Am Montag, 20. April, luden der Tourismusverband Osttirol mit TVB-Obmann Franz Theurl und der Verein Osttirol Natur mit Obfrau Renate Hölzl im Beisein von Sachverständigen, Rechtsbeiständen und Gemeindevertreter:innen zu einem Pressegespräch zum Thema „Trassenführung der 220-kV-Leitung“ des österreichischen Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG).
Ziel des Gesprächs war es einmal mehr, die Auswirkungen der geplanten Erneuerung der über 50 Jahre alten Stromtrasse vom Umspannwerk Lienz bis Belluno auf die heimische Natur, das Landschaftsbild sowie den Tourismus aufzuzeigen und im Schulterschluss mögliche landschaftsschonendere Alternativen wie etwa eine teilweise Erdverkabelung zu erwirken.
Kritisiert wurden von Anfang an die Höhe der 120 neuen Masten und die massiven Auswirkungen auf Natur und Landschaftsbild, ganz besonders entlang des Bereichs Tristacher See sowie in Obertilliach. TVB-Obmann Franz Theurl: „Osttirol ist weithin für seine Natur bekannt. Die geplante Trassenführung der 220-kV-Leitung schadet der Natur, dem Tourismus sowie der Marke insgesamt massiv. Ein Schaden für Generationen entsteht. Der Naturraum muss geschützt werden.“ Bei anderen Trassenprojekten wie etwa in Südtirol, sei laut Theurl Erdverkabelung zum Schutz des Landschaftsraums Standard.
Kritik an Landesbescheid und APG
Wie bekannt, gibt es für das Projekt der APG bereits einen aufrechten Genehmigungsbescheid seitens der Umweltabteilung des Landes Tirol. Der Verein Osttirol Natur, der als anerkannte NGO im Verfahren Parteienstellung genießt, hat mit Unterstützung des TVB offiziell Beschwerde gegen diesen eingebracht.
Theurl: „Uns als TVB wurde die Parteienstellung im Verfahren entzogen, mit der Begründung, dass wir keine Grundbesitzer seien. Dagegen haben wir berufen, denn durch den seit Jahrzehnten bestehenden Rundwanderweg Lienzer Talboden und entsprechende Baulichkeiten haben wir ein Servitutsrecht ersessen. Wir sind zuversichtlich, bald wieder Parteienstellung zu erlangen.“
Renate Hölzl, Obfrau des Vereins Osttirol Natur, hält fest: „Bei der Durchsicht der APG-Projektunterlagen haben wir Ungereimtheiten festgestellt, vor allem betreffend die Bewertungsmethode für die Auswirkungen auf das Landschaftsbild, die Art und Weise der Alternativenprüfung sowie die Nichteinhaltung von Richtlinien und Gesetzen. Wir alle wollen eine sichere Stromversorgung, es dürfen für eine reine Exportleitung dafür aber keine lebenswichtigen Ressourcen für die lokale Bevölkerung zerstört werden. Sollen sie ihre Milliardengewinne einfahren, aber nicht zu unseren Lasten!“
Gemeinsam mit Rechtsbeiständen, Sachverständigen, Gemeinden und betroffenen Grundeigentümern gehe man nun in einer breiten Allianz entschieden gegen die Trassenführung vor. Robert Unglaub, gerichtlich beeideter Gutachter und Raumplaner, bestätigt: „Die APG ist verpflichtet, Alternativen darzustellen. In der Alpenkonvention ist festgelegt, dass bei der Planung von Hochspannungsleitungen besonders umsichtig vorzugehen ist. Das ist hier nicht erfolgt. Die Artikel der Konvention haben aber den Status eines Bundesgesetzes.“
Sogar von den Behörden selbst werde eingeräumt, dass 12 bis 13 km, also 40 Prozent der Leitungen, eine untragbare Belastung darstellen. Es entstehe jedoch der Eindruck, dass das Land das Projekt am Ende einfach durchgewunken habe. Die betroffenen Gebiete seien in elf Naturräume aufgeteilt und die Belastung einfach als Durchschnitt ermittelt sowie letztlich für „ertragbar“ befunden worden. Dabei weisen zwei Landschaftsräume eine „hohe Belastung“ auf.
Auch Anwalt Wolfram Schachinger, der Osttirol Natur als Rechtsbeistand vertritt, untermauert die Kritik: „Es gab hier keine ordnungsgemäße Alternativenprüfung der Teilverkabelung in den sensiblen Bereichen. Ohne eine solche kommen wir gar nicht zur rechtlich gebotenen Interessenabwägung.“
Zusätzlich habe man „gegen EU-Recht verstoßen“, das Ganze könne sich also auch bis hin zum Europäischen Gerichtshof EuGH ziehen. Sein rechtliches Fazit: “Das Projekt in seiner genehmigten Form führt zu erheblichen Umweltauswirkungen im Bereich des Landschaftsbilds. Die offizielle Beschwerde des Vereins Osttirol Natur hat eine aufschiebende Wirkung auf das Gesamtprojekt. Die APG kann ohne Genehmigung nichts machen.“
Erdverkabelung ist möglich
In weiterer Folge präsentierte Diplomingenieur Gerald Altenweisl als Gutachter zwei mögliche Varianten einer Erdverkabelung für Tristach, Leisach und Amlach und betonte, dass eine solche in nur etwa zwei Metern Tiefe relativ einfach realisiert werden könne. Im Vergleich zu ca. 26 Hektar bei Freilandleitungen wären bei der Erdverkabelung auch nur ca. 0,9 Hektar Waldfläche betroffen. Zusätzlich könnten bis zu 50 Masten eingespart werden. „Erdverkabelung ist Stand der Technik“, so Altenweisl.
Unterstützung kommt auch vonseiten der Bürgermeisterin der Bezirkshauptstadt Lienz Elisabeth Blanik. Es gebe “keine einzige Fraktion im Gemeinderat, die nicht zu 100 Prozent hinter der Erdverkabelungs-Variante stehe.“ Es gebe klaren Rückhalt und Unterstützung „für ein gedeihliches Miteinander und im Sinne der Natur sowie der lokalen Bevölkerung.“ Man könne nicht einfach „über Osttirol drüberfahren“, das zeige auch die breite Allianz, die sich dagegen formiert. „So eine Runde wie heute habe ich noch nie erlebt, das ist schon bemerkenswert,“ so Blanik abschließend.
3 Postings
Mich würden ja die Varianten für die Erdverkabelung interessieren. Gibts die Unterlagen dazu irgenwo zum ansehen oder runterladen?
Ich verstehs nicht. Hier werden Dinge geschwafelt von Exportleitung bis hinzu (sinngemäß) die Freileitungen zerstören das Landschaftsbild und dem "Tourismusbezirk" Osttirol bleiben sodann die Nächtigungen aus. Zum einen wurde die neue Trasse ja so geplant, dass die Leitungen weiter von Siedlungsräumen etc. errichtet wird. Zudem sind die Leitungen nicht störender als aktuell, da diese ja auch im Wald wieder dunkel angestrichen werden, dass diese nicht so auffaullen (nicht wie auf den zahlreichen Bildern des TVB und dem "Natur" Verein). Zudem würde ein Erdkabel schlicht weg nicht funktionieren, wobei für ein solches Vorhaben halt Unmgengen mehr Geld benötigt wird. ... in Osttirol gibt's sehr viele die auf der Leitung arbeiten, vielleicht fragen diese mal ein paar von diesem Firmen, was die von Erdkabeln halten. Und wenn man sagt, dass dies eine Exportleitung ist, dann haben diese schlauen Leute das europäische Stromnetz noch immer nicht verstanden...
der Verein: Osttirol Natur mit Obfrau Renate Hölzl macht sich zu 100% für unsere Heimat stark, das hilft auch dem TVB! Mehr Zusammenarbeit wäre wünschenswert!
Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren