Ein grüner Rasen, weiße Linien, das Trillern der Pfeife und die Stimmen von Trainern und Mitspielern – all das begleitet den 21-jährigen Fußballprofi Florian Micheler normalerweise an einem Nachmittag wie diesem. Doch anstatt sich auf dem Platz auf die nächste Einheit vorzubereiten, nimmt er sich heute Zeit für unsere Fragen und gibt Einblicke in mehr als nur seine Passion für den Fußball: Der zentrale Mittelfeldspieler der TSG Hoffenheim erzählt auch, wer er abseits des Rasens ist.
„Als ich mit vier Jahren anfing, Fußball zu spielen, habe ich natürlich noch nicht an eine Profikarriere gedacht - mit zehn Jahren dann aber schon langsam“, erklärt der Fußballer mit Wurzeln in Osttirol.
Sein Spielstil und sein Charakter passen zusammen, aber erst, wenn man ihn besser kennt. Florian Micheler wirkt zunächst eher ruhig und zurückhaltend. Vielleicht habe das bei manchen anfangs einen falschen Eindruck erweckt, sagt er. Im Laufe der Zeit wird er aber immer frecher und offener – das zeigt sich auch abseits des Rasens. Seine Freunde würden ihn als ehrgeizig, familiär und lustig beschreiben. Letzteres spürt man auch im direkten Austausch: Micheler lacht oft und ist ein angenehmer Gesprächspartner.

Trotz Familie in Osttirol verschlägt es ihn, dem Fußball geschuldet, nicht allzu oft hierhin zurück. Meistens besucht er seine Großeltern und seine Tante in der Weihnachtszeit. Er schwärmt auch über den Winter in Osttirol, sowohl in Innsbruck als auch in Hoffenheim fällt nämlich nicht so viel Schnee. Freunde hat er hier keine mehr, aufgewachsen ist er schließlich in Innsbruck, dort ging er auch zur Schule.
Mit seinem Vater Gerhard, der früher eine wichtige Stütze für Rapid Lienz war, stand er als Kind eher selten bis nie am Fußballplatz. Seine Liebe zum Fußball lebte er mehr mit seinem Cousin aus. Die beiden verbrachten früher viele Stunden auf einem Fußballplatz in der Debant und perfektionierten ihre Skills.
Auf die Frage, wie es ihm mit dem Wechsel nach Hoffenheim anfangs ging, antwortet er: „Dass man die Familie vermisst, ist wahrscheinlich ganz normal. Und natürlich auch die Berge, die gibt es in Hoffenheim nicht wirklich. Aber ich bin jetzt schon seit mehreren Jahren da und fühle mich brutal wohl!“
In der TSG-Akademie, dem Nachwuchsleistungszentrum der TSG Hoffenheim, zählte er in der U19 zum Kader, dem Historisches gelang: Die Kraichgauer gewannen in der Saison 2023/24 das Double, bestehend aus dem Deutschen Meistertitel der A-Junioren und dem DFB-Pokal der Junioren. Das gelang in Deutschland davor und danach keinem einzigen Verein. Und ein Jahr später? Da sicherte sich Micheler in seinem ersten Jahr bei den Erwachsenen mit der U23 den Meistertitel in der Regionalliga Südwest, verbunden mit dem Aufstieg in die 3. Liga.
Wie wohl sich der Fußballprofi in Hoffenheim fühlt, zeigt sich auch, wenn er von seiner kürzlichen Leihe nach Bielefeld spricht. Ein kleiner Rückschlag sei das gewesen, aber einer, der ihn im Nachhinein stärker gemacht habe. „Gas zu geben, obwohl man hinten liegt, das war eine wichtige Lehre für mich“, fasst er seine Erfahrung zusammen.
„Gas zu geben, obwohl man hinten liegt, das war eine wichtige Lehre für mich.“
Florian Micheler
Mit einer Niederlage im Fußball schließt man als Athlet selten direkt ab. Je nach Spiel hängt sie Florian Micheler noch ein, zwei Tage nach — besonders dann, wenn man chancenlos war. Doch lange darf die Enttäuschung nicht andauern. Im Fußball geht es oft schon wenige Tage später weiter, manchmal folgt das nächste Match sogar schon mitten unter der Woche. „Eine Meisterschaft ist nicht nach einem Spiel entschieden“, sagt Micheler. „Da muss man nach kurzer Zeit wieder positiv aufs nächste Match schauen.“
Und wenn es später noch einmal gegen denselben Gegner geht? Dann ist die Erinnerung an die Niederlage durchaus noch da, und der Wunsch wächst, es im Rückspiel besser zu machen. Nicht aus Trotz, sondern als zusätzliche Motivation.
Der Alltag eines Profis ist klar getaktet. Auch Florian Micheler verbringt unter der Woche viele Stunden am Trainingsgelände: Frühstück, Videoanalyse, Gym, dann meist gegen elf Uhr Training. Danach geht es je nach Einheit noch weiter mit Analysen, Regeneration im Eisbad oder in der Sauna — und manchmal sogar mit einem zweiten Training. Oft ist er so von morgens bis in den späten Nachmittag eingebunden. Trotzdem bleibt daneben noch Raum für das Leben außerhalb des Fußballs. Familie oder Freunde haben ihren Platz, sagt Micheler. Es sei schon ein straffer Zeitplan — aber eben einer, der ihm Spaß macht.

Neben dem Fußball studiert er online BWL. Dass er dafür nicht jeden Tag nur im Hochleistungsmodus unterwegs ist, sagt er selbst ganz offen: Er sei eher ein durchschnittlicher Student als ein Überflieger. Gerade deshalb braucht er den klaren Wechsel zwischen Konzentration und Abschalten. Wenn er vom Trainingsgelände nach Hause kommt, telefoniert er mit der Familie, trifft Kollegen oder geht noch eine Runde raus. Am Platz zählt der Fußball, daheim darf der Kopf zur Ruhe kommen.
Sein Weg war früh auf den Sport ausgerichtet. In Innsbruck besuchte Micheler das Sportborg, mit 16 Jahren zog er nach Hoffenheim und absolvierte an der Max-Weber-Schule in Sinsheim eine dreijährige Sportschule - inklusive Fachabitur. Danach begann er sein Studium.
„Einer meiner schönsten Momente war mein Bundesligadebut vor ungefähr 50.000 Zuschauer:innen in und gegen Frankfurt!“
Florian Micheler
Frankfurt, 50.000 Menschen, ein Moment, der sich zunächst fast unwirklich anfühlt. Florian Micheler wird vom Trainer gerufen, wenige Augenblicke später steht er schon am Feld. In diesem Augenblick selbst bleibt kaum Zeit, das alles wirklich zu begreifen. Erst später, ein, zwei Tage danach am Abend im Bett, beginnt er zu realisieren, was da eigentlich passiert ist — und dass sich die ganze Arbeit vielleicht genau für solche Momente gelohnt hat.
Jungen Kickern in und außerhalb von Osttirol gibt er Folgendes mit: „Ganz wichtig ist, dass man Spaß am Sport hat, gerade in jungen Jahren!“
Mit seiner Mannschaft, der Hoffenheimer U23, ist Micheler mittlerweile in der Dritten Liga in die Saison gestartet. Zum Auftakt zeigte die TSG eine gute Leistung, unterlag dem Titelfavoriten aber knapp mit 2:3. Die Partie machte dennoch Mut für die Saison, die Florian Micheler nutzen möchte, um in seiner Entwicklung den nächsten Schritt zu gehen.
Gleich im zweiten Spiel gegen Düsseldorf holte Micheler mit seiner Mannschaft die ersten drei Punkte der Saison. Die Hoffenheimer setzten sich auswärts mit 2:0 durch.
3 Postings
Es ist von Jannik Schuster die Rede.
Der teuerste Exportschlager der österreichischen Bundesliga hat feste Osttiroler Wurzeln (Mutter & Großeltern)! Und der Nachwuchs steht bereit: Ein 21-Jähriger hat sich auf 400.000 € Marktwert hochgearbeitet, während ein erst 20-jähriges Toptalent schon bei stolzen 18 Mio. Euro steht.
Der -momentan- teuerste Osttiroler dürfte wohl Felix Bacher (Olyp. Lyon) mit 6 Mio sein....
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