Unabhängigkeit - so lässt sich das hehre Ziel der Tiroler Landesregierung, die am Montag und Dienstag ihre diesjährige Herbstklausur in Lienz abgehalten hatte, mit nur einem Wort zusammenfassen. Genauer geht es um Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen und ausländischen Despoten, wie im Rahmen der anschließenden Pressekonferenz von Landeshauptmann Anton Mattle, Wohnbau-Landesrat Philip Wohlgemuth, Energie-Landesrat Josef Geisler und Verkehrslandesrat René Zumtobel wiederholt betont wurde.

Entsprechend wurde die bereits 2014 formulierte Zielsetzung, bis 2050 Energieautonomie in Tirol zu erreichen, erneuert. Dazu soll die erneuerbare Energieerzeugung bis 2050 um 50 Prozent ausgebaut und der Energiebedarf um 30 Prozent gesenkt werden.
Ausbau der Erneuerbaren um 50 Prozent
Die erste Hälfte der Rechnung, die unterm Strich bis 2050 im Vergleich zu 2024 eine 50-prozentige Zunahme der erneuerbaren Energie vorsieht, soll unter anderem dadurch aufgehen, dass Wasserkraft weiter forciert wird. Konkret sollen 25 Prozent mehr Energie aus Wasserkraft gewonnen werden, als bereits der Fall ist. Entsprechend motiviert schritten Teile der Landesregierung im Anschluss an die Pressekonferenz zur Eröffnung des neuen Tiwag-Kraftwerks Tauernbach-Gruben in Matrei.

Zusätzlich soll im Bereich der Umweltwärme durch die Wärmepumpentechnologie ein Zuwachs von 194 Prozent erreicht werden, im Bereich der Photovoltaik-Anlagen auf Dächern wird gar eine Zunahme von 631 Prozent bis 2050 in Aussicht gestellt.
Parallel dazu soll der Ausbau der Energiespeicher, etwa in Form von Pumpspeicherkraftwerken oder auch Batteriespeichern, vorangetrieben werden. Diesbezüglich stellte Mattle in Aussicht, dass es 2027 keinen Förderstopp für netzdienliche Stromspeichersysteme geben werde. Im Bereich der Windkraft gab sich Mattle „technologieoffen.“ Dort wo es möglich und sinnvoll sei, werde man weiterhin darüber nachdenken, jedoch sei das Potenzial vielfach „überschaubar“.
Senkung des Energiebedarfs um 30 Prozent
Im zweiten Teil der Rechnung, der Senkung des Energiebedarfs um 30 Prozent bis 2050, wird die Hauptlast auf die Sektoren Gebäude, Produktion und Mobilität verteilt. So soll etwa im Bereich der Gebäude bis 2050 gegenüber 2024 rund 13 Prozent weniger Energie benötigt werden. Einsparungen von zehn Prozent werden in der Produktion angesiedelt, das deutlichste Minus wird mit 65 Prozent weniger Endenergiebedarf im Bereich der Mobilität verortet.

In puncto Gebäude und Wohnen erläuterte der zuständige Landesrat Philip Wohlgemuth, dass die Wohnbauförderung bis 2027 weiterentwickelt werde. Geplant sind einfachere Förderbestimmungen, eine Weiterentwicklung der Zuschüsse sowie die Möglichkeit, umfassende Sanierungen schrittweise umzusetzen. Zusätzlich sollen Rückbaukonzepte und damit das Recycling von Baustoffen stärker berücksichtigt werden.
Im Verkehrsbereich, wo über zwei Drittel des Energieverbrauchs reduziert werden müssen, setzt man laut Landesrat René Zumtobel auf einen weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs sowie der E-Ladeinfrastruktur und die Umstellung auf saubere Antriebe. Bis 2040 soll die gesamte VVT-Flotte auf emissionsfreie und elektrische Antriebe umgestellt werden.

Zudem sollen Mobilitätsangebote für alle zugänglich gemacht werden. Vor diesem Hintergrund unterstützt die Tiroler Landesregierung das Projekt „IncluDiMi“ des Regionsmanagements Osttirol mit 80.000 Euro, mit dem digitale Fahrplan- und Ticketapps auch für nicht-digitale Nutzer:innen zugänglich gemacht werden sollen.
Energieautonomie ist möglich
Mit diesem „bunten Blumenstrauß verschiedener Maßnahmen“ sei die Erreichung des Energie-Zielszenarios möglich. Diesen Optimismus würden nicht nur die Berechnungen der Energieagentur Tirol, sondern auch der Blick auf bisher Erreichtes erlauben: Innerhalb von 20 Jahren habe sich der Anteil der erneuerbaren Energie in Tirol von 37 auf über 60 Prozent erhöht, während der Energieverbrauch trotz steigender Bevölkerungszahl zurückgegangen sei.
Wahlen im Herbst 2027
Auf einen Wahltermin oder gar Vorwahlgeplänkel wollte sich bei der vorletzten Regierungsklausur dieser Legislaturperiode scheinbar niemand einlassen: Landeshauptmann Anton Mattle lobte die gute Zusammenarbeit und gab als Devise aus, dass bis zu den Landtagswahlen im Herbst 2027 gearbeitet werde. Ob die Wahl vor oder nach den Landtags- und Gemeinderatswahlen in Oberösterreich stattfinden soll, blieb damit offen.
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