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Laufen, bis nur mehr einer übrig bleibt

So die Devise beim „Dolomites Last Loop" in Toblach. Der Sieger schaffte 261,3 Kilometer.

Am Samstag, 23. Mai, fiel um Punkt zwölf Uhr bei der Nordic Arena in Toblach unter sengender Mittagshitze der Startschuss für ein Rennen der Extreme: Fast 120 Athlet:innen wagten sich an die Startlinie, ohne zu wissen, wann der Bewerb für sie enden würde.

So sah die Anzeigentafel am Start zur ersten Runde aus.

Jede Stunde 6,71 Kilometer

Denn das ist eine der Besonderheiten des „Dolomites Last Loop", eines Backyard-Ultra-Formats, das heuer erstmals in Toblach ausgetragen wurde. Zu jeder vollen Stunde starten die Teilnehmer:innen und absolvieren einen Kurs in der Länge von 6,71 Kilometern und 90 Höhenmetern, der unter anderem auch rund um die malerische Kulisse des Toblacher Sees führt.

In Abhängigkeit zu der Geschwindigkeit, in der eine Runde absolviert wird, steht die Pausendauer: Spätestens zur nächsten vollen Stunde müssen sich die Läufer:innen nämlich wieder an der Startlinie befinden - oder sie scheiden aus. Dieser Rhythmus wird auch in der Nacht nicht unterbrochen und dauert so lange, bis nur mehr eine Person übrig ist. Sie gewinnt.

Starkes Teilnehmerfeld

Eine weitere Besonderheit betrifft das Teilnehmerfeld: Wer glaubt, dass bei der vergleichsweise geringen Zahl von rund 120 Anmeldungen wohl keine Athlet:innen der Extraklasse vorzufinden sind und das Rennen bald zu einem Ende gelangt, irrt und wurde vor Ort eines Besseren belehrt.

Nach Sonnenuntergang trennt sich die Spreu vom Weizen.
Immerhin 84 Teilnehmer:innen sind nach der Marathondistanz noch im Rennen.

Tatsächlich schien sich Toblach am Wochenende zu einer Hochburg für Ultraläufer:innen entwickelt zu haben, also für Personen, deren präferierte Laufdistanz jene eines Marathons überschreitet. So waren etwa nach sieben Runden (46,9 Kilometer) noch 84 Läufer:innen dabei, womit knapp zwei Drittel des Starterfelds die Marathonmarke knackten.

Der Einbruch der Dunkelheit und das Erreichen der magischen 100-Kilometer-Grenze sorgten dann aber doch für ein reihenweises Ausscheiden, sodass bei Runde 23 (154,1 Kilometer) nur mehr sechs Teilnehmer:innen im Bewerb standen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt begann ein eiserner Kampf einiger „harter Knochen“, den zuletzt noch Rapael Stanic und Marco Matteazzi im Duell gegeneinander ausfochten. In Runde 39 (261,3 Kilometer!) und ebenso vielen wachen Stunden auf den Beinen verdrehte sich Stanic jedoch das Knie. Wahre sportliche Größe zeigte sein Kontrahent, der Italiener Matteazzi, der bei ihm blieb und damit das Limit für die Ankunft im Ziel verpasste. Aufgrund seines Sportsgeistes wurde ihm dennoch die Siegertrophäe überreicht, während der verletzte Stanic mit dem Quad ins Ziel gebracht wurde.

Minutiöse Vorbereitung

Die sportlichen Leistungen aller Teilnehmenden bedürfen zweifelsohne einer unglaublichen körperlichen Fitness und mentalen Stärke, darüber hinaus aber auch einer überlegten Vorbereitung: Hier kommt das Team der Sportler:innen ins Spiel, durften doch pro Starter:in maximal vier Betreuer:innen zur Unterstützung anreisen.

Diese Begleiter:innen bauten reihenweise Pavillons vor der Nordic Arena auf und liefen in den durchschnittlich 15 Minuten, die den Läufer:innen stündlich zur Regeneration blieben, zu ihrer persönlichen Höchstform auf: In diesen Pausen wurden auf Gaskochern zubereitete Nudelgerichte serviert, Waden massiert, Oberschenkel eingecremt, Elektrolytgetränke angerührt und schließlich motivierende Worte zugesprochen. Braucht es für die Erziehung eines Kindes sprichwörtlich ein ganzes Dorf, gilt Ähnliches wohl auch für das Absolvieren eines Backyard-Ultras.

Festival-Feeling im Publikum

Sobald der Startschuss für die nächste Runde fiel, kehrte bei den Teams wieder Ruhe ein und in diesen Wartephasen entwickelte sich bei den Zuseher:innen eine Dynamik, die der eines Festivals nicht unähnlich ist. Dann wurden nämlich die Spielkarten gezückt, das eine oder andere Bier geöffnet und selbstverständlich auch darüber philosophiert, wie viele Runden der eigene Schützling wohl noch im Köcher hat. Pünktlich zur Rückkehr der Läufer:innen war das Zielgelände dann wieder gesäumt von applaudierenden Fans, denn schließlich galt die Regel: „Wer nicht läuft, klatscht!"

Wer nicht läuft, klatscht! Alle Fotos: Kristina Sint
Und das ist der Sieger. Seine unglaubliche Laufdistanz: 261,3 Kilometer! Fast die Strecke von Lienz nach Graz! Foto: Screenshot Instagram
Kristina Sint hat Lehramt studiert und den Masterlehrgang „Journalismus und Medienarbeit“ abgeschlossen. Sie unterrichtet an der MS Egger-Lienz und lebt bei dolomitenstadt.at ihre Faszination fürs Schreiben und spannende Geschichten aus.

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