Es ist ein schöner Donnerstagnachmittag: Die Sonne scheint, Vögel zwitschern, und unten am Spielfeld dreht der Rasenmäher noch seine letzten Runden. Am nächsten Tag wartet im Tauernstadion ein spannendes Spiel. Während auf dem Platz die letzten Vorbereitungen laufen, sitzt daneben Eldar Abilov – ruhig, fokussiert und mit einem klaren Ziel vor Augen.
Ein Weg, der in Deutschland begann
2011, irgendwo in Deutschland. Eldar möchte eigentlich gar nicht zum Training, denn er weiß nicht, was er dort überhaupt machen soll. Seine Mutter bringt ihn trotzdem hin – und löst damit unbewusst etwas aus, das sein Leben bislang und wohl künftig prägt.
Am Ende der Trainingseinheit wartet eine einfache Abschlussübung: aufs Tor schießen. Jeder darf mehrmals antreten. Eldar erinnert sich: „Jeder durfte bestimmt zehn Mal oder so schießen. Es traf auch jeder mindestens einmal das Tor - aber ich habe jeden einzelnen Ball verschossen!“ Statt frustriert aufzuhören, packt ihn der Ehrgeiz. Er will es sich selbst und allen anderen zeigen. Andere Sportarten probiert er nie aus. Ab diesem Tag gibt es für ihn nur noch Fußball. Warum gerade Fußball? Eldar muss bei dieser Frage nicht lange überlegen: „Ich kann es nicht beschreiben – es ist einfach geil!“
Mit sechs Jahren zieht Eldar dann nach Augsburg. Nach seiner Kindergartenzeit in Griechenland zieht seine Mutter gemeinsam mit ihren beiden Söhnen nach Deutschland, um ihnen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Sein Vater verschwindet früh aus dem Bild. Umso mehr prägt ihn seine Mutter. Ihre Erziehung macht aus ihm einen selbstständigen, höflichen und zielstrebigen jungen Mann.
Mehr als nur eine Idee
Schon zu Beginn der elften Klasse überlegt Eldar, die Schule abzubrechen. Seine Begründung ist eindeutig: „Fußballprofi kann man nicht studieren!“ Ganz ohne Abschluss kann er sich seinen Weg dann aber doch nicht vorstellen. Also zieht er die Schule durch. Als er bei seiner Abschlussfeier auf die Bühne gerufen wird, holt er sich sein Zeugnis nicht einfach ab: Eldar jongliert den Ball bis zur Bühne. Ein kleiner Auftritt, aber eine klare Botschaft – sein Traum vom Profifußball ist längst mehr als nur eine Idee.

Von Bosnien nach Matrei
Über einen Kontakt in Kitzbühel findet Eldar schließlich nach Matrei. Davor kickt er eine Saison lang in Bosnien. Im Tauernstadion trägt er nun die Nummer 17, obwohl seine eigentliche Nummer die Elf wäre. Die ist allerdings bereits vergeben. Für Eldar steckt hinter dieser Zahl viel mehr als bloß eine Rückennummer. „Die erste Eins steht dafür, dass ich immer eins mehr mache als andere, egal was es ist. Die zweite Eins dafür, dass ich noch eins mehr mache. Also ich höre nicht bei einem mehr auf, sondern ich versuche immer noch eins mehr zu geben. Egal ob ein Training mehr, ein Tor mehr – einfach generell immer noch etwas mehr - daher kommt die Elf.“ Dieses Denken begleitet ihn auch abseits des Spielfelds. Denn bei Eldar endet Fußball nicht mit dem Schlusspfiff.




„Ich arbeite hart für meinen Traum!“
Früher als viele seiner Teamkollegen ist Eldar bereits im Stadion. Noch bevor das eigentliche Training beginnt, wärmt er sich auf, dehnt sich und arbeitet mit der Faszienrolle. Jede Einheit, jede Bewegung und jede Kleinigkeit sollen ihn besser machen. Nebenbei arbeitet er 20 Stunden in der „Alten Mühle“, um sich etwas Geld auf die Seite zu legen. Trotzdem dreht sich sein Alltag ständig um den Fußball. Neben dem Fußball gäbe es Eldar eigentlich gar nicht. Sein Leben ist auf den großen Traum ausgerichtet: eines Tages Profi zu werden.
„Fußball ist eben nicht nur das Spiel selbst, sondern es gehört wesentlich mehr dazu. Egal, ob Vorbereitung, Regeneration, Training oder Ernährung!“, erklärt er. Für Eldar zählt nicht nur, was am Wochenende auf dem Platz passiert. Auch die Stunden davor und danach entscheiden darüber, wie weit er kommt.

Wo ist Zuhause?
In der Winterpause möchte Eldar Familie und Freunde besuchen. Aber wohin geht es eigentlich zurück, wenn man in Griechenland geboren wurde und in Deutschland aufgewachsen ist? Für ihn ist die Antwort einfach: Griechenland und Deutschland sind beide Heimat. In Griechenland liegen seine Wurzeln, in Deutschland verbringt er einen großen Teil seines Lebens. Matrei ist nun die nächste Station auf seinem Weg. Und dieser Weg hat ein klares Ziel. Noch bevor die Frage nach seinem Lieblingsverein ganz gestellt ist, kommt die Antwort: Real Madrid.
„Es ist Real Madrid oder der Tod – so ehrlich muss ich leider sein“, sagt Eldar und lacht. Matrei sei zwar ein Zwischenschritt, aber ein wichtiger. Er fühle sich im Verein wohl und wolle dem Team sowie den Fans mit Leistung auf dem Platz etwas zurückgeben. Um eines Tages vielleicht wirklich in Spanien zu spielen, arbeitet er auch an der Sprache. Die Voraussetzungen sind jedenfalls da: Eldar spricht Englisch, Deutsch, Griechisch, Russisch und Spanisch.
Was ihn auf dem Feld besonders auszeichnet, ist seine Beidfüßigkeit. Sie macht ihn flexibel einsetzbar und für Gegenspieler schwerer vorhersehbar. Doch noch wichtiger als diese Stärke ist sein Wille, jeden Tag an sich zu arbeiten.

Sein Motto richtet sich an seine Fans, an sein jüngeres Ich und wohl auch an ihn selbst: „Suche immer nach dem Licht im Leben. Es gibt immer einen Lichtblick. Egal, was dein Ziel ist: Strebe danach und bleib dabei immer positiv!“
Und dann ist da noch jener Satz, der Eldars Einstellung wohl am besten zusammenfasst: „Bevor du ein Profi wirst, musst du schon ein Profi sein!“
Ein Posting
Eldars Bemühungen sind rührend, aber vielleicht sollte er doch noch andere Sportarten probieren. Mit 20 Jahren bei Matrei spielen, naja. Und wenn es nur Fußball sein soll, außer Real Madrid gibt´s ja auch andere Vereine, z.B. Rapid Lienz!
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