Ja, das war tatsächlich ein bemerkenswerter Meilenstein für den österreichischen Frauenfußball – auch wenn er im Schatten der gleichzeitig laufenden Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in Kanada, den USA und Mexiko kaum öffentliche Aufmerksamkeit erhielt. Österreich qualifizierte sich 2026 erstmals überhaupt für eine Endrunde der U-19-Europameisterschaft der Frauen. Die Qualifikation wurde durch den Gruppensieg in der zweiten Qualifikationsrunde geschafft.
Bei der Endrunde in Bosnien und Herzegowina überraschte das österreichische Team anschließend auch sportlich: 3:0 gegen Island, 3:1 gegen die Schweiz, 0:2 gegen Titelverteidiger Spanien.
Als Gruppenzweiter zog Österreich ins Halbfinale ein und erreichte damit auf Anhieb einen historischen Erfolg. Dort unterlag das Team Deutschland erst nach Verlängerung mit 0:1, nachdem es lange hervorragend dagegengehalten hatte. Spanien gewann später das Finale gegen Deutschland und sicherte sich den fünften U-19-Europameistertitel in Folge.
Dass dieser Erfolg vergleichsweise wenig Beachtung fand, dürfte tatsächlich vor allem daran gelegen haben, dass zeitgleich die Männer-WM das mediale Interesse dominierte. Sportlich war das Abschneiden Österreichs jedoch einer der größten Erfolge des heimischen Frauen-Nachwuchsfußballs und ein wichtiger Hinweis darauf, dass sich die kontinuierliche Nachwuchsarbeit des ÖFB zunehmend auszahlt.
Giulia Bauer – Spielerin mit Osttirol-Bezug verpasste U-19-EM verletzungsbedingt
Für den Osttiroler Fußball hatte die U-19-Europameisterschaft der Frauen 2026 noch eine ganz besondere Geschichte zu bieten. Mit Giulia Bauer stand in der Vorbereitung auf das Turnier eine junge Spielerin mit engen familiären Wurzeln in Osttirol im Kader des österreichischen U-19-Nationalteams. Giulia Bauer, geboren am 10. Jänner 2007, spielt seit ihrem sechsten Lebensjahr Fußball. Sie ist die Enkelin des in Lienz bestens bekannten ehemaligen Lienzer Gemeindepolitikers Gerry Uggowitzer. Ihr Vater Gernot Uggowitzer lebt und arbeitet seit vielen Jahren in Deutschland, weshalb auch Giulia dort aufwuchs.

Bis zu ihrem 15. Lebensjahr spielte sie überwiegend in Nachwuchsmannschaften der Burschen, ehe sie in die U-17-Bundesliga zum SGS Essen wechselte. Dort entwickelte sie sich kontinuierlich weiter und wurde schließlich erstmals für die österreichische U-17-Nationalmannschaft nominiert. Da sie Doppelstaatsbürgerin ist, hätte ihr grundsätzlich auch der Weg zum DFB offen gestanden. Sie entschied sich jedoch für Österreich und erzielte in einem U-17-Länderspiel gegen Rumänien sogar einen Treffer.
Ein Kreuzbandriss bremste ihre vielversprechende Entwicklung zunächst aus und zwang sie zu einer langen Pause. Nach ihrem erfolgreichen Comeback schaffte sie den Sprung in die zweite deutsche Frauen-Bundesliga (VFR Warbeyen), wo ihr auch ihr erstes Tor gelang – ausgerechnet gegen Borussia Mönchengladbach. Die starken Leistungen blieben nicht unbemerkt und brachten ihr heuer die Einberufung in das österreichische U-19-Nationalteam ein.
Leider konnte Giulia Bauer den Lohn ihrer starken Leistungen nicht ernten. Ein Riss des Syndesmosebandes machte die Teilnahme an der U-19-Europameisterschaft unmöglich. Umso bitterer, weil Österreich erstmals überhaupt die Endrunde einer Nachwuchs-Europameisterschaft im Frauenfußball erreicht hatte.

Wie es für die talentierte Innenverteidigerin weitergeht, bleibt spannend. Anders als bei den Männern gibt es im Frauenfußball derzeit keine U-21- oder U-23-Nationalmannschaften. Nach der U-19 führt der nächste Schritt daher direkt in das A-Nationalteam – eine große Herausforderung, die nur wenigen Spielerinnen gelingt.
Mit Osttirol ist Giulia Bauer bis heute eng verbunden. Viele Sommerferien verbrachte sie bei ihrer Familie in Lienz. Wer sie damals im Dolomitenstadion beobachtete, erinnert sich an ein Mädchen, das nahezu täglich – oft vormittags und nachmittags – trainierte, entweder alleine oder gemeinsam mit den Nachwuchsmannschaften des SK Rapid Lienz. Schon damals fiel sie durch ihren außergewöhnlichen Ehrgeiz, ihre Disziplin und ihre Begeisterung für den Fußball auf.
Da Giulia Bauer sowohl die österreichische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, wäre grundsätzlich auch noch ein Wechsel in das deutsche Nationalteam möglich. Welche sportliche Zukunft sie letztlich einschlagen wird, bleibt abzuwarten. Eines steht jedoch fest: Talent, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen hat die junge Fußballerin bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wir wünschen Giulia Bauer eine rasche Rückkehr auf den Fußballplatz, eine verletzungsfreie Zukunft und weiterhin viel Erfolg auf ihrem sportlichen Weg.
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