeschlossen. Sie unterrichtet an der MS Egger-Lienz und lebt bei dolomitenstadt.at ihre Faszination fürs Schreiben und spannende Geschichten aus.

21 Postings

coco
vor einem Monat

Der Artikel stellt klar, dass Osttirol keine „Insel der Seligen“ ist und die Verfügbarkeit von Drogen hoch ist. Das ist ein wichtiger Schritt – aber er greift zu kurz.

Denn diese Verfügbarkeit ist keine abstrakte Entwicklung. Sie ist konkret, sichtbar und längst Teil des Alltags geworden.

Kinder und Jugendliche wissen heute oft mehr über Substanzen, Wirkung und Beschaffung als viele Erwachsene. Dieses Wissen kommt nicht aus erfolgreicher Prävention, sondern aus direkter Nähe zum Konsum. Wenn junge Menschen so früh so viel wissen, dann zeigt das nicht Aufklärungserfolg, sondern wie tief das Problem bereits verankert ist.

Gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass vieles im privaten Raum stattfindet und nicht alles bekannt ist. Das mag stimmen. Aber es gibt auch genug, das sehr wohl sichtbar ist – für jeden, der regelmäßig in Lienz unterwegs ist.

Rund um bekannte Treffpunkte, etwa im Umfeld des Stadtkellers, lassen sich seit Jahren Szenen beobachten, die schwer zu übersehen sind. Junge Menschen verschwinden zu zweit oder in Gruppen auf Toiletten und kommen verändert wieder heraus. Man kann beobachten, wie sich Verhalten und Bewusstsein in kurzer Zeit verändern. Auch in angrenzenden Bereichen und auf den Wegen zwischen Lokalen wird konsumiert – teilweise offen, teilweise versteckt, aber keineswegs mehr ausschließlich im Verborgenen.

Wer sich regelmäßig im Nachtleben bewegt, sieht das. Und genau das ist der Punkt: Es ist sichtbar.

Aus dieser Wahrnehmung ergibt sich zwangsläufig eine Frage: Was würde passieren, wenn an einem Wochenende gezielt und konsequent kontrolliert würde? Der Eindruck vieler ist, dass dabei nicht nur Konsumenten, sondern auch jene ins Visier geraten würden, die in größerem Umfang weitergeben und profitieren.

Genau hier liegt die Frustration vieler Menschen: Es wird gesehen, es wird angesprochen, es wird gemeldet. Und dennoch passiert aus ihrer Sicht zu wenig.

Wer Meldungen macht, hört nicht selten, dass Beweise fehlen. Gleichzeitig besteht bei nicht wenigen die Angst, sich überhaupt zu äußern – aus Unsicherheit, mit wem man es zu tun hat und ob im Hintergrund Verbindungen bestehen, die Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Diese Mischung aus fehlender Wirksamkeit und Angst führt dazu, dass viele irgendwann schweigen.

Und dieses Schweigen stabilisiert das Problem.

Wenn betont wird, dass Prävention im Vordergrund steht und Repression der letzte Schritt ist, dann ist das grundsätzlich nachvollziehbar. In der aktuellen Situation wirkt dieser Zugang jedoch unvollständig. Prävention allein reicht nicht aus, wenn gleichzeitig ein einfacher und alltäglicher Zugang zu Drogen besteht.

Das eigentliche Problem ist nicht fehlendes Wissen. Das Problem ist, dass Verfügbarkeit zur Normalität geworden ist.

Ein weiteres Zeichen dafür ist eine Entwicklung, über die kaum gesprochen wird: Auch in Osttirol gibt es mittlerweile Substitutionsprogramme. Diese sind wichtig und richtig – sie helfen Menschen. Gleichzeitig zeigen sie aber auch, dass schwerer Drogenkonsum längst Realität ist. Solche Angebote entstehen nicht ohne Grund.

Die Folgen sind längst sichtbar: Jugendliche beginnen früher, konsumieren unkontrollierter und tragen die Konsequenzen oft über Jahre hinweg. Psychische Erkrankungen, Abhängigkeit, verlorene Bildungswege und fehlende Perspektiven sind keine Einzelfälle mehr.

Es geht nicht darum, Panik zu erzeugen. Aber es geht sehr wohl darum, die Realität klar zu benennen.

Wenn Osttirol keine Insel der Seligen ist, dann darf das keine bloße Feststellung bleiben. Dann muss daraus auch spürbares Handeln folgen.

Mehr als Appelle. Mehr als Hinweise auf Prävention.

Es braucht sichtbare Konsequenz – dort, wo Probleme bekannt sind, wo Strukturen bestehen und wo seit Jahren hingeschaut wird, ohne dass sich grundlegend etwas ändert.

Denn solange der Eindruck bleibt, dass vieles sichtbar ist, aber zu wenig passiert, wird sich auch an der Entwicklung nichts ändern.

Und genau das ist das eigentliche Problem.

 
0
2
Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    Annalies
    vor einem Monat

    Was würden Sie sich konkret von der Polizei, der Suchthilfe und der Jugendarbeit (Jugendzentrum, MOJA,...) erwarten?

     
    0
    0
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    User7894
    vor einem Monat

    Ich bin noch relativ jung und konsumiere seit meiner Jugend Opioide/Opiate, Alkohol und Benzodiazepine, wobei nur der Opioidkonsum täglich erfolgt. Lösungen sind immer individuell, und keine Strategie kann alle Menschen gleichermaßen schützen. Gerade für Eltern muss diese Erkenntnis schmerzhaft sein: Auch mit guten Eltern und einer stabilen Kindheit kann es zu Konsum und Abhängigkeit kommen. Genau deshalb braucht es mehr als Schuldzuweisungen. Schadensminimierung nach dem Schweizer Modell könnte zumindest helfen, weitere Todesfälle zu verhindern.

     
    0
    0
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
BettinaHuber
vor einem Monat

Meiner Ansicht nach ist die Problematik zu vielschichtig, um sie auf den einen oder anderen "Lösungsansatz" herunterzubrechen. Was wirklich "funktionieren" kann, und das nicht nur im Bereich Drogenkonsum, ist die Beziehungsarbeit mit Jugendlichen. Sämtliche Drohungen, Warnungen, usw. nützen erfahrungsgemäß wenig, wenn die Eltern-Kind-Beziehung und das Vertrauensverhältnis zwischen ihnen nicht halbwegs intakt sind. Wie herausfordernd, mitunter zeitintensiv und auch schwierig diese Beziehungsarbeit sein kann, wissen wohl die meisten Eltern. Leider funktioniert das nicht in jedem Elternhaus (aus verschiedensten Gründen), viele junge Leute werden mit ihren Problemen alleine gelassen. Um auf Dauer in dieser Welt und Gesellschaft gut bestehen zu können, braucht es ein gesundes Maß an Intelligenz, Resilienz und Selbstvertrauen. Wo, wenn nicht HAUPTSÄCHLICH im Elternhaus, sollen junge Menschen diese Kompetenzen erwerben? In weiterer Folge braucht es eine gute Zusammenarbeit zwischen den Jugendlichen, Eltern, Schule und gegebenenfalls der Exekutive. Diese kann durchaus gut funktionieren, wenn alle Seiten sich einbringen und zu offener, konstruktiver Kooperation bereit sind. Meiner Erfahrung nach bekommt man in Osttirol gute Unterstützung und Hilfe, wenn man dies wirklich will und sich dafür einsetzt. Es kann nur gemeinsam funktionieren und - wie gesagt - in erster Lienie über gute, ehrliche Beziehungsarbeit mit den jungen Menschen. Sie sollten uns es wirklich wert sein.

 
2
8
Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    AlterSchwede
    vor einem Monat

    Sucht und Drogen sind kein einfaches Thema das einfache Lösungen hat! In einer Zeit in der sogar 10 jährige ständig einen Dopamin Kick brauchen ist die Gefahr der Abstumpfung und das verlangen nach mehr groß. Interessant ist, dass man diesen Dopamin Kick auch durch: Ziele erreichen, Sport und Bewegung, Soziale Anerkennung, Neues Erleben etc. bekommt. Es dauert nur länger, ist anstrengender aber langfristig stabiler. Will man es kurzfristung und stark (mit allen Konsequenzen) dann eben Social Media, Gaming, Shopping, Glücksspiel etc. Was hat das alles mit der "harten" Drogenthematik zu tun? Meiner Meinung nach fängt es meist klein an und wenn man es nicht im Griff hat oder bekommt sind die Gefahren groß. Gute und reale Freunde, ein "stabiles" Familienumfeld, eine achtsame Gesellschaft ist eine Bank auf die man bauen kann. Garantien und einfache Lösungen gibt es meiner Meinung nach leider nicht.

     
    0
    4
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
      Annalies
      vor einem Monat

      Wenn bereits 10-Jährige täglich einen Dopamin-Kick brauchen, gehören sie untersucht. Es gibt Erkrankungen, die genetisch verankert (z.B.Lesch-Nyhan-Syndrom) oder durch einen falschen Lebensstil erworben sind. Da kommen wir wieder zu den Eltern zurück, die, so hoffe ich, Verhaltensänderungen ihres Kindes erfassen und wenn nötig, Schritte einleiten, bevor Drogen zum Einsatz kommen. Die Eltern-Kind-Beziehung ist essentiell in der Erfassung und Bewertung kindlichen Verhaltens.

       
      0
      3
      Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
Cogitat
vor 2 Monaten

Und auch in und vor den Lokalen mit Polizeipräsenz agieren!

 
5
4
Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    BettinaHuber
    vor einem Monat

    Damit noch weniger Menschen die Gastronomie besuchen? Dann trifft man sich eben woanders und konsumiert (was auch immer). Ist Ihr Ansatz nicht etwas kurzsichtig?

     
    1
    5
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
      Cogitat
      vor einem Monat

      Erst kürzlich ist eine junge Frau an einer Überdosis gestorben.

       
      0
      1
      Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
Sensei
vor 2 Monaten

Anstatt derart viel Hirnschmalz und Ressourcen in Kontrolle, Überwachung und Präventionsmaßnahmen zu stecken, sollten sich alle Entscheider in der Stadt vielleicht einmal überlegen, wie man diese wieder mit Leben füllt. Wie man Angebote schafft, Leerstände positiv bespielt, Menschen zum aktiv werden und mittun einlädt. Wenn man die Leute wieder aus ihren Bubbles holt und zusammenbringt, wird sich die Drogenproblematik entschärfen. Diese ist zum großen Teil nur ein Symptom des Versagens sozialer und kommunaler Strukturen. Quo vadis, Lienz?

 
9
8
Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    jj.ll.
    vor 2 Monaten

    Aufgabe der Polizei ist es den Drogenhandel zu unterbinden, Drogenhändler zu verhaften; wenn nötig mit Drogenhunden vor den Schulen. Aufklärung und Sozialarbeit müssen andere machen. Ein grosses Problem ist die Verharmlosung der Drogen in den Medien. Und immer der Vergleich mit der Droge Alkohol, die ja viel schlimmer ist.

     
    2
    16
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
      User7894
      vor einem Monat

      Jede Droge hat ihre eigenen spezifischen Gefahren. Alkohol und andere GABAerge Substanzen wie GHB-Derivate und Benzodiazepine enthemmen stark und bergen ein hohes Blackout-Risiko. Stimulanzien wie Cathinone, Amphetamine und Kokain haben ein hohes Psychoserisiko, ebenso wie Cannabis und Psychedelika. Opioide wiederum bergen ein besonders hohes Risiko für Überdosierungen.

      Ich würde daher sagen, dass nicht eine einzelne Droge „die schlimmste“ ist. Jede Substanz bringt auf ihre eigene Weise erhebliche Risiken mit sich.

      Heroin ist Diacetylmorphin und pharmakologisch enger mit Morphin verwandt, als viele in solchen Debatten wahrhaben wollen. Auch Amphetamin und in manchen Fällen sogar Methamphetamin werden medizinisch eingesetzt, etwa bei ADHS.

      Keine Droge ist einfach nur böse. Gefährlich werden Substanzen durch Wirkung, Kontext, Dosierung, Reinheit und den Umgang mit ihnen.

      Das Problem ist eher, dass fachliches Wissen in der Debatte oft zu wenig gewürdigt wird. Sonst würde in Österreich wahrscheinlich längst ernsthafter über ein Modell nach Schweizer Vorbild gesprochen.

       
      0
      0
      Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    Sinnlos
    vor 2 Monaten

    Die Entscheider der Stadt Lienz überlegt sich wie man den Leerstandsprozess noch beschleunigen kann. Falls das geplante SES Einkaufszentrum kommt ist die Stadt innerhalb von 10 Jahren tot. Dann fehlen der Stadt auch die Einnahmen und Kommunalsteuern von den inhabergeführten Gewerbebetrieben. Das Geld wss die Bürger ausgeben können wird ja nicht mehr. Jeder Euro der im SES Einkaufszentrum ausgegeben wird, fehlt in der Innenstadt. Ich hoffe das wird von den Entscheidern bedacht.

     
    6
    4
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
      isnitwahr
      vor einem Monat

      was hat das jetzt mit dem Drogenkonsum zu tun?

       
      1
      2
      Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
AlterSchwede
vor 2 Monaten

Die Erziehung der Kinder wird an Kindergarten und Schule ausgelagert. Suchtprobleme sind durch die Exekutive zu lösen die sich nur ein wenig mehr anstrengen muss! Eine Frage: Was ist die Aufgabe der Eltern wenn es un IHREN Nachwuchs geht? Wenn sie etwas über Drogenhandel an den Schulen WISSEN (nicht glauben oder vermuten) dann haben sie diese Informationen sicherlich schon and die zuständigen Behörden weitergegeben. Eigenverantwortung!

 
5
13
Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    Annalies
    vor 2 Monaten

    Ich bin völlig Ihrer Meinung. In der Diskussion gibt es mehrere Ebenen. Als erste fungieren die Eltern/ Erziehungsberechtigten ( je nach Alter des Kindes/ Jugendlichen/ Adoleszenten). Wie resilient ist mein Kind? Wie ist das Verhalten innerhalb einer Gruppe? Kennen wir den Freundeskreis? Werden innerhalb der Familie eventuelle Probleme besprochen? Spricht man zuhause mit dem Kind über die negativen Folgen von Alkohol-und/ oder Drogengebrauch? Man hat auch als besorgter Angehöriger die Möglichkeit, bei der Suchthilfe Lienz ein Beratungsgespräch in Anspruch zu nehmen. In Schulen können Informationsveranstaltungen durchgeführt werden. Der(ie) Schularzt*in kann, zusammen mit der Schulsozialarbeit, bei der Organisation und Durchführung einen wertvollen Beitrag leisten. Ergänzend wären Fachleute aus der Exekutive und der Suchthilfe (leisten auch Präventivarbeit) miteinzubeziehen. Die Gesetze sind vorhanden und ausreichend. Wichtig finde ich in der Bewertung von Fallzahlen die Differenzierung: Wieviel Meldungen-Anzeigen-Verurteilungen (welche Drogensubstanz) innerhalb welchen Zeitrahmens und welchen Lebensalters der Betroffenen?

     
    4
    6
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
      Annalies
      vor einem Monat

      Ich bin davon überzeugt, dass der Suchtmittelgebrauch in Osttirol überschaubar ist. Trotzdem ist eine Kenntnis der gängigen Substanzen und deren Gefahren hilfreich und sollte in den Schulen vermittelt werden. Man benötigt dazu keine 'externen' Spezialisten, Herr Huber (Polizei) und Fr. Gussnig (Suchthilfe Lienz) besitzen das Know how, denn auch sie besuchen Fortbildungen. Man denke zudem an die Notärzte, die Internisten im BKH oder auch die Psychiater. Alle verfügen über ein fundiertes Grundwissen, denn sie müssen im Akutfall (Überdosis, Panik, Desorientiertheit, Herz-Kreislaufprobleme) die richtige Diagnose stellen und ggf. Gegenmittel verabreichen können. Warum warten wir bei nahezu allen Anliegen bis der Staat liefert, reagiert, finanziert und organisiert? Warum sind wir initiativlos, träge und chronisch unzufrieden? Wenn es die eigenen Kinder betrifft, sollten sich auch die Eltern informieren, im Rahmen ihres Erziehungsauftrages. Es gibt in den Schulen Elternvertreter*innen, die in der Lage sind, Anliegen von interessierten Eltern an die Schulleitung weiterzugeben. Und wenn tatsächlich niemand in 'die Gänge kommen' will, kann das Problem nicht groß und präsent sein!

       
      6
      3
      Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
Lienz4ever
vor 2 Monaten

Mir ists ein Rätsel, warum kein spezieller Fokus auf die osttiroler Schulen gelegt wird und auf den Schutz der Kinder. Gerade im Schüleralter, wo Kinder zu Jugendlichen werden, sind viele Unsicherheiten im Entwicklungsprozess der jungen Menschen vorhanden und dadurch sind sie auch leichter beeinflussbar. Leider sind Suchtmittel (und dafür gibts ja leider inzwischen viele Beweise und auch Anlassfälle) in den Schulen ein großes Problem geworden. Ich würde mir hier einen speziellen Schutz unserer Kinder wünschen und auch schärfere Kontrollen in den Schulen. Mir kommt die Polizei hier aber sehr unmotiviert vor Lösungen zu finden und den Handel in den Schulen nachhaltig zu unterbinden. Hier wäre nicht nur Motivation sondern auch Kreativität gefragt. Das muss doch machbar sein. Also: strengt euch an liebe Exekutivbeamte! Eure Unterstützung hier ist dringend gefragt. Danke.

 
0
20
Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    Koal
    vor 2 Monaten

    Wahre Worte; allgemein sollte in den Schulen (bereits spätestens ab der 4. VS) mit Aufklärungsunterricht in Sache Suchtmittel begonnen werden ! Aufklärungsunterricht mit Polizei, eventuell auch mit ehemaligen Suchtgiftkonsumenten - denn denen glauben die Kids/Jugendlichen am ehesten, denn die ehemals Betroffenen selbst, könnten den Jugendlichen das große, vergangene Leid glaubhaft schildern und sie davon abbringen, den Versuch der Einnahme v. Suchtmittel zu widerstehen !

     
    0
    14
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
      Sensei
      vor einem Monat

      Den Aufklärungsunterricht sollte aber jemand machen, der eine Ahnung vom Thema hat und nicht denkt, dass die Jugendlichen lediglich von "thc-haltigem Cannabis bis zu XTC/Ecstasy" konsumieren. Das wären wenigstens noch die am wenigsten problematischen (Party)Drogen, wenn es um schädliches Suchtverhalten geht. Sorgen bereiten würde mir persönlich der Konsum aller Arten von Pulvern (Speed, Pep, Kokain), den gängigen Tabletten vom Onkel Doktor (Benzos, usw..) sowie völlig neuartigen Stoffen aus dem Darknet, von denen Herr Huber wohl noch nie etwas gehört hat. Da wären vor allem auch synthetische Cannabinoide zu besprechen, die auf reguläres Cannabis aufgebracht werden und es in eine gefährliche Droge verwandeln. Dafür braucht es aber sicher fähige Menschen von außerhalb des Bezirks, die top geschult sind und die echte Welt da draußen kennen.

       
      0
      4
      Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
    isnitwahr
    vor einem Monat

    @Lienz4ever - und die Eltern??? bleiben die außen vor?

     
    0
    1
    Sie müssen angemeldet sein, um ihre Stimme für dieses Posting abzugeben.
Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren