Das Einjährige Berufskraut ist nur ein Vertreter vieler harmloser Neophyten in Österreich.

Das Einjährige Berufskraut ist nur ein Vertreter vieler harmloser Neophyten in Österreich.

Gebietsfremde Pflanzenarten: eine Bedrohung?
Gebietsfremde Pflanzenarten: eine Bedrohung?
Auch in Osttirol sind sie längst Thema: Durch Globalisierung, Klimawandel und Veränderungen in der Landnutzung verbreiten sich auch hier sogenannte Neophyten. Die Prognose über ihr zukünftiges Verhalten ist vielfach noch reine Spekulation.

Gebietsfremde Pflanzen (Neophyten) sind in aller Munde – nicht zuletzt deswegen, weil invasive gebietsfremde Arten weltweit die zweitgrößte Bedrohung der Biodiversität darstellen und zum Teil auch wirtschaftliche und gesundheitliche Schäden hervorrufen können. Rund 50 gebietsfremde Pflanzenarten und 200 gebietsfremde Tierarten sind derzeit in Österreich naturschutzfachlich problematisch oder verursachen wirtschaftlichen Schaden, zum Beispiel durch Lebensraumveränderungen, Ernteeinbußen oder erhöhte Betriebsmitteleinsätze in der Land- und Forstwirtschaft, sowie Schäden an der Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen.

Die Europäische Kommission hat die Problematik erkannt und in ihrer Biodiversitäts-Strategie 2020 ein spezielles Ziel zu gebietsfremden Arten aufgenommen. Eine dahingehende EU-Verordnung wurde im Herbst 2014 erlassen und trat mit 1. Jänner 2015 in Kraft. Sie beinhaltet für ausgewählte Arten ein umfangreiches Maßnahmenbündel, das unter anderem auch die Durchführung von Beseitigungsmaßnahmen durch die Mitgliedsstaaten, darunter also auch von Österreich, fordert. Auf der Liste der von der EU als problematisch eingestuften Arten steht unter anderem auch das aus dem Himalaya stammende Drüsige Springkraut, das seit einigen Jahrzehnten auch Osttirol „erobert“ hat. Diese Art ist in Mitteleuropa mittlerweile allerdings derart häufig und weit verbreitet, dass eine völlige „Ausrottung“ durch Bekämpfungsmaßnahmen nicht mehr möglich ist – in speziellen Einzelfällen können aber solche dennoch sinnvoll sein.

Drüsiges Springkraut – vielfach im Fokus des Neophyten-Managements. Die Frage ist nur: Immer zu Recht?

Durch Globalisierung, Klimawandel und Veränderungen in der Landnutzung wird das Thema Neophyten in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Zweifelsfrei wird die Anzahl an gebietsfremden Pflanzen- und Tierarten bei uns in Österreich künftig noch steigen. Dass auch Osttirol von diesem „Trend“ nicht verschont bleibt, zeigen unter anderem die laufenden, großteils noch unpublizierten Nachweise neuer gebietsfremder Pflanzen durch mehrere Botaniker. Auch wenn viele dieser Arten derzeit noch „unbedenklich“ erscheinen, so ist die Prognose über ihr zukünftiges Verhalten vielfach noch reine Spekulation: Werden sich diese Arten künftig weiter ausbreiten und bei uns zum „Problem“ werden? Und wenn ja, welche konkreten Probleme entstehen wirklich und für wen?

Bereits jetzt sind im Bezirk Lienz viele auffallende und bekannte Neophyten, wie Drüsiges Springkraut, Riesen- und Kanada-Goldrute, Japan- und Sachalin-Staudenknöterich oder Robinie weit verbreitet und zum Teil häufig in freier Wildbahn anzutreffen. Aber auch unscheinbare Arten wie das Beifußblättrige Traubenkraut, auch „Ragweed“ genannt, sind im Vormarsch. Dabei besteht gerade im Fall des Ragweeds in Osttirol aus botanischer Sicht hoher Handlungsbedarf, da sich diese ursprünglich nordamerikanische Art in den letzten Jahren deutlich ausbreitet und aufgrund des hochallergenen Pollens für Allergiker und Asthmatiker zu einem zusätzlichen Problem werden könnte. Wartet man bei dieser Art mit Managementmaßnahmen zu, so könnte bald der Zeitpunkt erreicht werden, ab dem diese Art in Osttirol realistischer Weise nicht mehr oder höchstens mit enormen Ressourceneinsatz bekämpft werden kann.

Die aus Nordamerika stammenden Kanada- und Riesen-Goldruten sind bereits weit in Osttirol verbreitet. Man sieht sie gelegentlich heute noch in Gärten, aus denen die ersten Verwilderungen kamen.
Austreibender Japan-Staudenknöterich am Grafenbach-Rückhaltebecken in Lienz – vom Wasserbau nicht selten mit Argusaugen betrachtet.
Das Beifußblättrige Traubenkraut, auch „Ragweed“ genannt, ist als unscheinbarer Korbblütler mit hochallergenem Pollen auch in Osttirol in Ausbreitung.

Um das Thema „Neophyten“ bestmöglich in den Griff zu bekommen, sind breite Aufklärung und Bewusstseinsbildung bei den Entscheidungsträgern, handelnden Akteuren wie auch in der Bevölkerung zentrale Maßnahmen und zugleich unabdingbare Voraussetzung für ein erfolgreiches Neophyten-Management. Ohne Kenntnis der Biologie der einzelnen gebietsfremden Arten, ohne eine jeweils für den Einzelfall durchzuführende Problemanalyse und ohne zielgerichtete Maßnahmen- und Ressourcenplanung ist eine Neophytenbekämpfung nicht selten ein aussichtsloses, letztlich frustrierendes Unterfangen. Hinzu kommt, dass nicht alle Neophyten „böse“ sind, sondern durchaus auch positive Aspekte besitzen können, sei es als Bereicherung der Artenvielfalt, als Bienenweiden oder als Zierpfanzen. Eine differenzierte, fachliche Sichtweise auf dieses mitunter einseitig diskutierte Thema ist jedenfalls dringend geboten.


Die Firma REVITAL Integrative Naturraumplanung in Nußdorf-Debant bietet einen zweieinhalbtägigen Ausbildungskurs zum/zur „Geprüften Neophyten-ManagerIn“ an, der an zwei Terminen 2018 eine sachliche Vermittlung des Themas bietet. Neben der Vorstellung der relevanten, meist auch in Osttirol vorkommenden Neophyten kommen praxisrelevante Aspekte der Neophytenbekämpfung und Entsorgungsfragen bei diesem Kurs nicht zu kurz.

Der erste Kurs findet von 20. bis 22. Juni 2018 im Büro REVITAL statt, die Anmeldung dazu ist noch bis 30. April unter akademie@revital-ib.at möglich. Weitere Informationen auf www.revital-ib.at.

Credits
  • Autor: Oliver Stöhr
  • Fotografie: Oliver Stöhr
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