Das große
Meckern
Das große Meckern
Philipp Jans wollte schon immer Ziegen züchten. Gemeinsam mit seiner Schwester Petra entwickelt der gebürtige Nußdorfer in Kals Ziegenmilchprodukte.

Wenn ein Handschlag viel über einen Menschen aussagt, dann spricht der kräftige Händedruck von Philipp Jans aus Kals am Großglockner ganze Bände. Er erzählt von harter Arbeit, zeugt von Bodenständigkeit und fester Entschlossenheit.

Philipp Jans und seine Schwester Petra haben in all den Jahren der wachsenden Entwicklung ihrer Ziegenmilchprodukte nie die Bodenhaftung verloren. „Und das, obwohl ich hin und wieder doch ein wenig zu viel will“, schmunzelt der gebürtige Nußdorfer Jans.

Dass er jetzt in der Großglocknergemeinde lebt, hat einen einfachen Grund. „Ich bin genetisch betrachtet ein Bauer. Allerdings keiner, der das Glück hatte, in einen Landwirtschaftsbetrieb hineingeboren zu werden“, lacht der 32-Jährige, dem aber immer klar war, dass er nur Bauer sein wollte, und daher vor vier Jahren den idyllisch gelegenen, 56 Hektar umfassenden Figerhof in Lana kaufte.

Insgesamt versorgt Ziegenbauer Philipp Jans derzeit 350 Ziegen. 192 von ihnen melkt er auch. Der Rest sind Kitze und Böcke.

Bereits im Alter von zehn Jahren war er stolzer Besitzer einer Ziege. Was die Großfamilie, in der er aufwuchs, damals aber nicht unbedingt begrüßte. Allerdings setzte sich der Großvater für den kleinen Philipp ein und sagte: „Wenn da Büa holt oa Goas hoben will, donn wer ma de schun weiterbringen.“ Damit war der Grundstein gelegt. Mit seinen Ersparnissen kaufte er sich um 2.200 Schilling seine erste Ziege. Eine Investition, die sich lohnte. „Ich habe recht früh erkannt, dass man mit einer Ziege gut Geld verdienen kann“, erinnert sich Jans. Ausschlaggebend  war dafür unter anderem seine Tante, die ihm jeden Tag einen Liter Ziegenmilch abkaufte. Am Ende des Monats steckte sie ihm dann 500 Schilling zu.

Als sein Vater dies sah, erkannte er, dass es seinem Filius doch ernst mit der Sache war, und so beschloss er, ihn in weiterer Folge hilfreich zu unterstützen. „Seit damals habe ich 500 Ziegen gekauft“, so Jans. Allerdings nicht nur aus Österreich, sondern auch aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich. „Und zwar deshalb, weil nicht nur die Art der Nahrung über die Inhaltsstoffe wie Fett und Eiweiß in der Milch entscheiden, sondern tatsächlich auch die Gene der Ziegen“, erklärt der Bauer.

Petra Jans ist für die Herstellung des hofeigenen Ziegenkäses verantwortlich. Im Vorjahr verarbeitete sie 15.000 Liter Ziegenmilch zu Käse.

Und diese Vielfalt der rund 350 Ziegen, die Philipp derzeit gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Alexander auf seinem Hof versorgt, spiegelt sich auch in den Produkten wieder. „Wir versorgen unter anderem die Tirol Milch mit unserer Ziegenmilch. Diese verarbeitet die Milch zu Stangenkäse, schneidet ihn in Scheiben und verkauft ihn“, erzählt Jans.

Doch nicht nur bei der Tirol Milch setzt man auf die hohe Qualität der „Jans´schen“ Ziegenmilch, sondern auch in der heimischen Spitzengastronomie, denn die Käseprodukte vom Figerhof in Kals sind äußerst gefragt und erfreuen sich bei den Gästen allergrößter Beliebtheit. „Wir beliefern mit unserem Weichkäse, den ich direkt am Hof herstelle, unter anderem das Parkhotel Tristacher See, das Wanderhotel Taurerwirt in Kals und das Hotel Moarhof in Lienz“, erzählt Petra Jans, die ganz nebenbei an der Uni Innsbruck Italienisch studiert.

Family-Business: Neben Philipp und Petra Jans hilft auch Philipps Lebensgefährtin Renate (Bildmitte) kräftig auf dem Hof mit.

Allein im Vorjahr hat sie 15.000 Liter Ziegenmilch zu Käse verarbeitet, wobei die Kunden am liebsten zu den „Glocknerkugeln“ greifen. „Das sind in Öl eingelegte Bällchen aus Frischkäse, die in Gläsern abgepackt sind“, erklärt Petra. Wer selbst einmal kosten will, kann die Produkte der Familie Jans immer Montagnachmittags am Hof in Lana oder bei Feinkost Zuegg, im Spar in Oberlienz und in allen Adeg-Märkten in Lienz kaufen.

Da gibt es dann neben den „Glocknerkugeln“ auch noch Aufstriche, „Glocknerlaibchen“, Topfen und „Feine Würfel“ zu kaufen. Allesamt Produkte aus Ziegenmilch, was vor allem jenen zu Gute kommt, die unter einer Kuhmilchunverträglichkeit leiden. „Da bei der Ziegenmilch die Fettmoleküle kleiner und auch der Eiweißgehalt geringer sind, verdaut man sie wesentlich leichter“, weiß Philipp Jans. 

Als echter „Ziegenschwarm“ entpuppte sich Petras Freund Alexander beim DOLOMITENSTADT-Fototermin. Er ist auch als Hofarbeiter angestellt.

In jedem Fall zeigt sich, dass sich der ehemalige Hirtenbub, der noch vor wenigen Jahren mit seiner jüngeren Schwester auf den sattgrünen Wiesen im Debanttal die 150 Rinder und 300 Schafe der anderen Bauern hütete, seinen Traum, den er mit großer Hartnäckigkeit und der Rückendeckung seiner Familie verfolgte, erfüllt hat.

Bei der Frage, ob er endlich an seinem Ziel angekommen sei, geht Philipp einen Moment in sich. Allerdings nur, um nach einer kurzen Pause fest und entschlossen mit einem Ja zu antworten. „Deshalb aber zu behaupten, dass der Weg, den wir beschritten haben, der einzig richtige ist, wäre vermessen. Das wird die Zukunft zeigen, doch aktuell funktioniert alles recht gut“, freut sich der leidenschaftliche Ziegenbauer.

Steigern will er die Produktion nicht. „Natürlich könnte man mehr aus den Ziegen herausholen, doch wozu? So wie es jetzt ist, ist es sowohl für die Ziegen als auch für uns optimal“, schmunzelt Jans.

Credits
  • Autor: Bernd Lenzer
  • Fotografie: Johann Groder / Expa
Ein Posting verfassen

Sie müssen angemeldet sein, um ein Posting zu verfassen.
Anmelden oder Registrieren