Kamera Mann
Kamera Mann
Es hat sich längst herumgesprochen: James Bond kommt nach Osttirol! In wenigen Wochen beginnen die Dreharbeiten. Die Drehorte sind festgelegt, die Filmkulisse wurde zum Teil bereits aufgestellt, die Statisten werden ausgesucht. So manche dürfen hoffen, einen Blick auf den Bond-Darsteller werfen zu können.

Ein Lienzer, der „James Bond“ schon vor Jahren persönlich getroffen hat, sitzt derweilen in Prag und arbeitet an anderen Dingen. Immerhin hat er den Schauspieler nicht nur kurz gesehen, sondern mit ihm gearbeitet. Nein, nicht mit Daniel Craig, sondern mit dem, den viele als den einzig wahren James Bond anerkennen: Sean Connery. Seitdem lacht dieser mit einer persönlichen Widmung von der Website des Lienzer Kameramanns.

Dabei war Connery bei weitem nicht der einzige Hollywoodstar, dem Klaus Fuxjäger bei seiner Arbeit begegnet ist. Jacqueline Bisset, Heath Ledger, Hugh Jackman, Vin Diesel, Colin Farrell und Bruce Willis sind nur einige der bekannten Namen, deren Schauspiel der Kameramann für die Kinoleinwand festgehalten hat. Die Filmliste liest sich mit Titeln wie Van Helsing, A Knight’s Tale, Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, Blade 2 ebenso prominent wie die Namen der Regisseure, deren Ideen er bis heute in Bilder umgesetzt hat, allen voran Guillermo del Toro, Wayne Wang, Jiri Menzel oder Ivo Trajkov.

Spricht man Klaus Fuxjäger darauf an, winkt er ab. Das sei Anfang des Jahrtausends gewesen, fast nicht mehr der Rede wert. Seitdem hat er sich auf den europäischen Film spezialisiert. Ein breites Grinsen breitet sich dann aber doch auf seinem Gesicht aus. Ebenso wenig beeindruckt zeigt er sich von den Preisen, die er bei Filmfestivals gewonnen hat. Am ehesten erfolgt eine Gefühlsregung, wenn man ihn auf The Third Half anspricht, den mazedonischen Film, mit dem er es auf die sogenannte Shortlist für eine Oscar-Nominierung geschafft hat. Das war vor zwei Jahren. Seitdem hat sich viel verändert. Der europäischen Filmbranche geht das Geld aus. Was in Österreich immer wieder zu lesen ist, stimmt für die gesamte europäische Branche: zu wenig Geld, zu große Konkurrenz. Hin und wieder ein Highlight, das es in die Medien schafft, doch die Hollywood-Produktionen überwiegen auf dem Markt. Seien wir ehrlich, wer würde in Osttirol monatelang wegen dem Bergdoktor in Aufregung geraten? Da wirkt James Bond schon eher sexy.

Klaus Fuxjäger seufzt, wenn man ihn darauf anspricht, und zuckt mit den Schultern. Es ist eine schwierige Phase, nicht mehr als das. Die Firmen, für die er in den letzten Jahren Werbespots gedreht hat, lesen sich ebenso renommiert wie die Liste der Hollywoodstars. Olympus, UniCredit, Harley Davidson, Panasonic, Tuborg, aber auch Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace oder die Diakonie befinden sich darunter.

Die Cinecittà veränderte alles

Eigentlich hatte der Lienzer ganz andere Pläne. Nach dem Gymnasium ging Klaus Fuxjäger zum Studieren nach Leoben. Damals war die Fotografie nur ein Hobby. Ein Besuch in Roms berühmter Cinecittà, wo Rossellini, Visconti und Fellini ihre Filme drehten, blieb nicht ohne Folgen. Plötzlich war dem Studenten klar, dass er einen neuen Weg gehen wolle. So blieb er in Rom und arbeitete an verschiedenen Filmproduktionen mit. Kleine Jobs waren es zunächst, sagt er, ehe er sich zum Studium an der bekannten römischen Filmschule Centro Sperimentale di Cinematografia anmeldete. Nach einigen Jahren wechselte er an die FAMU in Prag, wo er 1998 sein Studium als Kameramann abschloss.

Die Besonderheit liegt in einer außergewöhnlichen Präzision, die keinen Zweifel daran lässt, dass es der Zuschauer in jedem Moment mit der Wirklichkeit zu tun hat.

Prag war keine zufällige Wahl. Damals war es „die“ Filmstadt Mitteleuropas. Wenn Filme in anderen Städten, etwa Wien, spielen sollten, bot Prag die geeignete und vor allem viel billigere Kulisse. Kaum eine andere Stadt bot so viele internationale Produktionen und dementsprechend Arbeit für Filmstudenten. Der Glamour der Filmwelt hat den Lienzer dabei wenig interessiert. Sein Interesse gilt bis heute der Visualisierung von Filmgedanken.

Seine Kameraarbeit zeichnet sich durch eine wundersame Mischung aus Klarheit und Märchenwelt aus. Stets wirken die Szenen, als würden Tiger fliegen können und Elfen durch den Raum schweben. Seine Bilder verzaubern, ohne dass ihnen auch nur der geringste Hauch von Kitsch anhaften würde. Eher wirken sie wie das Sonnenlicht nach dem Regen, wenn alles glänzt, strahlt und die Kontraste besonders deutlich werden. Die Besonderheit liegt in einer außergewöhnlichen Präzision, die keinen Zweifel daran lässt, dass es der Zuschauer in jedem Moment mit der Wirklichkeit zu tun hat. Auch wenn diese nur Fantasie sein mag.

Familie Fuxjäger im April 2014. Katerina mit Alma und Klaus mit Klara.

Neue Wertigkeiten

Fuxjägers Geheimnis offenbart sich erst bei genauerem Hinsehen: Es ist das Spiel mit Licht und Schatten, das Gegenstände wie Menschen von innen heraus leuchten lässt. Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Er hat dabei von einem anderen Tiroler gelernt, dem großen Kameramann Christian Berger, dessen Lichtsystem die Kameraarbeit revolutioniert hat, auch wenn sich das in seiner Heimat noch nicht herumgesprochen haben mag. Beiden Kameramännern ist ihre außergewöhnliche Präzision gemeinsam. Ein Mal allerdings konzentrierte sich Klaus Fuxjäger zu sehr auf das Einfangen seiner Bilder: Im Jahr 2008 stürzte er, während er mit einer Handkamera einen Schisprung-Stunt hinlegte. Die Zertrümmerung seines Knies und ein Monat Krankenhaus waren die Folge. Ein Jahr lang musste er mit Krücken gehen. Arbeitsunfall, sagt er heute lakonisch dazu. Mit dem Sturz aus der Bergwand fiel er auch aus dem Filmhimmel. Mühsam, und im wahrsten Sinne schrittweise, musste er sich wieder an das Gehen und später an die anstrengende Filmarbeit gewöhnen.

Seitdem haben sich einige Wertigkeiten im Leben des Kameramanns verschoben. So sehr er seine Arbeit nach wie vor liebt, so sehr gilt seine Leidenschaft nunmehr seiner Familie. Doch während er das sagt, leuchten diese Augen, die so genau wissen, wie man ein Drehbuch in außergewöhnliche Bilder umsetzt. Die Passion ist noch immer da und das nächste Filmprojekt wartet bereits.

Credits
  • Autor: Daniela Ingruber
  • Fotografie: Privat
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