In Aguntum wird gerade an mehreren Fronten gearbeitet: Während die diesjährigen Grabungen in die Schlussphase gehen, steht mit Elisa De Gaetani eine neue Standortleiterin in den Startlöchern.
„Die Möglichkeiten sind unendlich“
De Gaetani übernimmt ab 17. August 2026 die Leitung von Museum Aguntum und dem Archäologischem Park. Bei ihrer Vorstellung bedankte sie sich zuerst bei jenen, die den Standort bisher aufgebaut und geprägt haben – ohne dieses Engagement, sagte sie, gäbe es ihre Stelle heute nämlich gar nicht. Statt sofort mit großen Ankündigungen zu starten, will sie ihren ersten Schwerpunkt intern setzen.
Gespräche mit den Mitarbeiter:innen, ein genauer Blick auf die bisherige Arbeit und darauf aufbauend gemeinsame nächste Schritte sind ihre ersten planmäßigen Punkte in ihrer neuen Rolle.
Aguntum bezeichnet sie als „wunderschönes Museum“ mit einem riesigen Areal, bestehend aus Innen- und Außenbereichen und einem besonderen Plus: „Hier kommen jedes Jahr neue Funde dazu, die wissenschaftlich aufgearbeitet und in die Ausstellung integriert werden, das kann nicht jedes Museum von sich behaupten.“

Warum die Wahl auf Elisa De Gaetani fiel
Die Tiroler Landesmuseen hatten insgesamt 17 Bewerbungen auf die ausgeschriebene Stelle erhalten. Direktor Andreas Rudigier spricht von einer „eindeutigen Entscheidung“ für De Gaetani und betont, wie ungewöhnlich ihr Profil sei: Kunstgeschichte, Archäologie, Kulturmanagement. Dazu komme langjährige Vermittlungserfahrung und regionale Kenntnis.
Gerade diese Kombination sei laut Rudigier für einen Standort wie Aguntum entscheidend. Die Kommunikation für den Standort richtet sich nämlich nicht nur an Tourist:innen, sondern soll gleichzeitig die regionale Bevölkerung, Familien und Kinder begeistern. De Gaetani bringe Mehrsprachigkeit und einen Blick über regionale Grenzen mit – auch das wurde als Pluspunkt hervorgehoben.

Grabungssaison 2026
Während über die neue Leitung gesprochen wird, wird vor Ort wieder gegraben. Die heurige Grabung startete Ende Juni und läuft noch bis Freitag dieser Woche. Insgesamt waren rund 40 Personen im Einsatz, zeitweise bis zu 26 gleichzeitig. Archäologe Martin Auer und sein Team setzten dabei bei den Ergebnissen des Vorjahres an.
Im Mittelpunkt des Interesses der Archäolog:innen steht ein an das Verwaltungszentrum der antiken Stadt angebautes, beheizbares Gebäude mit rund 360 Quadratmetern Fläche, das die Grabenden weiterhin intensiv beschäftigt.
Weitere Schwerpunkte sind die Überprüfung geophysikalischer Messungen im Stadtzentrum sowie Arbeiten im Umfeld der bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren ausgegrabenen Thermenanlage. Da die Grabung damals nicht vollständig dokumentiert wurde, entschieden sich die Verantwortlichen für eine erneute Ausgrabung der Thermenanlage – diesmal wird deren Umgebung nun erstmals systematisch dokumentiert. Zudem werden auch ältere, lückenhaft dokumentierte Grabungsschnitte aus den 1970ern neu aufgearbeitet.

Überraschungen zwischen den Mauern
Ganz ohne Überraschungen verlief auch diese Grabung nicht. Zwischen zwei Mauern stieß das Team rund um Martin Auer auf eine frühmittelalterliche Bestattung – ein Skelettgrab ohne Beigaben, das derzeit weiter ausgewertet wird. Dazu kommen heuer auffallend viele Münzfunde. Fast 30 Stück verteilt über mehrere Grabungsbereiche – in den letzten Jahren fand das Grabungsteam maximal zehn. Architekturteile, bronzene Schmuck- und Beschlagsteile sowie mehrere Teile einer bronzenen Reiterstatue, die offenbar bereits zum Einschmelzen bereitlagen, konnten ebenfalls gefunden werden.

Internationales Team
Die Grabungen werden als Lehrgrabung der Universität Innsbruck durchgeführt, dazu kommen eine Field School in Zusammenarbeit mit einem US-Institut sowie Volunteers aus mehreren Ländern. Mit der neuen Leitung und den laufenden Grabungen geht es in Aguntum weiter wie bisher: Jedes Jahr kommen neue Funde dazu. Für Besucher:innen werden die Arbeiten im Rahmen von Schaugrabungen direkt im Gelände erklärt.


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