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Wie man höllischen Versuchungen widersteht

Ein uraltes Virgener Rosenkranzspiel wird von den Rabensteinern in die Gegenwart transferiert.

Es ist ein ebenso ambitioniertes wie spannendes Vorhaben, das eine Abordnung der Virgener Theatergruppe Rabensteiner am 6. Juli den Medien auf Schloss Bruck in Lienz vorstellte.

Der Ort war bewusst gewählt. Denn hier, in den Archiven der Görzer Burg, fanden „Schlossherr“ Stefan Weis und der pensionierte Bäckermeister Fritz Joast aus Virgen unversehrt in einem Kuvert ein uraltes Manuskript mit dem Titel: „Dimas, durch den Heiligen Rosen-Krantz der Hoell entrissener Raub“.

Die ersten Seiten des Manuskripts wurden nachträglich mit Leim am Rest festgeklebt. Alle Fotos im Beitrag: Dolomitenstadt/Berger

Dramatisch wie die Handlung dieses nun aus der Vergessenheit geholten Volksschauspiels ist der Weg der originalen Spielhandschrift, die seit Mitte des vorigen Jahrhunderts als verschollen galt. Fritz Joast suchte sie jahrzehntelang, „mit Höhen und Tiefen“, wie er erzählt. Er recherchierte zu den letzten Aufführungen in Virgen in den 1930er und 1960er Jahren und traf Menschen, die sich an die Texte erinnern konnten, weil sie selbst an Aufführungen mitwirkten.

Germanist Toni Bernhart und Fritz Joast wie er von seiner „unermüdlichen Suche" erzählt.

Wer das Stück schrieb, ist nicht bekannt. Die Urschrift landete jedenfalls in Virgen und gelangte von dort durch den rührigen Arzt Anton Wurnig nach Lienz. Der war Spitalsleiter, umtriebiger Vereins- und Kulturmensch, auch Leiter des Lienzer Museumsvereins.

Warum das wertvolle Manuskript erst im Sommer 2025 in den Museumsbeständen auftauchte? „Weil es falsch einsortiert war“, erklärt Stefan Weis – und wohl heute noch verschollen wäre, hätte das Kulturministerium nicht eine Arbeitskraft zur Überarbeitung des Inventars von Schloss Bruck gesponsert.

Nach Fritz Joasts Recherchen wurde das Rosenkranzspiel bereits 1675 in Virgen von Pfarrer Sebastian Kreuzer in der Kirche aufgeführt. Kein Wunder, denn die Moral der Geschichte erschließt sich bereits in ihrem Titel.

Der junge Adelige Dimas erbt den großen Besitz seines Vaters mit der Auflage, täglich einen Rosenkranz zu beten und keinen Diener einzustellen. Er erfüllt nur die erste Bedingung und – man denke an Faust oder Jedermann – stellt ausgerechnet den Teufel als Diener ein! Der gibt ihm zwar Zauberkräfte, zieht ihn aber auch in einen moralischen Abgrund und am Ende rettet Dimas nur eines vor der Hölle: das tägliche Rosenkranz-Gebet.

Laut Bernhart versuchte man früher so klein wie möglich zu schreiben, um Platz zu sparen.

Der Germanist und Theaterautor Toni Bernhart erläuterte bei der Präsentation auf Schloss Bruck den historischen Hintergrund des Textes, entwickelt wohl von ordensähnlichen „Rosenkranz-Bruderschaften“, die es in ganz Europa gab und die auch in Lienz aktiv waren.

Für den Innsbrucker Regisseur Norbert Mladek ist das urige Stück jedenfalls eine zutiefst menschliche, psychologische und dramaturgische Fundgrube mit klaren Bezügen zur Gegenwart. Mladek arbeitet als freischaffender Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner für Opern, Operetten und Musicals.

Er wird bei der Neuaufführung Regie führen und will gemeinsam mit den Rabensteinern den moralischen Kern und die Botschaft der Geschichte in die Gegenwart holen. Der faustische Verführer wird jedenfalls kein Dämon sein, wie man ihn früher kannte, sondern eine moderne Verführerfigur: „Der Teufel könnte ersetzt werden durch einen charismatischen Influencer, oder einen Geschäftspartner“, sagt Mladek.

Nach der „Piefke-Saga“ 2018 erhält die Rabensteiner Theatergruppe erneut Unterstützung von Mladek. Auch Bernhart hilft dieses Mal bei der Umsetzung mit.

Wann gibt es das Ergebnis der langen Suche und dramaturgischen Neuinterpretation zu sehen? Harald Mair, Josef Dichtl, Kathrin Mariacher und Helene Köfler von den Rabensteinern haben dazu einen Plan geschmiedet. Eine Projektgruppe „Dimas“ wurde ins Leben gerufen. Parallel zum aktuellen Spielplan der Rabensteiner kümmert sie sich um die langfristige Umsetzung des Rosenkranz-Projekts. Geht alles nach Plan, wird es 2029 uraufgeführt, natürlich im Freien, so wie im 17. Jahrhundert.

Viele Hürden sind bis dahin zu überwinden, nicht zuletzt auch die Kostenfrage. Doch alle – auch der Virger Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler, sind zuversichtlich. Er meint: „Dieses Spiel ist nicht nur für Virgen, sondern auch weit darüber hinaus etwas Wertvolles.“

Die Projektgruppe „Dimas" v.l.: Harald Mair, Norbert Mladek, Fritz Joast, Toni Bernhart, Josef Dichtl, Kathrin Mariacher und Helene Köfler sowie Bürgermeister Dietmar Ruggenthaler freuen sich schon auf die Freilichtaufführungen 2029.

Jasmina Berger

Jasmina Berger studiert Kommunikation an der Uni Salzburg, arbeitet als Fußball-Jugendtrainerin und als freie Reporterin für Dolomitenstadt. Mehr von Jasmina Berger

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