Die
Eishakler
Die Eishakler
Osttirols lebendige Eishockeyszene ist auch eine Kaderschmiede für die Profivereine. Andreas Kristler und Clemens Unterweger bei den Profivereinen Salzburg und Graz.

Obwohl das Thermometer an der Außenwand der Kabine bei Minus 12 Grad eingefroren scheint, dampft es im Inneren der kleinen Räume vor Hitze. Stark mitgenommene Eishockeyschuhe liegen auf dem Boden und zahllose abgerissene Streifen von Klebebändern. Mit ihnen zurrt man die Stutzen an den Beinschonern fest. Auf den schmalen Sitzbänken türmen sich verschwitzte Leibchen und stapelt sich der Rest der Ausrüstung. Wer nicht gerade duscht, ist geschlaucht und sitzt – je nach Spielausgang gut oder mies gelaunt – in der Kabine. Draußen diskutieren die Fans und lassen lautstark nochmals das Spiel mit all seinen Höhepunkten Revue passieren. Und obwohl die Muskeln brennen und die Knochen schmerzen, weiß jeder Spieler: Eishockey ist einfach saugeil!

Wer in Osttirol an Eishockey denkt, denkt zuerst an das ewig junge Derby zwischen Lienz und Huben. Zwei Teams, die unterschiedlicher nicht sein können. Auf der einen Seite die Naturgewalt aus dem Osttiroler Norden, auf der anderen die elegant spielenden „Stadtner“. Allerdings hinkt der Vergleich, denn in der Hubener Eisarena wird ein ebenso feiner „Puck“ gespielt. Und auch im Dolomitenkessel fliegen ab und zu die Handschuhe bevor deren Eigentümer zum Faustkampf laden. In beiden Fällen stehen hunderte Zuschauer hinter der Bande und feuern ihre Burschen an.

Osttirol hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Eishockeyhochburg gemausert. Und das, obwohl man anfangs von den Vertretern des Kärntner Eishockeyverbandes, unter dessen Dach die Osttiroler Teams spielen, belächelt wurde. Für die Kärntner waren die Gäste aus dem Westen willkommene Punktelieferanten. Man hatte nicht mit der Kampfkraft der Osttiroler gerechnet. Vor allem die Eislöwen aus Lienz und die Eisbären aus Huben mischen seit Jahren die Kärntner Ligen auf.

Sowohl der UEC Lienz als auch der UECR Huben gehen in der Saison 2012/2013 in der Carinthian Hockey League (CHL) auf Punktejagd. Sie ist nach dem Aufstieg von Tarco Klagenfurt in die Amateur-Liga und dem freiwilligen Abstieg von Feld am See und Velden heuer mit nur fünf Mannschaften besetzt. Das bedeutet, die Teams treffen gleich vier Mal aufeinander. Die Lienzer und Hubener Fans freuen sich natürlich über vier spannende und rasante Derbys. Jede Menge davon gibt es auch eine Liga darunter, wo sich in der Kärntner Liga West neben dem UEC Leisach auch noch die Virger Wölfe, die Black Devils aus Prägraten und die zweite Mannschaft des UECR Huben tummeln. Zwei Teams aus Spittal komplettieren die ausgeglichene Liga, die vor allem im Zeichen der kampfbetonten Derbys zwischen Prägraten und Virgen stehen wird. Beide Teams sind für ihre heißblütigen Fans ebenso berühmt wie berüchtigt.

Mit Spannung fiebert man in der Landesklasse West den Osttiroler Duellen zwischen den Sillian Bulls, den Icetigers aus Nußdorf-Debant, dem Farmteam aus Virgen, UEC Leisach II und Prägraten II entgegen. Das Team der AHC Toblach Mammuts rundet das Teilnehmerfeld dieser Liga sozusagen international ab.

Bei so viel fanatischer Eishaklerei ist es wenig verwunderlich, dass immer wieder Spieler aus den Osttiroler Eisarenen für Furore im Profizirkus sorgen. Aktuell sind das Andreas Kristler, der im Nachwuchs des UEC Lienz geschult wurde, dann für den Villacher SV auflief und jetzt bei Red Bull Salzburg punktet. Der Hubener

Clemens Unterweger schnürt seine Eishockeyschuhe für die „Graz 99ers“, wo er im Herbst einige Wochen gemeinsam mit Österreichs NHL-Eishockey-Superstar Thomas Vanek trainieren und spielen konnte. Für den 20-jährigen Osttiroler Verteidiger eine „riesige Erfahrung“.

Mit den besten des Landes zu kämpfen ist für Andreas „Tiste“ Kristler schon Normalität. Er läuft bereits in der fünften Saison als Profi auf’s Eis. Dabei ist der Irschner Stürmer, der in Lienz geboren ist, gerade erst 22 Jahre alt. So gesehen wird man sowohl von Unterweger als auch von Kristler noch einiges hören und wer weiß: vielleicht schleifen die  Osttiroler Teams demnächst wieder den einen oder anderen Rohdiamant zu, der bald in die höchsten Eishockeyligen des Landes aufsteigt.

Andreas Kristler

Andreas Kristler, Red Bull Salzburg.

Alter: 22, Größe: 179 cm, Gewicht: 75 kg, Position: Sturm, Nummer: 40.

Ich kam zum Eishockey, weil… – mich in meiner Kindheit mein Vater, mein älterer Bruder und mein Cousin immer zum Eishockeyspielen mitgenommen haben.

Wo hast du überall gespielt? – Beim EC Irschen, UEC Lienz, VSV, Red Bull Salzburg.

Welche Ziele verfolgst du? – Mit einem Team wie Red Bull Salzburg will ich natürlich Meister werden, ansonsten versuche ich aber jeden Tag meine beste Leistung abzurufen.

Was wäre ein absoluter Traumverein, bei dem du sofort unterschreiben würdest? – Ich bin in Salzburg absolut glücklich, aber wenn sich einmal ein Verein aus der nordamerikanischen Profiliga „NHL“ melden würde, könnte ich mir durchaus einen Wechsel vorstellen – egal zu welchem Verein.

Wer ist für dich der beste Spieler aller Zeiten? – Da gibt es für mich mehrere. Ich versuche dann einfach, mir immer das Beste von jedem Topspieler abzuschauen und umzusetzen.

Wie ist es mit absoluten Topleuten aufzulaufen? – Da ich seit vier Jahren selbst als Profi spiele, bin ich an Topniveau gewöhnt. Wenn du dich im Training aber, wie aktuell, mit NHL-Profis wie Tobias Enström messen kannst, lernst du schon immer wieder etwas Neues dazu.

Wie hart ist so ein Eishockeytraining bei dir im Verein? – Die Vorbereitung im Sommer ist hart, mit viel Radfahren und Kraftkammertraining. Erst mit Saisonbeginn wird es ruhiger, weil aufgrund der 2 bis 3 Spiele in der Woche eher im taktischen Bereich gearbeitet wird.

Wieviele Spiele bestreitet man pro Saison? – 54 Spiele im Grunddurchgang und dann geht’s in die Play offs.

Welcher Verein ist für dich Osttirols Nummer 1? – (lacht) Da gibt es keine Diskussion: der UEC Lienz.

Clemens Unterweger

Clemens Unterweger, Graz 99ers.

Alter: 20, Größe: 183 cm, Gewicht: 82 kg, Position: Verteidigung, Nummer: 92

Ich kam zum Eishockey, weil… – In der Eishockeyhochburg Huben jeder Eishockey spielt. (lacht)

Wo hast du überall gespielt?  – Huben, Zell am See und jetzt in Graz bei den „99ers“.

Was wäre ein absoluter Traumverein, bei dem du sofort unterschreiben würdest? – Keine Ahnung, da gibt es viele. Aber wenn wir schon von einem Traum reden, dann bei den Washington Capitals.

Wer ist für dich der beste Spieler aller Zeiten? – Bobby Orr

Wie ist es mit einem Spieler wie Thomas Vanek zu trainieren oder aufzulaufen? – Das ist ein Wahnsinn. Thomas ist sowohl in der Kabine als auch auf dem Eis ein klasse Typ. Seine Einstellung und sein Charakter sind bewundernswert.

Wie hart ist so ein Eishockeytraining bei dir im Verein? – In der Vorbereitung ist das Training sehr intensiv und lang. Während der Saison ist das Training nicht mehr so hart, weil man da für die Spiele fit sein soll. Dann trainieren wir sechs Mal in der Woche, wobei noch die Spiele dazukommen.

Wieviele Spiele bestreitet man pro Saison? – So an die 60 bis 70.

Wie lange dauert ein jeweiliger Einsatz? – Länger als 30 bis 40 Sekunden sollte man pro Wechsel nicht am Eis sein.

Welcher Verein ist für dich Osttirols Nummer 1? – (lacht) Was ist das für eine Frage. Huben natürlich.

Credits
  • Autor: Bernd Lenzer
  • Fotografie: EXPA/Jürgen Feichter | EXPA/Patrick Leuk
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