Foto: Die Eule

Foto: Die Eule

"Die Therapie ist oft wie ein Spiel"
"Die Therapie ist oft wie ein Spiel"
Seit 26 Jahren unterstützt „Die Eule“ tirolweit Kinder und Jugendliche mit Entwicklungs­störungen, Verhaltens­auffälligkeiten und emotionalen Problemen. Auch in Lienz gibt es ein Therapiezentrum.

Als ich die Räumlichkeiten des Kindertherapiezentrums „Die Eule“ in der Tiroler Straße in Lienz betrete, kann ich gar nicht anders, als mich sofort ein bisschen wie ein Kind zu fühlen. Neben kleinen Tischchen mit bunten Stühlen stapeln sich in Schränken ganze Berge von Brettspielen und Bilderbüchern, die Wände zieren Kinderzeichnungen und farbenfrohe Kuscheltiere runden das Gesamtbild ab. Wäre ich zwanzig Jahre jünger, ich wollte hier gar nicht mehr weg. In der behaglichen Küche werde ich freundlich von Zerin Angermann, Silvia Schwaiger und Julia Mitterdorfer begrüßt. Es gibt Kaffee und Kuchen. Alles wirkt bunt, gemütlich und einladend.

Die Psychologin Zerin Angermann leitet das Therapiezentrum in Lienz. Foto: Dolomitenstadt/Unterwurzacher

Das muss es auch, erklärt Zerin. Die Psychologin leitet das Therapiezentrum in Lienz. Seit 26 Jahren unterstützt „Die Eule“, die ursprünglich aus einem Elternverein entstanden ist, Kinder und Jugendliche mit Entwicklungs­störungen, Verhaltens­auffälligkeiten und emotionalen Problemen – und die sollen sich hier wohlfühlen. „Meine Tochter Tatjana kommt gerne her“, erzählt Silvia – „hier kann sie spielen und kennt die Leute.“ Die siebenjährige Tatjana ist seit über zwei Jahren eine von den momentan 74 jungen Klientinnen und Klienten des Therapiezentrums in Lienz und besucht hier eine Logopädin und eine Ergotherapeutin.

In Lienz werden verschiedene Therapieformen angeboten:

Tirolweit betreuen acht Eule-Therapiezentren insgesamt 1.350 Kinder und Jugendliche, in manchen davon werden zusätzlich noch Physiotherapie und Hippotherapie angeboten. Besonders gefragt scheint im Bezirk Lienz die Ergotherapie zu sein: „In Osttirol gibt es nur wenige niedergelassene Ergotherapeuten, deshalb nehmen viele unserer Klienten dieses Angebot in Anspruch“, erklärt Zerin.

Julia Mitterdorfer ist eine der beiden Ergotherapeutinnen, die bei der Eule Lienz arbeiten. Sie betreut auch die Außenstellen in Sillian und Heinfels. Foto: Dolomitenstadt/Unterwurzacher

Julia ist eine der beiden Ergotherapeutinnen bei der Eule Lienz. Sie erzählt, wie so eine Therapiestunde abläuft. „Beim ersten Mal ist es besonders wichtig, dass die Eltern mit dabei sind. Beim Erstkontakt schauen wir, welche Einschränkungen im Alltag ein Kind hat und was die Ziele der Eltern und Kinder sind.“ Danach läuft jede Stunde eigentlich je nach Kind ganz individuell. Immer geht es um Handlungen, meist wird das Ganze spielerisch verpackt „Wir holen jedes Kind genau dort ab, wo es sich gerade befindet. Mit den Älteren besprechen wir natürlich mehr, für die Kleinen ist die Therapie oft wie ein Spiel.“

Die Eltern können bei den Therapieeinheiten jederzeit dabei sein, wenn dies aber aus zeitlichen Gründen nicht möglich ist, gibt es am Ende der Stunde immer eine ausführliche Nachbesprechung. Auch zuhause wird regelmäßig geübt, erzählt Silvia. „Man muss einfach dahinter sein.“ Sie ist zufrieden mit der Entwicklung ihrer Tochter. „Die Eule macht das wirklich gut, es geht ihr immer besser. Inzwischen macht sie zum Beispiel die Mathehausübung schon ganz allein.“

Silvias Tochter Tatjana besucht das Therapiezentrum in Lienz seit mehr als zwei Jahren. Auch zuhause wird fleißig geübt, erzählt Silvia. Foto: Dolomitenstadt/Unterwurzacher

Neben den Eltern, die von sich aus herkommen, sind es oft Kinderärzte, Schulen oder Kindergärten, die mit dem Therapiezentrum Kontakt aufnehmen. „Wir sind mit unseren Systempartnern gut vernetzt“, führt Zerin aus – so bleiben während des Therapiezeitraums alle Beteiligten miteinander in Kontakt, meist erfolgt mindestens ein Austausch. Besonders wichtig sei aber die Vertrauensbasis: „Alles passiert in Absprache mit den Eltern.“ Insgesamt sieht die Psychologin einen hohen Bedarf am Angebot der Eule. Besonders im September, zu Schulbeginn, und vor Beginn der Sommerferien gibt es oft viele neue Anmeldungen.

Ich habe nirgendwo sonst so viel gelernt wie hier in der Eule. Wir sind ein gutes Team und jeder hat sein Spezialgebiet – so können alle voneinander profitieren.
Zerin Angermann

Die Arbeit mit den Kindern beschreiben sowohl Zerin als auch Julia als spannend und abwechslungsreich. Beide finden es besonders erfüllend, die Entwicklung der Kinder zu sehen. Auch der Austausch mit den Eltern ist den Therapeutinnen wichtig. „Sie verbringen immerhin jeden Tag mit den Kindern und bekommen natürlich viel mehr mit“, erklärt Julia. Was „Die Eule“ in Lienz als Zentrum besonders auszeichnet, sei aber auch der rege Austausch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter untereinander, meint Zerin. „Ich habe nirgendwo sonst so viel gelernt wie hier in der Eule. Wir sind ein gutes Team und jeder hat sein Spezialgebiet – so können alle voneinander profitieren.“

In den Therapiestunden geht es meist um Handlungen, ...
... oft spielerisch verpackt. Fotos: Die Eule

Neben dem Standort in Lienz gibt es in Osttirol noch drei Außenstellen: Eine in Matrei, eine in Heinfels und eine in Sillian – alle drei werden von den Mitarbeiterinnen des Zentrums in Lienz mitbetreut. Im Osttiroler Pustertal ist schon seit einiger Zeit ein weiteres Therapiezentrum geplant. Wegen schwieriger Rahmenbedingungen – als Knackpunkt entpuppte sich bisher die Suche nach den richtigen Räumlichkeiten – wurde aber bisher noch nichts daraus. „Wir wollen es aber auf jeden Fall noch in diesem Jahr eröffnen“, hofft Zerin.


Mehr Informationen über das Therapie- und Förderzentrum „Die Eule“ gibt es auf eule.org.

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