Es ist ein heißer Montagnachmittag im Sommer. An anderen Tagen würde Marian Aßmair jetzt irgendwo in den Bergen stehen. Vielleicht nicht unbedingt ganz oben, aber irgendwo, wo der Blick weit wird und der Alltag leiser. Erst vorige Woche bestieg er nach der Arbeit den Großglockner und bestaunte vom Gipfel aus den Sonnenuntergang. Solche Momente, sagt er, bleiben. Viel wichtiger als der Gipfel sei für ihn ohnehin etwas anderes: Sicherheit. Das habe er bei einer Tour im vorigen Jahr besonders deutlich gespürt.
Marian ist 22 Jahre alt, lebt in Virgen und arbeitet Vollzeit als Bautechniker. Wer ihn trifft, merkt schnell, dass er nicht der Typ für große Worte ist. Lieber erzählt er von seinen Touren oder Entscheidungen am Berg. Oder von der Fotografie, mit der er sich ein zweites Standbein aufbauen möchte. Sein Alltag klingt fast schon bescheiden: arbeiten, in die Berge gehen, Sport machen. Seine Leidenschaft zum Bergsport ist aber spätestens an seinem strahlenden Lächeln bei der Frage, ob er irgendwann hauptberuflich davon leben möchte, erkennbar.

Am Anfang war das Bergsteigen für ihn vor allem ein Grund, neue Fotomotive zu suchen. Heute ist es selbst zum Mittelpunkt geworden. Der junge Virger kann sich noch genau daran erinnern, als ihn seine Oma in der Mittelschulzeit fragte, ob sie gemeinsam eine Sonnenaufgangstour auf den Berger Kogel machen. Noch heute staunt Marian von diesem Sonnenaufgang und betitelt ihn als „oana fa de schiensten Sunnenaufgänge wos i bis heint gsechen hun“. Solche Erlebnisse haben Spuren hinterlassen, nicht nur auf seiner Kamera, sondern auch an ihm selbst. Diese Wanderung begeisterte ihn noch mehr für die Bergen und war der Anfang seiner großen Leidenschaft.
Zum Klettern kam Marian durch seine Zeit in Villach. Ein ehemaliger Schulkollege aus der HTL nahm ihn damals in die Halle mit und weckte damit eine Begeisterung, die geblieben ist. Heute sucht Marian nicht nur rund um Virgen nach neuen Zielen, ihn zieht es auch immer wieder in andere Länder und Höhenlagen. Sein erster Kontakt mit Viertausendern war auf der Spaghetti Runde im Monte-Rosa-Gebiet.
Der Name klingt locker und lustig, die Route ist es nicht: zehn Viertausender in einer einzigen Runde, verbunden über Grate, Gletscher und Hütten in Italien. Marian und sein Seilpartner kletterten die anspruchsvolle Route unter schwierigen Wetterverhältnissen und hohen Windgeschwindigkeiten innerhalb von drei Tagen. Den letzten Gipfel, die Dufourspitze, ließen sie jedoch aus. Die beiden drehten auf der 4563 Meter hohen Zumsteinspitze um und wanderten über den Gletscher zurück ins Tal. Im Jahr 2025 erfolgte dann sein persönliches Highlight: Mont Blanc!


Der Sportler verrät auch, dass er seine glücklichsten Momente gar nicht am Gipfel selbst erlebt, sondern eher davor oder danach – wenn eine schwierige Passage geschafft ist, die Anspannung nachlässt oder wenn man schließlich wieder unten im Tal mit einem Bier und einem Burger vor sich sitzt.
Auch dass man manchmal umdrehen muss, hat er längst gelernt. Seitdem ihm ein Hagelschauer in der großen Zinne Nordwand erwischt hatte, geht er mit dem Wetter und den Planungen vorsichtiger um. Denn so sehr ihn die Berge auch anziehen: Übermut ist nicht sein Stil. Marian erwähnt gleichzeitig aber auch einen Zwiespalt: „Dahoame is leichta umezedrahn owa wenn man zehn Stunden irgendwo hin foaht denkt man sich schun bis i do wieda amol heakim…“. Bis jetzt gab es aber noch keinen Moment, in dem er das Umdrehen bereut hätte. Im Gegenteil: Es war immer die richtige Entscheidung.

Den Mount Everest muss Marian nicht unbedingt erklimmen. Der höchste Berg der Erde reizt ihn nicht wegen seiner Größe, sondern wäre nur dann interessant, wenn er auf einer neuen Route zu besteigen wäre. Der Massentourismus dort schreckt ihn eher ab. Sein großer Traum ist ohnehin ein anderer: irgendwann vom Alpinsport und der Fotografie leben zu können. Dass dieser Traum noch einen langen Weg vor sich hat, weiß er selbst: „I bin nit sou da riskante Mensch sondan eher sou Step by Step.“ – sowohl am Berg als auch im Leben.

Sein zweites Standbein will er noch geheim halten – immerhin riskiert er nichts, wie er bereits erwähnt hat. Es hat auf jeden Fall etwas mit Bergsport und Fotografie zu tun.


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