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„Hätte nie gedacht, dass ich ein Café haben werde“

Vor sieben Jahren kam Nadia Favaro als Saisonarbeiterin nach Osttirol. Heute führt sie ihr eigenes Café in Lienz.

Es ist Montag und Ruhetag in Nadl’s Café. Die sonst begehrten Sonnenplätze vor dem bleiben heute leer. Nadia Favaro eröffnete hier vor zwei Jahren ihr Café in der Messinggasse. „Ich hatte keine Ahnung von Gastronomie und hätte mir nie gedacht, dass ich ein eigenes Café haben werde“, erzählt die 25-Jährige.

Ihre Familie stammt aus Venedig, Nadia Favaro wurde jedoch in Deutschland geboren. In ihrer Jugend zog sie mit der Familie zurück nach Italien. Während der Corona-Zeit kam sie schließlich als Saisonarbeiterin nach Lienz. „Ich wusste nicht einmal, wo Lienz liegt.“ Sie arbeitete in Eisdielen und Pizzerien und sammelte Erfahrungen in der Gastronomie. „Ich wusste nicht, was ich eigentlich machen wollte. Ich wollte nur ein oder zwei Saisonen in Lienz bleiben.“

Vor zwei Jahren öffnete Nadia Favaro die Türen zu Nadl's Café das Erste mal. Foto: Dolomitenstadt/Unterweger

Zu jung für eigenes Café

Mit 23 Jahren fasste Nadia Favaro dann einen Entschluss: „Ich will was für meine Zukunft bauen, etwas Eigenes. Man muss ab und zu einfach was probieren.“ Und so eröffnete sie im Juni 2024 Nadl’s Café. In dem Lokal mit Gewölbe versucht sie auch ihre Herkunft sichtbar zu machen. An der Wand hängen venezianische Masken und ein Wandbild einer Gondel ziert den Raum.

Bevor sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, erhielt die junge Venezianerin jedoch den Rat, noch mehr Erfahrung in der Gastronomie zu sammeln. „Viele haben mir gesagt, ich sei zu jung. Aber ich wollte es machen. Später würde ich sonst vielleicht sagen, ich bin zu alt, um so viel zu arbeiten.“ Für Nadia Favaro war es der richtige Zeitpunkt.

Das Lokal bietet Platz auf der Terrasse oder im kleinen Gastraum mit Gewölbe. Foto: Dolomitenstadt/Unterweger

Im „Little Italy“ von Lienz

In Nadl’s Café versucht Nadia Favaro die italienische Kultur mit der österreichischen in Einklang zu bringen. Auf der Karte stehen neben heimischen und italienischen Weinen, dreieckige Sandwiches, sogenannte Tramezzini. Auch bei den Süßspeisen bringt sie beide Kulturen in die Vitrine: „Manchmal gibt es Sachertorte, an anderen Tagen Tiramisu.“

Nadia findet, ihr Café passt mit dem Angebot sehr gut in die Messinggasse: „Hier ist es ein bisschen wie im Little Italy von Lienz.“ Stimmt, gleich gegenüber liegt die Weinphilo und um die Ecke die Gelateria Deliziosa, ebenfalls von Italiener:innen geführte Lokale. Sie prägen das Flair in der Gasse.

Zu diesem italienischen Flair gehören Aperitifs und Musik. Deshalb organisiert Nadia Favaro immer wieder Veranstaltungen, bei denen Musiker:innen in ihrem Lokal auftreten. Besonders jungen Künstler:innen möchte sie eine Bühne geben. „Es ist auch für Lienz gut, wenn etwas los ist. So bringt das jedem etwas.“

Ein Zuhause in Osttirol gefunden

Nadia Favaro hat sich von Anfang an in der Stadt willkommen gefühlt. Ihr gefällt, dass der Zusammenhalt in Lienz groß ist. Ohne die Hilfe anderer hätte sie ihr Café nicht eröffnen können.

Der Zuspruch überraschte sie anfangs. „Ich erinnere mich an das erste Weihnachten: Es war so komisch, dass Menschen Gutscheine von meinem Café verschenkt haben.“ Heute hofft Nadia Favaro, dass sie noch lange in Lienz bleiben und ihr Café führen kann. „Du kannst mit einem Cappuccino nicht das Leben einer Person ändern, aber vielleicht eine Kleinigkeit. Das finde ich so nett“, erklärt Favaro. Und sie hat recht.

Mit 25 Jahren führt Nadia Favaro ihr eigenes Café in Lienz. Foto: Dolomitenstadt/Unterweger

Magdalena Unterweger

Madgalena Unterweger studiert Journalismus und Neue Medien in Wien. Praktische Erfahrung als Journalistin sammelt sie derzeit bei dolomitenstadt.at. Mehr von Magdalena Unterweger

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