Mittwochmorgen, 8:30 Uhr: Im auf den ersten Blick unscheinbaren Lokal in der Lienzer Beda Weber-Gasse gegenüber des Wohn- und Pflegeheims klappern bereits seit geraumer Zeit die Kaffeetassen. Aus dem Radio ertönen die Kastelruther Spatzen, die Stammgäste, die einander offensichtlich kennen, unterhalten sich über Job, Kinder und Enkelkinder. Auch Mitarbeiterin Anita, die hinter dem Tresen eifrig mit der neuen Spülmaschine beschäftigt ist und Getränke zubereitet, wird selbstverständlich in die Konversation eingebunden.



Nur wenige Gehminuten abseits der Innenstadt scheint in „Daniel's Bistro“ eine durchaus dörflich anmutende Atmosphäre zu herrschen, wo viel Wert auf Gemeinschaft gelegt wird. Ob es hier immer so zugeht, möchte ich von Betreiber Daniel Gomig wissen. „Für uns ist das das Normalste der Welt. Hier kennt man sich. Auch wenn jemand neu oder alleine da ist, geht früher oder später garantiert jemand auf den Gast zu und spricht mit ihm. Wenn derjenige reden will, redet man. Wenn nicht, lässt man ihn natürlich auch in Ruhe. Aber normalerweise sind unsere Leute offen für neue Gespräche und suchen den Austausch. Bei uns schaut man nicht strikt irgendwohin und will seine Ruhe haben, hier herrscht immer Bewegung“.
Zwischen Gastrofamilie und Maurerlehre
Seit mittlerweile fünf Jahren führt Daniel Gomig das Bistro selbst, vorher war sein Vater acht Jahre lang der Chef. Insgesamt liegt hinter dem Lokal, das in den Anfangsjahren noch von den Hausbesitzern betrieben wurde, eine rund 30-jährige Geschichte, erklärt Gomig. Einer der früheren Inhaber sei mittlerweile sogar zum treuen Stammgast geworden.

Für Gomig als gelernten Maurer war die Betriebsübernahme keineswegs vorgezeichnet: „Ich komme zwar aus einer Gastrofamilie. Mein Cousin betreibt den Moarhof, meine Mutter hatte die Alm am Zettersfeld und die Tenne und mein Vater führte das Bistro. Ich selber wollte aber nie in diesem Bereich eine Lehre machen. Nach meinem Maurerabschluss bin ich auf Saison gegangen. Erst als feststand, dass mein Papa in Pension gehen kann, stellte sich die Frage: 'Was tun wir? Macht einer weiter?' Nachdem meine Schwester den Betrieb nicht übernehmen wollte, habe ich mich entschieden, es zu tun. Denn meine Einstellung lautet: Arbeiten muss man überall, egal ob selbständig oder angestellt.“

Heute sei er durchaus zufrieden mit seiner Entscheidung, besonders die Abwechslung in der Gastronomie mache am meisten Spaß: „Ich schätze es sehr, dass nicht jeder Tag wie der vorige ist und man immer wieder mit einer neuen Herausforderung konfrontiert ist. Man muss freundlich sein und vor allem offen bleiben, Neues auszuprobieren“, so Gomig.
Diese Offenheit bringt der Bistrobetreiber auch den sozialen Medien gegenüber, schließlich seien Facebook und Instagram mittlerweile „werbetechnisch der Hauptfaktor“. Die Kanäle, die von seiner Frau bespielt werden, würden überwiegend positives Feedback ernten. „Der große Vorteil ist, dass man auf diese Weise in der Welt ist und einen fast jeder sehen kann. Und wenn man für Blödsinn zu haben ist, kommt das noch einmal besser an“, erklärt Gomig grinsend.
„Frühschopper“ und „Kastlschmeißer“
Den Tagesablauf in seinem Bistro beschreibt der Inhaber wie folgt: „Wir sperren um sieben Uhr morgens auf, das habe ich von früher übernommen. Um diese Zeit kommen meistens die Selbständigen, um ihren Kaffee zu trinken.“ Auch im Laufe des Vormittags sei Kaffee bei den meisten Gästen das Getränk der Wahl, täglich tauche aber auch eine „Frühschopperrunde“ auf. „Das sind immer die drei oder vier gleichen Stammkunden, die trinken ihre 'Spritzerlen', unterhalten sich und wollen einfach 'eine Gaude' haben“, schildert Gomig.

Zwischen elf und 14 Uhr wird in Daniel's Bistro ein Mittagsabo angeboten, das wiederum vor allem von Stammkund:innen und -firmen in Anspruch genommen werde. Hier setze man auf regionale Lebensmittel, „vom Gemüse bis zum Fleisch kaufen wir in Osttirol ein.“ Gekocht werde eher fleischlastig und auch der Preis spiele eine zentrale Rolle. „Wenn man im Supermarkt zwei Wurstsemmeln, ein Getränk und eine Süßigkeit kauft, liegt man preislich gleichauf zum Aboessen. Da müssen viele nicht lange nachdenken, was ihnen lieber ist. Aber wenn das Abo 15 oder 16 Euro kostet, ist es uninteressant.“

Die Nachmittage verlaufen insbesondere im Sommer eher ruhiger, da der Platz auf der Terrasse beschränkt ist, bevor es dann in den Abendstunden wieder geschäftiger zugehe: „Am Abend kommen die 'Kastlschmeißer' und jene, die einen ruhigen Feierabend verbringen wollen. Hier trifft sich vom Arbeiter über den Doktor bis zum Schüler oder Fußballer ein bunt gemischtes Publikum - und das ist gut so“, freut sich Gomig. Die in den Öffnungszeiten ausgewiesene Sperrstunde um neun Uhr abends sei übrigens nur eine Zahl. „Wenn es zehn wird, dann ist es zehn und wenn es elf wird, dann ist es eben so. Wir müssen nicht um neun zusperren, wir sind flexibel.“
Kaum eine Rolle spielen im Lokal in der Beda Weber-Gasse Tourist:innen. „Darüber bin ich nicht traurig. Viele sagen, ihnen sei der Tourist lieber. Aber mir sind die Einheimischen lieber, weil man sich mit ihnen besser austauschen kann. Wenn sich ein Tourist zu uns verirrt, sage ich immer 'Achtung Gast'. Natürlich freuen wir uns auch über diese Kunden, aber das kommt selten vor.“
Daniel Gomig im Kurzvideo
Wie es um Daniel Gomigs eigene Präferenzen bei Speis und Trank steht und wie er sein Bistro mit fünf - statt mit den geforderten drei - Worten beschreibt, sehen Sie im Kurzvideo.
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