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Ein Traditionshaus kehrt in die Familie zurück

30 Jahre lang war das „Altstadthotel Eck" am Lienzer Hauptplatz verpachtet. Nun führen es wieder die Eigentümer.

Bereits Maria Theresia, Erzherzog Rudolf und Thronfolger Franz Ferdinand sollen im „Altstadthotel Eck“ am Lienzer Hauptplatz zu Gast gewesen sein. Schon damals gehörte das Haus den Vorfahren der heutigen Familie Stocker, die damals noch den Familiennamen Kranz trugen. Vor knapp zwei Jahren übernahm Nico Stocker das Café am Hauptplatz und holte es nach drei Jahrzehnten Pachtbetrieb zurück in die Familie. 

„Als Kind war es schon immer mein Traum, es irgendwann zu übernehmen. Ich habe immer auf das Haus geschaut und mir gedacht: Irgendwann mache ich das“, erzählt Nico Stocker. Auch wenn das Café in seiner Kindheit verpachtet war, erinnert er sich an Silvesterabende im Lokal und während seines Zivildienstes wohnte er sogar im Haus. Während seiner Ausbildung an der Kärntner Tourismusschule in Villach und seinem Studium verlor er nie den Wunsch, das geschichtsträchtige Haus eines Tages zu übernehmen.

Mit 27 Jahren führt Nico Stocker das geschichtsträchtige Haus. Foto: Dolomitenstadt/Unterweger

Ein Haus mit langer Geschichte

Die Geschichte des Altstadthotels reicht nämlich bis ins 12. Jahrhundert zurück. Ursprünglich wurde es als Stadtschloss von den Grafen von Görz errichtet. Rund 1400 ging es in den Besitz der Familie Kranz über und wurde zu einem Handelshaus. Ab dem 16. Jahrhundert diente es auch als Gasthof für durchziehende Kaufleute. Zunächst war das Haus als „Gasthof Goldener Adler“, später als „Gasthof Post“ bekannt. Mit dem Bau der Südbahnstrecke zwischen Villach und Franzensfeste im Jahr 1871 wurde daraus schließlich das „Hotel Post“. Durch Eheschließungen ging zu dieser Zeit der Familienname Kranz verloren.

Das „Altstadthotel Eck" war bereits im 16. Jahrhundert ein Gasthof mit Zimmern. Heute ist besonders die Terrasse ein beliebter Ort am Hauptplatz. Foto: Dolomitenstadt/Unterweger

Anfang des 20. Jahrhunderts trug die Eigentümerfamilie schließlich den Namen Eck. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude zunächst in „Hotel Garni Eck“ umbenannt, bevor es den heutigen Namen „Altstadthotel Eck“ erhielt. Nico Stockers Urgroßmutter Maria Eck führte das kleine Hotel, das aus wenigen Gästezimmern und dem Obergeschoss des heutigen Lokals bestand. Nachdem seine Urgroßmutter verstarb, wurde das Altstadthotel für 30 Jahre verpachtet. 

Zurück in die Heimat

Als der Pachtvertrag vor knapp zwei Jahren überraschend endete, entschied sich Nico Stocker, das Eck zu übernehmen. Plötzlich veränderte sich sein Alltag: „Ich war mitten im Master und ich wollte den auch fertig machen, aber ich wollte mir die Chance dann nicht entgehen lassen und habe dann beides gemacht.“ So pendelte er anfangs wöchentlich von Lienz nach Wien, um seinen Master zu beenden.

Mittlerweile kann er sich voll und ganz auf die Arbeit im Eck konzentrieren. Er kümmert sich vor allem um die Organisation im Hintergrund und die Vermietung der zehn Gästezimmer. Dennoch ist es ihm wichtig, hinter der Theke zu stehen und so den täglichen Betrieb mitzuerleben.

Der Oberstock des Lokals mit der Veranda ist für Gruppen vorgesehen. Foto: Peter L. Pirker

Er weiß, dass er die Aufgaben im Lokal nicht alleine stemmen kann. Besonders seine Mutter unterstützt ihn in allen Belangen. Dem 27-Jährigen ist bewusst, wie viel es seinem Opa und seiner Großtante bedeutet, dass das Altstadthotel wieder in Familienhand ist. Er will daher seine Energie und Zeit dafür einsetzen, „das Haus wieder aufzubauen. Sie haben mir ein großes Vertrauen gegeben und jetzt ist es meine Aufgabe, das auch zurückzugeben.“

Ein Familienbetrieb lebe davon, dass man zusammenhält und sich gegenseitig respektiere, erklärt Nico Stocker. „Meine Familie steht extrem hinter mir und das gibt viel Kraft, da ich weiß, ich kann auf sie zählen.“

Den Charme bewahren

Sein Opa unterstützte ihn bei den Umbauarbeiten. Als pensionierter Architekt half er besonders dabei, den Bestand des Hauses bestmöglich zu bewahren. „Wir wollten kein modernes Café daraus machen, sondern einfach probieren, den alten Charme beizubehalten, aber mit einem modernen Touch. Das ist das Haus wert.“ So sanierten sie nach der Übernahme die Theke und den Gastraum. Besonders die Technik war in die Jahre gekommen und musste erneuert werden. 

Künftig plant Nico Stocker, auch die Gästezimmer zu sanieren. Für die in die Jahre gekommenen Zimmer erhält er allerdings auch positives Feedback: „Der Retro-Stil ist cool.“ Ihm ist aber bewusst: „Das Gebäude hat einen Investitionsstau. Das muss man schon zugeben.“

Es ist ein altes Haus, das viele laufende Kosten mit sich bringt. „Oft denkt man sich: Jetzt haben wir das gerade erst gemacht und schon ist das nächste Gerät kaputt. Aber ich glaube, das ist die Gastronomie. Man hat einfach extrem viel Anlagevermögen und viele Geräte.“ 

Nico Stocker blickt auf ein Haus mit langer Geschichte zurück. In den kommenden Jahren möchte er es weiter verbessern und verfeinern, ohne den Charakter des Gebäudes zu verlieren. Sein Ziel ist es, dass das „Altstadthotel Eck“ ein Ort ist, „wo man gerne hingeht, wo man fein sitzen kann, wo man weiß, dass die Getränke und Speisen passen, wo man eine tolle Zeit verbringen kann und wieder glücklich heim geht.“

Das charmante Flair im ersten Stock des Altstadthotels prädestiniert das Eck auch als stimmiges „Wohnzimmer“ für kulturelle Events. Foto: Peter L. Pirker

Magdalena Unterweger

Madgalena Unterweger studiert Journalismus und Neue Medien in Wien. Praktische Erfahrung als Journalistin sammelt sie derzeit bei dolomitenstadt.at. Mehr von Magdalena Unterweger

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