Am 15. August ging die vierte Auflage des Karnischen Ungetüms mit einem packenden Dreikampf an der Spitze über die Bühne, wir haben berichtet.
Mit um den Sieg bei diesem Ultratrailrun-Event, bei dem rund 75 Kilometer und 5.200 Höhenmeter von Sillian über den Karnischen Höhenweg bis nach Kötschach-Mauthen bezwungen werden müssen, kämpfte der Kartitscher Christoph Schneider, der schlussendlich den dritten Platz erreichte und dabei den Streckenrekord aus dem Jahr 2023 unterbot. Wir haben mit dem Lokalmatador über sein Training, das Gefühl während des Wettkampfs und seine weiteren Ambitionen gesprochen.
Premiere beim Karnischen Ungetüm
Zum Trailrun kam Schneider, der in Innsbruck Wirtschaft studiert hatte und mittlerweile vom Kartitscher Homeoffice aus im Börsenhandel tätig ist, nur zufällig: „Eigentlich kam dieses Interesse erst mit der ersten Auflage des Karnischen Ungetüms im Jahr 2023 auf, vorher war ich einfach immer in den Bergen unterwegs, bin aber nie gelaufen und habe keine Rennen absolviert.“

Zur Premiere des Bewerbs hatte ihn sein Schwager angemeldet, während Schneider selbst erst einen Monat vor dem Start tatsächlich realisierte, dass es das Rennen wirklich gibt. „Ich dachte, er veräppelt mich und so einen Wettkampf, wo man so weit laufen muss, gibt es gar nicht. Außerdem musste ich beim Hausbauen helfen und konnte sowieso nicht trainieren. Eine gezielte Vorbereitung gab es damals also noch nicht, aber ich habe halt immer schon weite Bergtouren gemacht“, erklärt der Sportler achselzuckend.
„Eine gezielte Vorbereitung gab es damals also noch nicht, aber ich habe halt immer schon weite Bergtouren gemacht.“
Christoph Schneider über die Premiere beim Karnischen Ungetüm 2023
Während des ersten Karnischen Ungetüms sei es ihm nicht besonders gut ergangen: „Mir war währenddessen sehr schlecht, denn ich war damals noch keine Gels gewohnt und habe einfach normale Lebensmittel zu mir genommen. Auch das Getränk war ich noch nicht gewohnt.“ Als sich jedoch herausstellte, dass er die Strecke mit einer Zeit von 16 Stunden und 40 Minuten absolviert hatte, während sein Schwager rund 19 Stunden benötigt hatte, entschied sich Schneider, am Sport dran zu bleiben und auch gezielter zu trainieren.
50.000 Höhenmeter auf Langlaufski
Die Vorbereitung auf die heurige Saison fand in erster Linie auf der Langlaufloipe statt, erklärt Schneider: „Ich war im Winter rund 50.000 Höhenmeter langlaufen und habe darauf geachtet, möglichst weite Strecken zu absolvieren. Durchschnittlich waren es pro Woche zwischen 100 und 200 Kilometer.“
Mit dem eigentlichen Lauftraining habe er dann erst im Frühling begonnen. „Ich wollte zuerst viel im Flachen unterwegs sein und bin rund um den Tassenbachersee gelaufen. Andere typische Strecken waren der Grenzlandweg bis in die Luggau oder über den Karnischen Kamm zur Obstansersee-Hütte. Auf der Pfannspitze war ich sicher schon hundert Mal“, schildert der Kartitscher.
Platz drei und Streckenrekord
Dementsprechend war es auch beim heurigen Karnischen Ungetüm einer von Schneiders großen Vorteilen gegenüber den anderen Starter:innen, die Strecke wie seine Westentasche zu kennen. Davon abgesehen sei sein Gefühl beim Rennen aber nicht besonders gut gewesen, schildert er im Rückblick: „Ich war zwar perfekt vorbereitet, habe in der Nacht davor aber nicht geschlafen. Aufwärts war jeder Schritt zach. Als ich vom Sieger überholt wurde, habe ich mir überlegt, mitzulaufen. Aber er war so schnell und ich hatte schon schwere Beine, da konnte ich einfach nicht mit.“

Zwischendurch sei man sich zwar schon immer wieder begegnet und habe auch die Zeit zum Reden genutzt. Wie man sich davon abgesehen während einer Rennzeit von über zehn Stunden bei Laune hält? „Man muss sich mit nichts beschäftigen können und eigentlich vergeht die Zeit eh sehr schnell“, antwortet der Drittplatzierte pragmatisch.

Weitere Rennen geplant
Auch auf die Erholung von Körper und Geist nach dieser enormen Kraftanstrengung blickt Schneider gelassen: „Ich bin am nächsten Tag schon wieder nach Sillian gelaufen, um mein Auto zu holen. Am Ende des Bewerbs haben die Knie gezogen und vom Downhill hat man nachher zwei oder drei Tage Muskelkater in den Oberschenkeln, aber sonst fehlt gar nichts.“
Entsprechend richtet sich sein Blick auch schon auf weitere Rennen. In diesem Jahr stehe noch eine Teilnahme beim „Cartisa Mountain Run“ auf den Obstanser See auf dem Programm und für die nächste Saison liebäugelt Schneider mit einem Start beim „Großglockner Mountain Run“. Auch beim Karnischen Ungetüm 2027 will der Trailrunner, der sich selbst doch viel mehr als „normaler Berggeher" versteht, wieder dabei sein. Auf weitere Ergebnisse darf man also durchaus gespannt sein.
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