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Am Waldrand in Leisach, auf dem Areal des ehemaligen Gasthofs „Südalpen“, könnten bald rund 800 Einäscherungen pro Jahr stattfinden. Foto: Dolomitenstadt/Zanon

Am Waldrand in Leisach, auf dem Areal des ehemaligen Gasthofs „Südalpen“, könnten bald rund 800 Einäscherungen pro Jahr stattfinden. Foto: Dolomitenstadt/Zanon

Ist Leisach bald Standort für ein Krematorium?

Ein Südtiroler Unternehmer stellte sehr konkrete Pläne im Gemeinderat vor. Auch ein Grundstück ist vorhanden.

Auf dem Areal „Gasthof Südalpen“ in Leisach möchte Christof Gasser, Inhaber eines Bestattungsunternehmens in Bruneck, ein Krematorium realisieren. Nach einer ersten Vorstellung des Projektes im Gemeindevorstand präsentierte der Südtiroler Unternehmer sein Vorhaben öffentlich im Rahmen der Gemeinderatssitzung am 25. Juni.

Er suche schon seit Jahren nach einem geeigneten Platz, erzählte Gasser, nach einem Grundstück „auf keinen Fall in einem Industriegebiet“,  denn „ein Krematorium soll man nicht verstecken müssen.“ In Leisach wurde er schließlich fündig. 

Das Areal „Gasthof Südalpen“ – aktuell im Besitz von Familie Staffler und als gewerbliches Mischgebiet gewidmet – entspreche perfekt seinen Vorstellungen, sagte Gasser. Geht es nach ihm, dann soll nur wenige Kilometer von Lienz entfernt „eine moderne, würdevolle und nachhaltig betriebene Feuerbestattungsanlage“ für ganz Osttirol, Teile Kärntens, das Südtiroler Pustertal und den Raum Belluno entstehen. 

Konzipiert würde die Anlage vom spezialisierten Planungs- und Projektierungsbüro CremTec. Das Geschäftsmodell für sein Bestattungszentrum erklärte Gasser den Gemeinderäten wie folgt: Die Quote von Feuerbestattungen liege aktuell in Österreich bei 40 bis 50 Prozent, für Italien bei 30 Prozent, Deutschland erreiche aber bereits 81 Prozent. 

So gesehen gebe es also noch viel Luft nach oben für den Versorgungsraum Osttirol, Kärnten, Südtirol und Belluno. Es gibt bereits Krematorien in diesem Großraum (in Innsbruck, Bozen und Villach). Gassers will deshalb mit einem offenen Konzept punkten, das darauf ausgelegt ist, die Einäscherung als würdevollen Abschied im Kreis der Angehörigen zu inszenieren und nicht als rein technischen Vorgang in trister Atmosphäre. 

„Bedenke oh Mensch, du bist von Staub“ – so könnte eine vollelektrisch betriebene Einäschungsstätte aussehen. Visualisierung: CremTec GmbH.

Strategisch wäre der Standort Leisach aus Gassers Sicht wegen seiner zentralen Lage im Großraum Südtirol-Osttirol-Oberkärnten ideal, mit direkter Anbindung an die B100, guter Erreichbarkeit für Bestatter und Angehörige und kurzen Transportwegen innerhalb der Versorgungsregion. 

Eine vollelektrische Einäscherungsanlage ermögliche bis zu 1800 Feuerbestattungen pro Jahr, rechnete Gasser vor, geplant seien vorerst jährlich 800 Einäscherungen. Die Einbindung regionaler Bestattungsunternehmen sei Teil seines Konzepts. Aktuell gäbe es aber noch keine konkreten Gespräche.

Nach der Präsentation wurde im Gemeinderat intensiv diskutiert, mit Fragen wie: „Möchten wird die Verknüpfung Leisachs mit einem Krematorium? Riecht man die Anlage? Hier lautete die Antwort: „Nein“. Was halten unmittelbare Anrainer von diesem Projekt? Wofür könnte das Areal noch verwendet werden? Brauchen wir die Fläche nicht für Wohnbau?“

Bürgermeister Bernhard Zanon gab zu bedenken, dass die von der Raumordnung vorgegebene Widmung „gewerbliches Mischgebiet“ für die Gemeinde nicht einfach sei. Mit einem „Wohngebiet“ hätte man mehr Freude. Auf einem unmittelbar angrenzenden Grundstück steht bereits ein Einfamilienhaus, auf dem Grundstück dahinter sind laut Zanon sechs Wohnung geplant. 

Gasser wurden für das Krematorium deshalb auch Grundstücke im Gewerbegebiet von Leisach vorgeschlagen. Diese wollte er ausdrücklich nicht in Betracht ziehen. Sein Krematorium soll an einem würdigen, lauschigen Plätzchen stehen. „Mittlerweile sind wir emotional auch der Meinung, dass wir als Gemeinde ein Krematorium nicht verstecken sollten“, so Bürgermeister Zanon. 

Laut Rechtsauskunft der Aufsichtsbehörde, Abteilung Bau- und Raumordnungsrecht im Land Tirol, sei die Errichtung eines privaten Krematoriums in diesem gewerblichen Mischgebiet zulässig. Somit stehe widmungstechnisch dem Projekt eigentlich nichts im Weg. Das alleine ist dem Unternehmer aus Südtirol aber zu wenig – er möchte nur dann starten, wenn die Gemeinde voll hinter seinem Projekt steht. In der nächsten Gemeinderatssitzung soll deshalb formell darüber abgestimmt werden. Ob auch eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung geplant ist, wurde nicht besprochen. 

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