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Wespen: Baukünstler und nicht ganz ungefährlich

Während Naturschützer über die Baukunst der Tiere staunen, schlägt das Rote Kreuz wegen immer mehr Einsätzen Alarm.

Als ungeladene Gäste bei Picknicks und Grillfeiern sind sie oft unbeliebt: Wespen. Ein milder Winter und ein trockener, warmer Sommer haben 2026 zu einem regelrechten „Wespenjahr“ geführt. Doch während viele in den Insekten nur lästige Störenfriede sehen, beleuchtet der Naturschutzbund Österreich ihre erstaunliche Begabung in der Baukunst. Biologisch betrachtet sind Wespennester ein faszinierendes Zusammenspiel aus Anpassungsfähigkeit und Überlebensstrategie.

Wespenartige gehören zu den Hautflüglern. „Natürliche Hohlräume wie Baumhöhlen oder Totholz werden immer weniger, deshalb nutzen manche Wespenarten zunehmend auch vom Menschen geschaffene Strukturen, etwa Jalousiekästen, Dachböden oder Schuppen“, erklärt Carolina Trcka-Rojas, Expertin beim Naturschutzbund.

Von Papiernestern bis zum Tiefbau

Die Bauweisen zeigen, wie vielfältig die Lebensweisen der Tiere sind. Zu den bekanntesten architektonischen Meisterleistungen zählen die Nester der Gemeinen Wespe. Sie bestehen aus papierartigem Material (zerkautem Holz und Speichel), können bis zu 50 Zentimeter groß werden und weisen eine muschelförmige Außenhülle auf. Heimische Hornissen errichten ähnlich große, kugel- oder birnenförmige Bauten mit einem großen Einflugloch an der Unterseite, aus dem Abfälle einfach herausfallen können.

Andere Arten setzen auf völlig andere Strategien: Die Behaarte Töpferwespe formt winzige, urnenförmige Töpfe aus feuchtem Lehm, während die Frühlings-Wegwespe den Tiefbau bevorzugt und unterirdische Gänge in sandigen Böden gräbt.

Pflanzenwespen und Legimmen bauen hingegen keine klassischen Nester: Die Breitfüßige Birkenblattwespe verzichtet ganz auf architektonische Bauten, ihre Larven leben in lockeren Fraßgesellschaften direkt an den Blättern der Birke. Die Gemeine Eichengallwespe wiederum regt mit ihrer Eiablage das Pflanzengewebe zu kugelförmigen Wucherungen an. Diese sogenannten Gallen dienen den Larven als perfekte Nahrungsquelle und Schutzraum.

Explodierende Einsatzzahlen und Notfälle

Während viele Wespen als Einzelgänger leben, kommen uns vor allem jene Arten in die Quere, die in großen Völkern leben. Auf der Suche nach Süßigkeiten für sich selbst und Fleisch für ihren Nachwuchs geraten sie beim Essen im Freien oft an den Menschen. Fühlen sich die Tiere oder ihr Nest bedroht, stechen die Weibchen zur Verteidigung zu. Genau das passiert in diesem Sommer extrem häufig.

Die aktuellen Zahlen des Roten Kreuzes Tirol sind alarmierend: Im Juli 2026 mussten die Retter 136 Mal wegen Insektenstichen ausrücken, im Jahr davor waren es nur 28 Einsätze. Noch dramatischer ist der Anstieg in den ersten beiden Augustwochen, wo die Einsatzzahlen von 17 im Vorjahr auf 175 nach oben schnellten.

Wie ernst so ein Stich enden kann, zeigt eine bundesweite Auswertung des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV). In den vergangenen zehn Jahren (2016–2025) starben in Österreich 68 Menschen nach einem Stich durch Bienen, Wespen oder Hornissen. Dazu kommt: Jedes Jahr müssen knapp 1.000 Personen nach Insekten- oder Spinnenstichen im Krankenhaus behandelt werden.

Prävention: Ruhe bewahren und Gefahren meiden

Das Rote Kreuz Tirol appelliert an die Bevölkerung, bewusst und ruhig mit Wespen umzugehen, denn nicht jeder Stich erfordert einen Rettungseinsatz. „Ein kurzer Moment der Unachtsamkeit reicht oft schon“, warnt Jörg Waldner vom Tiroler Rettungsdienst. Zusammen mit den Experten des KFV wird zu folgenden einfachen Schutzmaßnahmen geraten:

  • Keine Panik: Hastige Bewegungen vermeiden, um die Tiere nicht zur „Notwehr“ zu reizen.
  • Vorsicht beim Trinken & Essen: Am besten aus Gläsern trinken oder Flaschen sofort verschließen. Im Freien zudem Abstand zu Mistkübeln halten.
  • Schutz & Vorsorge: In Grünflächen feste Schuhe tragen. Allergiker sollten ihr Notfall-Set stets griffbereit haben und ihr Umfeld darüber informieren.
  • Nestfunde: Wespennester nicht unbedacht zerstören. Ist eine Entfernung wegen Gefahr im Verzug nötig, sollte dies nur durch Fachleute geschehen.

Im Notfall richtig reagieren

Für die meisten Menschen verursacht ein Stich lediglich eine lokale Rötung, Schwellung und unangenehmen Juckreiz. Bei einer Insektengiftallergie kann sich der Zustand jedoch rapide verschlechtern. Thomas Fluckinger, Chefarzt beim Roten Kreuz Tirol, warnt deutlich: Bei Alarmzeichen wie großflächigen Rötungen, Übelkeit, Atemnot oder Kreislaufproblemen muss sofort der Notruf (144) gewählt werden. Auch bei Stichen im Mund- und Rachenraum ist jede Minute kostbar.

Bis zum Eintreffen der Rettung gilt als Erste Hilfe: Den Stich rasch kühlen (bei Rachenstichen Eis lutschen oder kalte Getränke trinken) und Betroffene bei der Einnahme ihrer Notfallmedikamente unterstützen. Bei Bewusstlosigkeit ist die Person in die stabile Seitenlagerung zu bringen und, falls die normale Atmung aussetzt, mit notwendigen Wiederbelebungsmaßnahmen zu beginnen.

Paul Wanger

Paul Wanger studiert Medien an der Uni Klagenfurt und arbeitet als freischaffender Filmer und Fotograf. Für Dolomitenstadt ist Paul als Video- und Fotoreporter unterwegs. Mehr von Paul Wanger

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