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Lienz: „Tammertechno“ in der Tammerburg

Der Verein Freiraumdialog brachte im Rahmen eines Kulturmonats das alte Gemäuer zum Beben.


Letzten Freitag war es soweit. Der Verein Freiraumdialog brachte die Tammerburg mit einer Nacht voller harter Technobeats zum Beben. Auf den ersten Blick möchte man nicht vermuten, dass gerade ein mittelalterlicher Bau die perfekte Location für ein Techno-Event bieten kann. Wenn man die alten Treppen der Lienzer Tammerburg erklimmt um schlussendlich das historische Musikzimmer zu betreten, strömt einem der intensive Holzgeruch des Zirbenzimmers sofort in die Nase - mit Klängen einladend und treibend, sodass es schwer fällt, sich nicht zur Musik zu bewegen.

Noch bis zum 27. September lädt Freiraum Dialog zum „Kulturmonat“ in die Tammerburg und bietet wieder ein umfangreiches Kulturangebot. Gegründet 2018 als gemeinnütziger Verein und unabhängiges Kunstkollektiv, entstand daraus 2021 das Freiraum Radio Digital (FRD). Am Freitag, 11. September, feierte das webbasierte Community-Radio seinen 5. Geburtstag und veranstaltete mit „Tammertechno“ ein Event fernab von Hypes, Algorithmen und kurzlebigen Trends. 

Diese Nacht war den Ursprüngen und der kontinuierlichen Entwicklung elektronischer Clubmusik gewidmet, eine Nacht für alle, die elektronische Musik eben nicht als Trend, sondern als Kultur verstehen - roh, zeitlos und kompromisslos dem Underground verpflichtet. Hier eine kleine Slideshow vom Event, fotografiert von Raphael Moser.

Techno als Kulturgut

In den letzten Jahren wurde elektronische Tanzmusik, vor allem Techno, unter anderem durch Social Media und TikTok Trends immer massentauglicher und DJs werden mittlerweile als richtige Superstars gefeiert. Spätestens seit die Fäaschtbänkler in einem ihrer Oberkrainer Songs über einen der bekanntesten Clubs der Welt singen, weiß auch der letzte Volksmusik-Fan über den Mythos Berghain und den dort gespielten „Berlin Techno“ Bescheid. 

Die Ursprünge des Techno gehen auf Detroit und die Black-Community der 1980er zurück, daher der Begriff Detroit-Techno, den viele als den echten Techno bezeichnen würden. Von dort schwappte der Techno über auf Europa und mit dem Mauerfall brachte Berlin den Techno vom Underground in die Clubs. Das, was wir heute als Techno kennen, hat Einflüsse unterschiedlichster Kulturen in verschiedenen Ländern, die sich gegenseitig inspiriert haben und legt mit 4-to-the-floor (4/4-Takt) klaren Fokus auf Rhythmus. 

Mittlerweile gibt es unzählige Genres in der elektronischen Tanzmusik und auch im Techno zahlreiche Subgenres. Was sie alle verbindet, ist der politische Einfluss den dieses Genre seit jeher hatte, denn vor allem Techno steht in der elektronischen Musik ganz klar für eine Community, die alle inkludiert, egal welche Herkunft, welches Aussehen oder sexuelle Orientierung jemand hat, alle sind auf der Tanzfläche willkommen. 

Ist Osttirol jetzt auch im Techno-Fieber?

Beim Tammertechno stand der Techno in seiner pursten Form  im Vordergrund, mit roher Energie, hypnotischem Groove und treibenden Bässen. Die lokalen Acts des Abends waren: Daniel Wibmer, ein DJ und Produzent der schon lange in der lokalen Szene verwurzelt ist, Stonee mit Berlin-Style inspiriertem Sound und das Newcomer-Duo 12bar & BrandY, die sich an den Wurzeln des Genres orientieren. 

Auf die Frage ob Osttirol techno-tauglich ist, antwortet Veranstalter Patrick Mairer mit einem ganz klaren: „Ja!“ Er hat den Abend sorgfältig kuratiert und mit Licht und Sound wurde eine Atmosphäre geschaffen, in der man völlig losgelöst tanzen konnte. 

Die mit Zirbenholz vertäfelte Stube aus dem 17. Jahrhundert, wurde in einen ganz besonderen Dancefloor verwandelt, in dem Jung und Alt zusammen kamen. Einer der Besucher meinte: „So g’scheppert hots do no nie!“, was neben den vielen anderen Musikveranstaltungen im Programm durchaus als Kompliment zu sehen ist. 

Mairer, der durch seine Arbeit beim FRD einen guten Einblick in die Osttiroler Musikszene hat, meint, dass der Bedarf an Techno Parties bei dem DJs einen urbaneren Sound auflegen, auf jeden Fall besteht und das nicht erst seit heute. 

Viele Osttiroler:innen die einmal auswärts waren, kommen gerne in die Heimat zurück und wollen dabei aber nicht auf ein gewisses Angebot an Kunst & Kultur verzichten. Vor allem Musik spielt für viele eine wesentliche Rolle. Musik verbindet und kann auch universell verstanden werden. Deshalb steht für das Freiraum Radio Digital auch globale, urbane und unabhängige elektronische Musik sowie ein Radio-Austausch über Ländergrenzen hinweg im Fokus. 

Ein rundum gelungener Abend, der nebst einer umfangreichen Ausstellung mit vielen weiteren kommenden Veranstaltungen, auf jeden Fall Lust macht, das restliche Angebot des Kulturmonats in der Tammerburg voll auszukosten. 

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