Daniela Mitterberger und Tiziano Derme. Foto: Dolomitenstadt/Werlberger

Daniela Mitterberger und Tiziano Derme. Foto: Dolomitenstadt/Werlberger

Begegnung im Raum aus Heu
Begegnung im Raum aus Heu
Daniela Mitterberger und Tiziano Derme realisierten in Oberlienz ein Kunstwerk als organische Klammer zwischen Brauchtum und Architektur.

„Wenn man das in Wien ausstellen würde, dann wäre es einfach ein Werk, das man betrachtet. Hier im ländlichen Raum wird die Arbeit wirklich interessant, weil es keine Scheu gibt, sich darüber auszutauschen.“

Kunst wirft Fragen auf und regt zum Nachdenken an. Kunst lässt aber auch Fragen stellen und bringt Gespräche in Gang. Vor allem dann, wenn Kunst einen Raum für Begegnungen schafft oder wenn der Raum aus Heu besteht und gar nicht wie ein Raum aussieht.

Laut Daniela Mitterberger und Tiziano Derme, interessierten sich in den drei Wochen, in denen sie an ihrem Kunstwerk „Raum aus Heu“  am Feld Nr. 75 in Oberlienz arbeiteten, jeden Tag Menschen für ihre Arbeit. Passanten, Spaziergänger, benachbarte Bauern blieben stehen, fragten nach, wollten wissen, was sie da taten, nahmen Anteil oder gaben Ratschläge, wie man noch einfacher oder effizienter mit dem Heu arbeiten könnte. „Es hat uns wirklich positiv überrascht, mit welch regem Interesse unsere Arbeit hier aufgenommen wurde.“ Für beide Künstler lag darin ein ganz besonderer Reiz an dieser Kunstinstallation, die Peter Werlberger im folgenden Video festgehalten hat:

„Wenn man das in Wien ausstellen würde, dann wäre es einfach ein Werk, das man betrachtet. Hier im ländlichen Raum wird die Arbeit wirklich interessant, weil es keine Scheu gibt, sich darüber auszutauschen oder einfach darüber zu reden, was eigentlich ein Raum ist. Dadurch fließt sofort sehr viel Energie in das Projekt zurück“, erzählt Daniela Mitterberger, die in Wien, Hong Kong und Kopenhagen studierte und zusammen mit Tiziano Derme, der in Rom, Madrid und Tokyo studierte, in Bangkok arbeitete und in Melbourne unterrichtete.

„Es ist wirklich wichtig für unsere Arbeit als Künstler und Architekten, Raum mit Kultur, Anthropologie und neuen Technologien zu verbinden“, sagt Tiziano Derme. Deshalb gibt es den „Raum aus Heu“ auch schon in digitaler Form. Mit dem Werk in Oberlienz wurde diese Version dann in Handarbeit in die Realität übertragen. „Für uns ist es wichtig, die verschiedenen Medien miteinander zu verbinden. Es geht darum, Emotionen auf verschiedenste Arten zu zeigen. Wir arbeiten zuerst digital, um Gestalten zu formen und verbinden dann die digitale Version mit etwas, das man fühlen und ertasten kann. Dadurch entsteht ein Dialog zwischen dem stark Kontrollierten im Digitalen und etwas, das nicht mehr völlig kontrollierbar ist.“

Ein perfektes Beispiel für dieses Konzept ist ein Kurzfilm von Mitterberger und Derme, der unter dem Titel „The Savage Mind“ ebenfalls das Klaubauf-Ritual thematisiert.

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2 Postings bisher
le corbusier vor 2 Monaten

an alle: unbedingt das 2. video anschauen, des kann echt was!

    MelissaM vor 2 Monaten

    Seh ist genauso! Das beste Krampusvideo das ich kenne!