Es klingt wie eine Herkulesaufgabe, war zwischenzeitlich auch bestimmt eine, und doch fühlte es sich am Ende einfach nur leicht, gemeinschaftlich und erfrischend an: das gemeinsame Theaterprojekt „Planet Vegas“ unter der Leitung des RMO, bei dem sechs Schulen, 120 Jugendliche und die Lebenshilfe mitwirkten.
Nach rund einem Jahr Vorbereitungszeit fand am Donnerstagabend, 25. Juni, die offizielle Premiere im Kultursaal Debant statt, nachdem bereits am Vormittag eine Schulvorstellung aufgeführt worden war. Am Freitag ging es dann weiter, wieder mit jeweils einer Schul- und einer Abendvorstellung. Der dritte geplante Termin am Samstagabend wurde aufgrund der aktuellen Hitzewarnung abgesagt.
Ari reist auf den „Planet Vegas“
Tatsächlich herrschte am Freitagabend im Kultursaal - trotz eilig aufgestellter Ventilatoren - eine brütende Hitze, doch tat diese weder dem Engagement der Teilnehmer:innen noch der Begeisterung der Zuseher:innen einen Abbruch. Fasziniert verfolgte das Publikum die Reise der Hauptfigur Ari, einem nonbinären Charakter, der einfach „nur Durchschnitt“ ist, auf den „Planet Vegas“.
Borg-Schülerin Katja Köll alias Ari beschreibt ihre Rolle und die ersten Reaktionen auf das Stück.

Von der Utopie zur Dystopie
In der Parallelwelt von „Planet Vegas“ herrscht „radikale Gleichberechtigung“, es gibt eine klare Aufgabenverteilung, neutrale Rollen und eine gesicherte Grundversorgung. Scheinbar handelt es sich dabei um eine perfekte Welt, doch hinter der schrillen und schimmernden Fassade treten sukzessive Widersprüche zutage: Denn in einer Welt, in der alle gleich denken - und sei es noch so politisch korrekt - ist weder Platz für Aushandlungsprozesse und Reibungen noch für die Freiheit, individuell zu denken und zu fühlen.
An dieser Stelle wandelt sich die Utopie zur Dystopie und das Stück stellt die Frage, ob „richtiges“ Handeln, das auf absolute Gerechtigkeit und Gleichstellung ausgerichtet ist, auch eine Kehrseite haben kann. Dass in einem Beitrag zur Gleichstellungskampagne #machkeinenUnterschied, die von EU, Bund und Ländern gefördert wird, auf die negativen Implikationen von vollständiger Gleichberechtigung eingegangen wird, mutet durchaus ungewöhnlich an, ist vor dem präsentierten Szenario fehlender individueller Freiheiten aber dann doch nachvollziehbar. Nur die Alternative bleibt offen - da auch der wahrhaftig existierende Planet Erde mit Gewalt, Diskriminierung und Ungerechtigkeiten keine perfekte Welt darstellt. Das Ergebnis des Stücks kann somit nur lauten: Eine perfekte Welt, die gibt es nicht.
Schauspiel, Gesang, Tanz und jede Menge Gemeinschaft
Und doch ließen die Jugendlichen und die Klient:innen der Lebenshilfe eine solch perfekte Welt nahezu entstehen, indem sie schauspielerisches Talent, musikalisches und tänzerisches Können sowie ihren Sinn für Gemeinschaft auf der Bühne wahrhaftig werden ließen. Die Dystopie des Stückes wurde somit durch die Begeisterung der Mitwirkenden jedenfalls wettgemacht.


















Blick hinter die Kulissen
Wie die Ausarbeitung des Skripts erfolgte, welche Tipps den jungen Erwachsenen bei den Schauspielproben mit auf den Weg gegeben wurden und wie das Fazit zur Premiere am Donnerstagabend ausfiel, erklärt Theaterpädagogin Anna Lukasser-Weitlaner kurz vor dem Auftritt am Freitag.

Von einem etwas holprigen Probenbeginn, dem Zusammenwachsen in der Schauspielgruppe und ihren Gesangs- sowie Tanzeinlagen erzählen Lorena und Emilia, zwei Schülerinnen vom Borg Lienz.

Doch nicht nur die Oberstufenschulen und die Lebenshilfe wirkten an dem Projekt mit, auch die Landesmusikschulen Sillian und Lienz waren mit an Bord und sorgten als Band für eine beeindruckende Klangatmosphäre. Lina von der LMS Lienz ist zwar traurig, dass die Samstagsvorstellung abgesagt werden musste, doch verrät sie uns, welches Stück ihr besonders gefällt.

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