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Stadtstickerei Lienz: „Es soll ein Hobby bleiben“

Robert Oberrainer betreibt ein kreatives Geschäft in der Schweizergasse – mit 74 Jahren und ohne wirtschaftlichen Druck.

In einem kleinen Geschäft gegenüber dem Gasthof Stern sitzt Robert Oberrainer an seinem Computer. Er arbeitet gerade an einer Stickvorlage. Vor rund einem Jahr kehrte er mit seiner „Stadtstickerei“ in die Lienzer Schweizergasse zurück. Mit 74 Jahren ist das kreative Handwerk für ihn vor allem Hobby: „Es macht mir Spaß und was soll ich im Alter sonst machen? Ich kann nicht immer Radfahren gehen, oder im Garten arbeiten“.

Mit 74 Jahren führt Robert Oberrainer seine Stickerei in der Schweizergasse als Hobby. Foto: Dolomitenstadt/Unterweger

Ursprünglich war Robert Oberrainer Schaufensterdekorateur. Mit Anfang 20 machte er sich selbstständig und gestaltete kleine und größere Projekte. Ein Highlight: der Auftrag, Räumlichkeiten für die Eröffnungsfeier des Weltcups in Sölden zu gestalten. 2005 suchte Oberrainer eine zusätzliche Aufgabe und eröffnete in der Schweizergasse ein Geschäft für Berufsbekleidung. Er verkaufte beispielsweise Kochkleidung für berufsbildende Schulen – bestickt mit dem passenden Logo.

Dann kam die Pension, Robert gab das Geschäft ab und beendete auch die Arbeit als Dekorateur. Nur die Stickerei gab er nie auf. „Ich bin seit zwölf Jahren in Pension und mir macht es immer noch Spaß, etwas zu tun.“

In dem kleinen Geschäft bestickt Robert Oberrainer Textilien. Häufig kommt Kundschaft mit Taufkleidern oder Handtüchern zum Besticken. Foto: Dolomitenstadt/Unterweger

Stickerei ohne finanziellen Druck

Vor einem Jahr fiel der Entschluss, wieder in ein kleines Geschäftslokal zu mieten. Wo sonst als in der Schweizergasse? „Ich muss ja nicht in der Innenstadt sein. Da sind die Preise von den Lokalen einfach zu hoch. Hier habe ich einen normalen Mietpreis, den ich mir leisten kann.“, so Oberrainer. Die Miete finanziert er sich durch Teile seiner Pension und auch sonst spürt der 74-jährige Einzelunternehmer keinen Zwang, größere Mengen zu besticken oder zu verkaufen. „Es soll ein Hobby bleiben und es soll mir Spaß machen.“, erklärt Oberrainer.

Im Geschäft stehen zwei Stickmaschinen. Seit 15 Jahren begleiten sie Robert Oberrainer. Den Umgang mit den Maschinen brachte er sich zum Großteil selbst bei. Je nach Motiv dauert das Besticken ein paar Minuten bis zu über eine halbe Stunde. Taufkleider oder Handtücher sind häufige Textilien, die Oberrainer bestickt. Aber auch Logos für Firmen stickt er auf T-Shirts oder als Patches zum Draufbügeln. Bis zu 16 Farben können die Motive und Logos enthalten. Fixe Öffnungszeiten hat die Stadtstickerei keine. Die Aufträge werden nach Terminvereinbarung ausgeführt.

Das Sticken ist für Robert Oberrainer eine kreative Arbeit, die ihn geistig fordert: „Ich glaube, wenn man viel mit der Stickerei zu tun hat, bleibt man im Kopf auch fit. Ich fühle mich gut genug, um das weiterzumachen - hoffentlich, bis ich 80 Jahre alt bin.“

Robert Oberrainer will bis er 80 Jahre alt ist, die Stickerei weiterführen. Foto: Dolomitenstadt/Unterweger

Magdalena Unterweger

Madgalena Unterweger studiert Journalismus und Neue Medien in Wien. Praktische Erfahrung als Journalistin sammelt sie derzeit bei dolomitenstadt.at. Mehr von Magdalena Unterweger

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