Seit mehr als 40 Jahren ist die Familie Köstl in der Kreuzgasse in Lienz tätig: Zuerst war da eine Bäckerei, dann eröffnete Schwiegermutter Eleonore Köstl das Café und seit 2015 führen Sandra und ihr Mann Franz den Betrieb. Zwei Mitarbeiterinnen verstärken das Ehepaar ganzjährig im Service, in den Sommermonaten werden zusätzlich ein bis zwei Helfer beschäftigt und auch die Töchter greifen tatkräftig unter die Arme.

Stammgäste: „Man kennt fast die ganze Lebensgeschichte“
Im Innenraum des Lokals finden bis zu 50 Personen Platz, auf der Terrasse können weitere 50 Gäste bewirtet werden. Juli und August, wenn traditionell mehr los ist, versteht Inhaberin Sandra Köstl als „Zuckerle“, der Betrieb lebe allerdings „von den Stammleuten unterm Jahr“. Die Frage, ob es den typischen Stammgast überhaupt noch gibt, bejaht Köstl entsprechend vehement: „Absolut, den gibt es. Früher, vor Corona, hat es auch noch die Kartlergruppen gegeben, die sich einmal in der Woche getroffen haben. Aber auch heute kommen noch immer die Freundinnen- oder Männergruppen, die sich regelmäßig verabreden, oder jene, die täglich um acht Uhr ihren Kaffee bestellen. Für diese Gäste sind wir echt dankbar - und man kennt von ihnen auch fast die ganze Lebensgeschichte“, ergänzt die Betreiberin lächelnd.
Besonders zentraler Bestandteil des Tagesgeschäfts sei das Abo-Essen, das unter der Woche mittags angeboten wird. „Unsere Stammleute kommen teilweise fünfmal die Woche zum Mittagessen. Und da kochen wir sicher so klassisch wie die Mama daheim. Das haben wir auch festgestellt: Unsere Leute wissen es zu schätzen, wenn sie das bekommen, was sie kennen. Mit den Klassikern fährt man am besten.“

Eine wichtige Rolle spiele dabei auch der Preis: „Beim Abo-Essen liegen wir bei zehn Euro mit Hauptspeise und Salat. Fünfmal die Woche essen zu gehen, muss man sich erst leisten wollen und können, deswegen schauen wir schon, dass wir nicht zu teuer werden.“ Durchwegs bunt gemischt seien die Berufsgruppen, die dieses Angebot in Anspruch nehmen, sie reichen beispielsweise von Bankangestellten, über Mitarbeiter:innen der Bezirkshauptmannschaft bis hin zu einem treuen Fan, der sogar täglich aus Dölsach anreist.
Betriebsübernahme war „unspektakulär“
Dabei war es für Sandra Köstl als gelernte Schilderherstellerin keineswegs vorgezeichnet, in der Gastronomie tätig zu sein. „Ich war lang auswärts, wo ich auch den Franz kennengelernt habe. Wir haben gleich mal ein Kind bekommen und dann war für uns klar, dass wir in Wien kein Kind großziehen wollen. Also sind wir nach Lienz zurückgekommen und als die Kinder im Kindergaren waren, habe ich begonnen, halbtags bei Eleonore im Café mitzuarbeiten.“ Als ihre Schwiegermutter in Pension gehen konnte, musste Sandra nicht lange überlegen und übernahm den Betrieb: „Das war ganz unspektakulär. Sie hat aufgehört und ich habe weitergemacht. Wir haben keinem etwas gesagt und es ist einfach alles weiter gelaufen, wie bisher.“

Besonders attraktiv macht den Job in der Gastro aus Köstls Sicht der tägliche Kontakt mit Menschen: „Ich mag einfach den Umgang mit Menschen sehr gern. Man muss in diesem Beruf extreme Menschenkenntnisse entwickeln und kann mit den Gästen jeden Tag lachen und weinen. Man muss auch einfühlsam sein und wissen, zu wem man was sagen kann. Aber genau das muss man mögen. Wenn du das nicht magst, ist der Job die Folter, da man es nicht durch fleißiges Arbeiten aufholen kann, wenn man mit den Leuten nicht umgehen kann.“
Die Suche nach geeignetem Personal sei bisher aber nicht das große Problem gewesen, zumal das Café am Wochenende geschlossen ist und der Betriebsurlaub in die Ferienzeiten, beispielsweise in die Herbstferien, gelegt wird.


Auf die Lienzer Gastro-Szene und ihren eigenen Standort blickt die Caféinhaberin differenziert: „Ich weiß nicht, ob es ein Vor- oder ein Nachteil ist, dass wir außerhalb der Stadt sind. Der Großteil der Events findet am Hauptplatz und in der Zwergergasse statt. Wir sind aber ein Tagescafé, das um sieben Uhr abends schließt, und demnach uninteressant für die jungen Leute, die sich betrinken wollen. Dazu muss ich sagen: Gott sei Dank, denn das wollte ich auch nie haben. Gleichzeitig sind wir natürlich auch ein bisschen abgelegen vom Schuss. Die Stammgäste finden uns aber und die Italienier:innen finden uns sowieso. Im Großen und Ganzen ist es also schon okay.“

Nach Corona sei die Tätigkeit in der Gastronomie aber schwieriger geworden. „Man braucht ja nur an die Preise beim Einkaufen denken, die zahlen wir natürlich genauso. Dennoch möchte ich einfach in einem Preissegment bleiben, wo jeder sagt, den Kaffee oder das Bier kann ich mir leisten. Es nützt ja nichts, wenn ich mehr verlange, aber dafür weniger Gäste habe. Aber neu aufmachen würde ich jetzt nichts mehr.“
Insgesamt fehle in Lienz besonders ein Angebot für die Jugend: „Es konzentriert sich alles auf die Zwergerasse, was natürlich super ist, weil es dort tolle Lokale gibt. Aber ich glaube nicht, dass Studenten hier bleiben würden. Das Junge fehlt ein bisschen“, so die Betreiberin abschließend.
Wo Köstls eigene Präferenzen bei Speis und Trank liegen und wie sie ihr Café mit drei Worten beschreiben würde, sehen Sie im Kurzvideo!
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