Die Installation „Grüss Göttin“ von Ursula Beiler wurde Opfer vieler Vandalenakte. Foto: Ursula Beiler

Die Installation „Grüss Göttin“ von Ursula Beiler wurde Opfer vieler Vandalenakte. Foto: Ursula Beiler

Hängt sie höher!
Hängt sie höher!
Was sagt es über Geschlechterdemokratie und politische Kultur eines Landes aus, wenn Männer „entgleisen“ und Frauen ihnen weiterhin die Mauer machen? Eine Bestandsaufnahme von H wie Himmelfahrt bis W wie widerwärtig.

„Vermutlich passiert es im Zuge der Coronakrise zum ersten Mal, dass die politische Kultur Tirols über die Landesgrenzen hinaus Aufmerksamkeit erhält und auf Kritik stößt. Man ist es seitens der Tiroler ÖVP nicht gewohnt, damit umzugehen, konnte man im Land doch über Jahrzehnte schalten und walten, wie man wollte. Da scheint es vielen unwirklich, dass man sich verantworten oder gar Fehler eingestehen soll.“

Was die Politikwissenschaftlerin Alexandra Weiss Ende März 2020 in der Kleinen Zeitung so treffend analysiert hat, bezog sich auf das desaströse Bild, das die Tiroler Polit-Elite beim Krisenmanagement rund um den Corona-Hotspot Ischgl abgegeben hat – Stichwort: „Wir haben alles richtig gemacht“.

„Tirol hat ein Demokratieproblem“, resümierte Weiss. Dass gut zwei Monate später just einer der höchstrangigen VP-Politiker des Landes noch eins draufsetzen und damit Hinweise darauf geben würde, das dieses Demokratieproblem auch auf patriarchale Machtstrukturen zurückzuführen ist, Tirol also auch ein Problem mit Geschlechterdemokratie hat, ließ sich da noch nicht erahnen. Aber man hatte spätestens Ende März auch außerhalb Tirols begriffen, dass es sich lohnt, die Vorgänge im Heiligen Land im Auge zu behalten, weil sie allerhand Stoff für haarsträubende Geschichten hergeben.

Und so war es die Süddeutsche Zeitung, die Anfang Juni eine „ausgefallene Erklärung“ zu jener Aussage abdruckte, an deren sexistischem und herabwürdigendem Charakter eigentlich kein Zweifel besteht: ÖVP-Landeshauptmann-Stellvertreter und Bauernbund-Obmann Josef Geisler hatte die WWF-Gewässerschutzexpertin Marianne Götsch als „widerwärtiges Luder“ bezeichnet. Seine Sprecherin erklärte daraufhin der SZ, der Ausdruck „Luada“ sei „nicht zwingend negativ“ und bemühte dazu Jägerlatein.

Josef Geisler bezeichnete Marianne Götsch als "widerwärtiges Luder" und bemühte sich später um Jägerlatein. Foto: WWF/Vorauer

Eine interessante Konstellation: Einer Frau fiel die Aufgabe zu, die Aussage eines Mannes zu rechtfertigen, der einer anderen Frau das Wort abschneiden wollte, was diese wiederum nicht zugelassen hatte. Es darf an dieser Stelle auch daran erinnert werden, dass Geisler selbst in einem ersten Statement zur Causa erklärt hatte, er habe halt „laut gedacht“. Die weiteren Entwicklungen sind bekannt: Empörung, Entschuldigung, Abheften der Angelegenheit als „Entgleisung“, Übergang zur Tagesordnung.

So ähnlich hat das ja auch funktioniert, als der Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer während einer Landtagssitzung in Richtung der krankheitsbedingt abwesenden Grünen-Landesrätin Gabriele Fischer sagte: „Ich will mir die Landesrätin nicht in der Horizontalen vorstellen.“ Klarer Fall für einen Aufstand der Tiroler SP-Frauen? Mitnichten. Die Kritik wurde zum größten Teil an die Parteikolleginnen im fernen Wien ausgelagert. So gesehen muss man sich jetzt auch über das Schweigen der VP-Frauen zur Geisler’schen „Entgleisung“ nicht allzu sehr wundern. Aber es kann nicht schaden, sich ein paar ernsthafte Gedanken über patriarchale Machtstrukturen und die Lage des Feminismus in Tirol zu machen, bevor diejenigen, die gern behaupten, dass es „jetzt aber auch wieder gut“ sei, das letzte Wort behalten.

„Ich will mir die Landesrätin nicht in der Horizontalen vorstellen", sagt SP-Mandatar Georg Dornauer während einer Landtagssitzung. Foto: Expa/Jak

18,3 Prozent. So hoch war der Gender Pay Gap in Tirol laut einer Studie des Landes zu den „Lohnunterschieden von Frauen und Männern in Tirol“ im Jahr 2016. Frauen verdienten also fast um ein Fünftel weniger als Männer. Die Gründe dafür sind vielfältig. Doch die Hälfte der Lohnlücke blieb laut Studienautoren nicht erklärbar. Traditionelle Geschlechterrollen und Diskriminierung bezeichneten sie aber als „wesentliche“ Einflussfaktoren.

Wenn es wieder einmal heißt, dass die Lebenserhaltungskosten in Tirol höher, die Einkommen aber niedriger sind als anderswo in Österreich, darf man sich das ruhig in Erinnerung rufen. Laut jüngster Einkommensanalyse der AK (Zahlen von 2018) beruht der Rückstand Tirols nämlich in ers­ter Linie auf den geringen Einkommen der Frauen. Begründen ließen sich diese keineswegs nur mit dem hohen Grad an Teilzeitarbeit. Sondern etwa auch mit den niedrigen Löhnen in jenen Branchen, in denen viele Frauen tätig sind, weil nur dort die Möglichkeit flexibler Arbeitszeitgestaltung besteht. Dazu gehören Handel und Tourismus, der bekanntlich gern als Wohlstandsbringer für Tirol gepriesen wird, das Einkommensniveau insgesamt aber offenbar eben auch drückt.

„Frauenarbeit ist immer noch weniger wert als Männerarbeit"
Monika Jarosch, Juristin

Die traditionelle Rollenverteilung ist laut Katja Gander, zuständig für den Bereich Arbeitsmarktpolitik für Frauen im AMS Tirol,  bis heute eines der Hauptprobleme für Frauen beim beruflichen Wiedereinstieg nach der Karenzzeit. Besonders im ländlichen Raum, wo auch die Mobilität „ein massives Problem“ darstellen könne. „Oft gibt es nur einen PKW, mit dem fährt traditionell der Mann in die Arbeit“. Öffis beanspruchen oftmals mehr Zeit, was wiederum nicht mit den Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen vereinbar sei. Und natürlich, so Gander, kenne auch sie die  Geschichten über Bürgermeister, die erklären, dass es in „ihrer“ Gemeinde ausreichend sei, wenn Betreuungseinrichtungen bis 11.30 Uhr geöffnet hätten, weil die Einkäufe bis dahin ja erledigt sein müssten.

„Frauenarbeit ist immer noch weniger wert als Männerarbeit“. Und das hänge eng mit den alten Rollenbildern zusammen, sagt die Juristin und Politikwissenschaftlerin Monika Jarosch im Gespräch mit dem 20er. Die Obfrau des Vereins Arbeitskreis für Emanzipation und Partnerschaft findet es deshalb umso bedenklicher, dass die Coronakrise zu einem Backlash geführt hat. Frauen, die die Ausfallshaftung für geschlossene Kinderbetreuungseinrichtungen übernehmen mussten, sind nur ein Beispiel dafür.

Die Künstlerin Judith Klemenc beschäftigt sich in ihren Arbeiten seit vielen Jahren mit feministischen Fragen. Im Mai zeigte sie unter dem Titel „systemrelevant“ eine Performance im Innsbrucker Hofgarten. Sie nahm dabei die Rollen von vier Frauen mit unterschiedlichen Hintergründen ein, die über die Corona-Auswirkungen diskutierten.

Ein „Corona-Video“ des Landes, in dem exakt jene althergebrachten Rollenvorstellungen bedient wurden, gegen die sich nicht nur Klemenc zur Wehr setzt, wurde zwar rasch wieder gelöscht. Da waren die Erinnerungen an ein Video-Gate der ÖVP-Frauen aus dem Jahr 2011 aber schon geweckt. Eine Frau im roten BH, die ihrem Mann die Füße massiert, um danach zur Jogging-Runde aufzubrechen, „weil wir dann noch aktiv sind, wenn die Männer schon längst schlafen“, gehörte darin zu den verstörendsten Szenen. Die Beteuerungen der Verantwortlichen, sie hätten eine „Rollenbilder-Debatte“ anstoßen wollen, mochten damals nicht einmal die Kritikerinnen aus den eigenen Reihen glauben.

In Schützenvereinen haben Frauen bis heute - außer als Marketenderinnen - keinen Platz. Foto: Expa/Jak

Das Bild der knorrigen Tiroler als tief religiöses, armes, aber wehrhaftes Bergvolk samt seiner stets mit Schnaps zu Diensten stehenden Marketenderinnen mag zwar längst weit entfernt von den Lebensrealitäten im Land sein. Aber es ist in seinen Grundzügen noch immer Teil der politischen Inszenierungen samt Schützen und Blasmusik. Man betont inzwischen freilich, wie herrlich in Tirol Tradition und Moderne miteinander verschmelzen würden. Denn auch im Tourismus, der das urwüchsige Tirolertum jahrzehntelang zum Verkaufsargument hochstilisiert hat, reicht dieses längst nicht mehr als alleiniges Lockmittel. Dazu braucht es schon auch James-Bond-Erlebniswelten.

Jedes Jahr am 15. August verschmilzt im Heiligen Land aber noch heute der Männer-Mythos des kämpferischen Volkshelden mit der katholischen Glaubensvorstellung der weiblichen Fürbitterin: Der Landesfeiertag geht auf 1809 zurück, als Andreas Hofer Tirol der Heiligen Jungfrau Maria zum Schutz anvertraut haben soll. Jedes Jahr am 15. August, dem „Hohen Frauentag“, werden in Tirol auch Medaillen und Ehrenkreuze für Verdienste um das Land vergeben – und zwar zum größten Teil an Männer. Von den rund 190 Auszeichnungen des Jahres 2019 gingen 64 an Frauen.

„Frauen haben nach wie vor kaum Zugang zu den Klüngeln der Macht“
Irene Heisz, Politikerin

Das liegt keineswegs am geringeren Gemeinwohl-Engagement von Frauen. Vor allem im sozialen Bereich gilt etwa das Ehrenamt sogar als überwiegend weiblich. Das heißt nicht, dass Männer insgesamt weniger aktiv wären. Aber sie übernehmen viel häufiger als Frauen prestigeträchtigere Funktionen, politische Ehrenämter, Aufgaben in Vorständen oder an Vereinsspitzen. Schon vor Jahren, als das Geschlechterverhältnis am „Hohen Frauentag“ ähnlich aussah wie 2019, hat das Irene Heisz, heute SPÖ-Politikerin in Innsbruck, in der Tiroler Tageszeitung so kommentiert: „Frauen haben nach wie vor kaum Zugang zu den Klüngeln der Macht, innerhalb derer man einander gern einmal die eine oder andere Ehrung zukommen lässt. Und nach wie vor gilt: Wenn eine Frau sich für das Gemeinwohl engagiert, hat sie endlich etwas zu tun gefunden. Wenn ein Mann dasselbe tut, muss er selbstverständlich gelobt werden dafür.“

Geehrt wird am „Hohen Frauentag“ also, wie es die Politologin Sieglinde Rosenberger einmal beschrieben hat, „die Frau, die Richtung Himmel fährt“, während in den Niederungen des Alltags konservative Familienbilder selbst dann noch gedeihen würden, „wenn die Realität längst von Pluralisierungs- und Individualisierungsschüben profitiert hat“.

Die Kunstinstallation von Katharina Cibulka am Innsbrucker Dom durfte länger bestehen als das "Grüß Göttin"-Schild von Ursula Beiler. Weil sie weiter oben hing? Foto: Cibulka/Prachensky

Seit dieser Kritik aus den 1990er Jahren sind zweifellos weitere Schübe durchs Land gegangen. Die jahrhundertalte Dreifaltigkeit aus Hofer-Kult, Bauernstand und katholischer Kirche hat aber Spuren hinterlassen. Wie hoch die Wogen in Tirol auch im 21. Jahrhundert noch gehen können, wenn an der vermeintlichen „göttlichen Ordnung“ gerüttelt wird, ließ sich auch an den heftigen Reaktionen auf das „Grüß Göttin“-Schild von Ursula Beiler ablesen. Unzählige Vandalenakte folgten. In sozialen Netzwerken kursierte zuletzt im Übrigen eine Version mit der Aufschrift „Grüß Luder“.

Erstaunlich gelassen blieb man in Tirol dagegen, als vor zwei Jahren die Künstlerin Katharina Cibulka den im XXL-Format auf ein Baunetz gestickten Slogan „Solange Gott einen Bart hat, bin ich Feminist“ von der Fassade des Innsbrucker Doms grüßen ließ. Vielleicht lag’s am urbanerem Schauplatz, vielleicht auch am kirchlichen Beistand: Bischof und Domprobst hatten ihren Segen gegeben. Womöglich hing die Parole aber auch ganz einfach zu hoch, um für Vandalismus in Frage zu kommen. Irgendwie drängt sich da der Verdacht auf, dass es keine ganz verkehrte Taktik sein könnte, feministische Anliegen in einem Land der tief verwurzelten Männerbünde höher zu hängen. Und das ist keineswegs nur im räumlichen Sinn gemeint.

Sprache schafft Wirklichkeiten

Wenn Sprache Wirklichkeit erschaffen kann, welche Wirklichkeiten lassen sich dann am Sprachgebrauch ablesen? Für Künstlerin Klemenc spiegelt sich im „Luder“-Sager „eine Grundhaltung wider, wonach Frauen nichts zu sagen, keine Stimme und keine Sprache haben. Und wenn sie trotzdem die Stimme erheben und widersprechen, dann wird das sanktioniert“. In den Stücken des in Wien lebenden Tiroler Dramatikers Martin Plattner stehen auch deshalb auffallend oft Frauenfiguren im Mittelpunkt, weil „es im Theater für Frauen häufig und immer noch drei bis vier Stereotype gibt – das Luada, die narrische Alte, die schrullige Tante oder die junge Göre, die nichts vom Leben versteht und der die Männer die Welt erklären müssen. Ich versuche, meinen Figuren andere, widerständische Handlungsspielräume einzuschreiben oder eben aufzuzeigen, dass Frauen – sogar noch im Jahre 2020 – Handlungspielräume abgesprochen werden.“

Wenn er in letzter Zeit „die Nachrichten aus Tirol verfolgt habe“, sagt Plattner, „ist mir schon etwas mulmig geworden. Weil da lauter ältere, privilegierte, weiße, heterosexuelle Männer auftreten, die an ihren Sesseln kleben und angeblich alles richtig machen.“ Die Geisler-Aussage ist für ihn nur „die Spitze des Eisbergs“ und ein „strukturelles Problem“, nicht nur in Tirol. Es geht darum, wie abwertend insgesamt auf Frauen geschaut wird und wie tief die Frauenverachtung nach wie vor sitzt. Dieser grausige, auf Erniedrigung abzielende Stammtischjargon, den wird man nicht los.“

Aus Sicht der Politikwissenschaftlerin liegt in den bis heute „männlich dominierten politischen Räumen“ eine Wurzel des Problems: „Frauen werden darin immer noch anders beurteilt, ihre Kompetenz wird in Frage gestellt, sie sind mit Übergriffen konfrontiert“, sagt Alexandra Weiss. Das mache es für Frauen nach wie vor schwierig oder unattraktiv, politisch tätig zu werden. In ländlich geprägten Räumen, wo die patriarchalischen Strukturen noch ausgeprägter sind, gelte das umso mehr. Geisler sei der „exemplarische Fall eines Politikertypus, der es nicht gewohnt ist, Frauen zuzuhören oder sie ernst zu nehmen“.

Angelobung der neuen Tiroler Landesregierung im Jahr 2018: Die Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann (ÖVP), Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe (GRÜNE) und Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Foto: Expa/Jak

Weiss hat zuletzt in einem Facebook-Kommentar auch Grünen-Chefin Ingrid Felipe scharf kritisiert. Was für sie nicht bedeutet, die Debatte auf den Rücken einer Frau zu verlagern. „Ich finde, es gehört beides thematisiert. Felipe bedient mit ihren Aussagen antifeministische Klischees und unterstellt die Spaltung denen, die sie politisch bekämpfen und überwinden wollen“.

Diskussionen über Feminismus sind so alt wie der Feminismus selbst. Dass Antifeminismus heute von einem breiten Spektrum an Akteuren, darunter Populisten, bürgerlich Konservative und extreme Rechte gern als Manipulations- oder auch Kampfmittel eingesetzt wird, um „alte Ordnungen“ wieder herzustellen, ist vergleichsweise dazu ein eher jüngeres Phänomen.

Für ihre Wortschöpfungen zum Thema Feminismus („Aug in Aug“ versus „verzeihend“) erntete Felipe bekanntlich auch massive Kritik aus den eigenen Reihen. Und die Frage, ob eine Grünen-Politikerin, wenn sie heute in Tirol mit den Schwarzen koalieren will, zuerst ein Feindbild vom Feminismus kreieren muss, um sich dann auf dessen „gute“, respektive auch für den Koalitionspartner vertretbare Seite schlagen zu können, scheint noch nicht geklärt.

So wie auch die Frage, wie die ÖVP-Frauen die Lage eigentlich sehen. Landtagsabgeordnete Sophia Kircher wollte auf Fragen des 20er nur schriftlich antworten. Geislers Aussage sei „ohne Frage völlig indiskutabel“, eine Entschuldigung müsse aber „auch etwas wert sein“, lässt sie also per E-Mail wissen. Als Obfrau der Jungen Volkspartei in Tirol sei es ihr ein besonderes Anliegen, „Frauen, die politische Verantwortung übernehmen wollen, besonders zu unterstützen und zu fördern“. Ob sie sich selbst als Feministin bezeichnen würde? „Es gibt viele verschiedene feministische Strömungen. Wenn man damit meint, dass ich für Chancengleichheit von Mann und Frau in allen Lebensbereichen eintrete, ja, dann würde ich mich als Feministin bezeichnen“, schreibt Kircher. „Wenn man im Sinne des Radikalfeminismus meint, dass alle Geschlechterunterschiede beseitigt werden müssen, dann nein“.

Diese Analyse der Kulturjournalistin Ivona Jelčić wurde in der Sommerausgabe der Straßenzeitung 20er publiziert, mit der wir partnerschaftlich zusammenarbeiten.

So wie der 20er suchen auch wir nach Frauen, die bereit sind, ihre Erfahrungen mit Sexismus im Alltag zu schildern. Zum Aufruf geht es hier. Alle Informationen werden selbstverständlich vertraulich behandelt. In den nächsten Wochen werden wir diesem Thema einen Schwerpunkt widmen. Redaktionelle Ansprechpartnerin ist Anna Maria Huber. 

Credits
  • Autorin: Ivona Jelčić
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Gott sei Lob und Dank! Wir haben in Tirol kein Problem mit Feminismus! Wir haben in Tirol nur ein Wasserkraftwerksproblem. Die Tiroler Politik hat also wirklich alles richtig gemacht!

Gerhard Pirkner

Lieber senf, lieber Hans, ihr habt ein wenig das Thema des Artikels aus den Augen verloren. 😜

senf

@herr mayer

schön für sie, wenn sie sich nicht in der anonymität verstecken. ich brauche das schulterklopfen nicht, es geht mir – wie vielen anderen hier im forum - um lebhafte diskussion.

wir stecken in einer weltweiten umweltkrise und müssen da irgendwie raus. die bemühungen der industrieländer sind unterschiedlich, manchen ist das anliegen wurscht, andere haben sich ziele gesetzt. so auch das land tirol und auch die republik und einige nachbarländer

wir in tirol haben die wasserkraft, sonne und auch „nachwachsende“ rohstoffe, in andere regionen bläßt auch noch der nutzbare wind. trotzdem sind wir noch immer auf unmengen an importenergie angewiesen. Ich meine damit öl, gas, atomstrom … energieautark wollen wir ab dem jahre 2050 sein. hm!

sie beziehen sich auf daten des umweltanwaltes. seine aufgabe ist der tirolblick und er kritisiert den „überfluss“ an energie aus wasserkraft, die – wie sie meinen - die „betonlobby tiwag“ liefert. leider unterliegt der landesversorger den krampf, immer mehr strom aus der fotovoltaik zu übernehmen. wie das wirtschaftlich und technisch lösbar ist, interessier die lautstarken umweltsschützer nicht, diese setzen leider auf das umweltgefährliche und importierte silizium, denn auch pumpspeicherkraftwerke und ähnliches sind für sie tabu. ich nutze privat längst die sonnen und bin stolz auf die ausbeute, auch wenn sie mir die energie großteils zur falschen zeit liefert. manchmal ich helf mir dann mit kerzenlicht oder petrolium 😏

herr mayer, wenn mich als „bedingungslosen verfechter der wasserkraft ohne rücksicht auf die natur“ hinstellen, dann darf ich ihnen im gegenzug auch vorwerfen, dass sie nicht über den berg schauen und die komplexen zusammenhänge der energieversorgung leider nicht erkennen. denn wieso kritisieren sie den überschuss an wasserkraftenergie der tiwag? darf diese nur den tirolern strom liefern? gibt es nicht auch haushalte in anderen bundesländern oder im vereinten europa, die auf erneuerbaren strom angewiesen sind und zuwenig darüber verfügen? hört der umweltschutz bei ihnen an der landesgrenze auf? stellen sie sich vor, das speicherkraftwerk im salzburgerischen stubach der Bundesbahn würde strom nur bis oberdrauburg zur verfügung stellen und die züge würden dort stoppen. was dann?

die nutzung der wasserkraft erfolgt in tirol nach strengen kriterien und nach den geltenden landes- und bundesbestimmungen und sogar auch nach internationalen recht. meinen alter wunsch, endlich wasserwirtschaftliche rahmenpläne für den ausbau zu erlassen auch ebenfalls die kritik mancher „gierigen privaten kraftwerksplaner“ haben sie trotz meiner „unzähligen posting“ hier im forum überlesen, vielleicht auch mit absicht verschwiegen.

„ursprüngliche flußstrecken – für unsere kinder“, bla bla bla? darunter stelle ich mir ein mäandrierendes und ohne jeglichen einfluss des menschen abfließendes gewässer vor. die isel ist es jedenfalls nicht. sie fließt großteils durch ein korsett, allerdings durch ein großügiges, für das der weitblickende bachverbauer thenius internationale anerkennung erlangt hat. die verbauungen waren notwendig und ich freu mich darüber, dass dieser fluss nach europäischem recht nicht mehr energietechnisch genutzt werden soll, ebenso die vielen gletscherbäche im nationalpark. wolfgang retter gebührt hier ein wenig dank.

vielleicht sollten sich die „naturschützer“ in zukunft mehr in fragen energiesparen und den umweltschutz im allgemeinen und im großen beschäftigen. dann würden sie erkennen, dass allein der reifenabrieb in fließgewässern und die unmengen an plastikabfällen den fischen mehr schadet, als die filter in den tirolwehren!

enkeltaugliche verantwortung ist das zauberwort des 21. jhd., herr mayer.

    Hans Mayer

    „ursprüngliche flußstrecken – für unsere kinder“, bla bla bla? Das Niveau bleibt gewohnt niedrig! Immerhin geben sie jetzt zu, dass Tirol keinen Strombedarf hat, sondern Überfluss zur Genüge da ist, den man ja auch bereits anderen zur Verfügung stellt. Dagegen hab ich doch nicht das Geringste. Ich sehe nur nicht ein, dass auch noch der letzte Alpenfluss zubetoniert werden muß für den Strombedarf anderer Länder. Und ja, der Lauf der Isel ist nicht mehr wie früher als sie den ganzen Talboden einnahm. Das hat auch niemand behauptet. Die Isel wird aber laufend weitmöglichst renaturiert und in einen einigermaßen naturnahen Zustand gebracht. Es geht der Isel derzeit deutlich besser, als wenn sie in ein Pumpspeicherwerk gezwängt worden wäre für den geplanten Stromverkauf nach Italien, sämtliches Leben durch Schwallbetrieb vernichtet worden wäre und die Ufer mit stinkendem Schlamm bedeckt wären. Was Pumpspeicherwerke mit Flüssen anstellen kann ich ihnen gerne am Engadiner Inn zeigen. Mit sauberer umweltfreundlicher Energie hat das leider wenig zu tun. Und seien sie versichert, dass wir "Naturschützer" uns genug Gedanken machen über Energiesparen und Umweltschutz, da müssen sie sich als Senf keine Sorgen machen. Aber wir schweifen schon wieder gewaltig ab vom Thema dieses Beitrages! :-)

      senf

      ach herr meyer, machen sie sich doch nicht lächerlich. die alten fraßen von zubetonieren eines und letzten alpenfluss und dergleichen glaubt ihnen ja doch niemand mehr. auch das wenn und aber ist so überflüssig, wie das niedrige neveau, dass ihnen an mir so lust macht.

      die renaturierung der isel ist nicht das verdienst der naturschützer, dafür gibt es fachleute im BBA in der umweltabteilung und in landschaftsplanungsbüros, für deren konzepte der bund, das land die gemeinden und auch die eu gelder bereitstellt. und sie machen das nach ihrem wissensstand vorbildhaft.

      versuchen sie endlich realistische szenarien und vorschläge aufzuzeigen, die unserer umwelt dienlich sind. ihren kindern und enkeln zu liebe.

baur.peter

mimimimi solang frauen ihre energie ins jammern investieren, hält sich mein mitleid in grenzen. auserdem steht die menschheit an einem wendepunkt, höher schneller weiter war gestern, in der zukunft sollten andere maßstäbe gelten, um auf dem planeten zu bestehen.

Anna Maria Kerber

Je höher man "Maria " hinaufhebt, desto tiefer fallen die Frauen in der Realität. Das drängt sich auf, wenn man an den "Hohen Frauentag" denkt, an dem groß teils Männer geehrt werden.

Man könnte sich die Ehrung einmal ganz anders VORSTELLEN: Zum Beispiel würde Marianne Götsch, die Josef Geisler ein "widerwärtiges " Luder nannte, geehrt, weil sie sich nicht den Mund von einem Landesrat verbieten ließ und sich für die Umwelt einsetzt. Patriotisch im Einsatz für Tirols Gewässer und mutig, würde sie der Landeshauptmann nennen, während er ihr eine Ehrung überreicht. Seinen Vize hätte er - ohne zu zögern - mit der Zustimmung der Frauen aller Parteien, sofort entlassen. Natürlich hätte er sich massiv gegen die verschlechternde Mindestsicherung, die vor allem Frauen betrifft, gewehrt, ebenso wie gegen die Familienbeihilfe Indexierung, weil er die Helferinnen aus dem Osten, die wir so dringend brauchen, wirklich unterstützen will. Die Wertschätzung für Pflegeberufe hätte er mit einer Gehaltserhöhung, statt einer einmaligen Bonuszahlung durchgesetzt. Damit einhergegangen wäre eine harte Kritik am Kurs von Bundeskanzler Kurz, ...

Leider nur eine Vorstellung!

    Chronos

    Bumm hat´s gemacht, Frau Kerber und dann sind Sie aus dem schönen Traum unsanft aufgewacht! (-Ironie Ende)

    Glauben Sie, dass Platter, Geisler und Co, auch die Frauen in der Tiroler Landesregierung miteingeschlossen, aus Ihrer Vorstellung nur ansatzweise auf diese Ideen für eine Ehrung am „Hohen Frauentag“, kommen würden?

    Warum haltet Platter an seiner Regierungsmannschaft fest? Ich ärgere mich geradezu über Ingrid Felipe, Patrizia Zoller-Frischauf, Beate Palfrader und Gabriele Fischer, die eine Veränderung bewirken könnten. Aber nein, was machen sie? Seit Jahren nicken, oder nichts hören! Und ja nicht gegen die Patriarchen aufmucken!

    senf

    frau kerber, sie meinen also, dass der repräsentant eines landes leute ehren sollte, die sich lautstark protestierend in gesetzliche verfahrensabläufe einmischen und damit letztendlich den rechtsstaat in frage stellen wollen?

      Anna Maria Kerber

      Wo genau stellen diese lautstark protesierenden Gruppen den Rechtsstaat in Frage?

      senf

      frau kerber, stelle sie sich bitte nicht dumm.

      wenn jemand ein wasserkraftwerk errichten will durchläuft sein projekt mehrere gesetze, nach denen dann eine interessensawägung die genehmigung oder ein versagen für das vorhaben erfolgt. per bescheid! bis zu dieser entscheidung werden gutachten, konzepte und nachweise mit bedingungen und auflagen erarbeitet, parteilstellungen abgegeben und anderes mehr. man nennt das dann ein verfahren. das passiert in ähnlicher weise auch bei häuslbauern, gewerbevergabe, eigungsverfahren u. a. m.

      für das das kraftwerksprojekt "tumpen" im ötztal läuft das genehmigungsverfahren bereits jahre lang, weil insbesondere der wwf laufend die verfahrensabschnitte - trotz positivem gutachten eines experten des wwf - mit beschwerden beeinsprucht.

      eine die das mit leidenschaft tut - so mein eindruck - ist die "naturschutzexpertin" frau marianne goetsch, die sich am landhausplatz lautstark gegen das vorhaben gestellt hat. ihre meinung mit teils emotional aus der luft gegriffenen und auch mehrere widersprüchlichen argumenten lassen sich auch im Riff-Flussreporter nachlesen. "Naturschützer fürchten um einzigartigen Gletscherfluss, Kajakfahrer um weltberühmte Paddel-Strecke, Anrainer um ihre Sicherheit". wer sich ein wenig mit dem projekt befasst hat, kommt zu anderen schlüssen. aber egal.

      sie schlagen frau goetsch, die nach ihrem ungebremsten und lautstarken redefluss (video) am landhausplatz zur ehrung durch den LH vor?

      für mich eine eigenartige ansicht, zumal der wwf erst kürzlich dem land in fragen naturschutz als gutachter eine absage erteilt hat. dort will wohl niemand verantwortung übernehmen rieche ich. ich verstehs, denn lautstark gegen spielregeln im staat zu arbeiten ist doch einfacher.

      übrigens: um den herrn sonntag, der alljährlich als wwf-vertreter der isel einen besuch mit pressegschichtln abstattete, ist es ruhig geworden. warum? er hat einen lukrativen job vom land tirol bekommen.

      frau kerber, hab ich ihnen nun zufriedenstellend geholfen?

      Hans Mayer

      Lieber Herr "senf", durch unzählige Postings haben sie uns jetzt hinlänglich gezeigt, dass sie ein bedingungsloser Verfechter der Wasserkraft ohne jegliche Rücksichtnahme auf die Natur sind. Das ist ihr gutes Recht, so wie es unser Recht ist, für den Erhalt der letzten noch intakten Flussjuwelen zu kämpfen und uns für Alternativen einzusetzen. Dass es uns Naturschützern nicht um die Ablehnung der Wasserkraft an sich geht, sondern darum, dass man zumindest noch ein paar wenige ursprüngliche Flussstrecken für unsere Kinder erhält, sollte man bei aller Naturschutzbasherei nicht vergessen. Sie mögen als Verfechter der Flussverbau Betonlobby das Benehmen des Herrn Geisler für gut heißen, ich fand es wie viele anderen auch als weit unter der Gürtellinie. Auch die Art wie sie Frau Kerber angehen, ist nicht der Stil, in dem Diskussionen statt finden sollten. Frau Kerber stellt sich nicht dumm, sie liebt die Natur und will zumindest noch ein wenig an naturnahen Flüssen für unsere Nachkommen erhalten. Das sollte eigentlich ein Grundanliegen von uns allen sein. In diesem Sinne!

      Franz Brugger

      Senf solidarisiert sich mit dem Senf der derzeitigen Tiroler Landespolitiker, 😂

      S-c-r-AT

      Senf, dieses Mal muss ich Ihnen recht geben.

      Die Schizophrenie des derzeitigen Umweltschutzes ist nicht mehr nachvollziehbar.

      Des CO2 wegen wird massiv die E-Mobilität gefördert. Die altbekannten Probleme wie Akkuherstellung, Ressourcenbeschaffung, Entsorgung,.... will ich gar nicht zur Diskussion bringen. --> Umweltschützer jubeln

      E-Mobilität fordert elektrische Energie. Thermische Kraftwerke scheiden aus, Nuklearenergie ist hoffentlich für niemanden eine Alternative. Billiger Strom aus dem Ausland scheidet aus, weil gar nicht kontrollierbar. Wasserkraft ist die einzige Alternative, die wird aber von jenen jubelnden Umweltschützern wieder abgewürgt.

      Lösungen bringen diese Umwelschützer aber keine.

      Kommt mir hier bitte auch nicht mir Fotovoltaik. Das geht im kleinen Stil, Grundlast lässt sich damit aber keine bewerkstelligen.

      Herrn Geislers Aussage ist inakzeptabel, gar keine Frage. Frau Götsch hätte einfach die rechtlichen Schritte einleiten sollen, die für so einen Fall vorgesehen sind. Diese Heiligsprechung der Frau Götsch ist nicht angebracht.

      Hans Mayer

      Dumm, schizophren, was sich nicht alles so leicht im Schutze der Anonymität sagen lässt! Mich freut es, dass die meisten der ach so schlimmen Naturschützer so ziemlich alle den Mut und das Rückgrat haben, ihre Meinung unter ihrem Klarnamen zu äußern. Und noch etwas, statt zu polemisieren setzen wir lieber auf Tatsachen. Derzeit fahren in Tirol ca 2900 Elektroautos. Tirol erzeugt seit 2008 kontinuierlich erheblich mehr Strom als es verbraucht, das ist ganz einfach eine Tatsache. Mit der Überproduktion alleine im Jahre 2017 könnten neben den bereits versorgten 322447 Tiroler Haushalten weitere 86981 Haushalte oder weitere 166793 Elektroautos versorgt werden. Wo sehen sie also den dringenden Bedarf weitere Naturschätze zu zerstören? Außer die sehr starke Tiwag Betonlobby mit Aufträgen zu versorgen. Leider sitzen im Tiwag Aufsichtsrat Betonbauer und keine Hersteller von Solaranlagen, sonst sähe es auf Tirols Dächern längst anders aus. Und zum Schluss, in dem Beitrag oben ging es eigentlich um Geschlechterdemokratie und politische Kultur. Wobei Diskussionskultur auch noch ein Thema für einen Beitrag sein könnte. Sich zu informieren statt zu polemisieren wäre da so ein Punkt. Die Daten oben sind übrigens jederzeit und für jedermann auf der Homepage der Tiroler Umweltanschaft nachzulesen.

      S-c-r-AT

      @ Hans Mayer

      Laut Wikipedia betrug der Wasserkraftanteil im österreichischem Strommix im Jahr 2018 gerade mal 59%. Wo sehen Sie hier eine Überproduktion? Weiters ist es bekannt, dass Spitzenstrom aus dem Ausland billiger importiert wird, als er durch Aktivieren vorhandener Infrastruktur (Speicherkraftwerke) erzeugt werden kann.

      Österreich besteht nicht aus der Tiwag allein. Überschüssige Energie (wenn es die überhaupt gibt) wird ins Verbundnetz eingespeist und dort verwertet.

      Solange Strom importiert werden muss, kann es keine Überproduktion geben.

      Wie ich bereits geschrieben habe: Wenn Sie Alternativen haben, scheuen Sie sich nicht, diese hier auch zu erwähnen.

      Hans Mayer

      S-c-r-AT: Und fröhlich gehts weiter mit der Polemik. Erst mal lesen, das bringt ganz einfach Sachlichkeit in die Diskussion: https://www.tiroler-umweltanwaltschaft.gv.at/naturschutz/tiroler-fliessgewaesser-unter-strom/ Und dann posten! Es macht nur Sinn zu diskutieren, wenn Tatsachen anerkannt werden. Und sorry, erstmal diskutieren wir hier über die unsäglichen Zustände in Tirol und dann gerne Österreichweit, Weltweit....

      S-c-r-AT

      @ Hans Mayer Wo orten Sie in meinem Posting Polemik?

Chronos

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    miraculix

    Finde ich auch! Allerdings fürchte ich, dass die Anzahl der Leser*innen dieses Beitrags nicht in der Bestenliste aufscheinen wird. Nicht für jede*n ist die Wahrheit etwas, was sie / er lesen oder wissen will ...

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