Neue Wege durch ein
altes Paradies
Neue Wege durch ein altes Paradies
Der Zedlacher Lärchenwald wird noch märchenhafter.

Ein Baum, der 600 Jahre alt ist, war jung zu einer Zeit, als Leonardo da Vinci und Michelangelo ihre Werke schufen, als Kopernikus unseren Platz im Universum erkannte und Gutenberg den Buchdruck erfand. Die Lärchen im „Zedlacher Paradies“ sind zum Teil 600 Jahre alt. Und Zedlach selbst, die Ortschaft auf 1 260 Metern Seehöhe über dem Iseltal, ist sogar noch älter. In wenigen Jahren, 2020 um genau zu sein, kann Zedlach einen runden Geburtstag feiern. Dann wird es tausend Jahre her sein, seit es als Cetulic erstmals urkundlich erwähnt wurde. An einem solchen Ort und in einem Kulturwald wie dem Zedlacher Paradies verändert man nichts ohne Bedacht. Hier ist alles organisch gewachsen, über die Jahrhunderte und soll auch noch hunderte Jahre nach unserer Zeit einen Hauch von Paradies vermitteln, mit der Farbenpracht der Lärchen und ihrem unvergleichlichen Duft.

Seit 1998 gibt es im Zedlacher Paradies einen „Waldlehrpfad“, der durch den Matreier Künstler Erich Trost zum Skulpturenpark und damit zu etwas ganz Besonderem wurde. Trosts überdimensionale Tierwelt aus Metall macht diesen lichten Märchenwald noch märchenhafter und zu einer Erkundungslandschaft, über die man gerne an sieben Stationen mehr erfährt.

Bis zu 600 Jahre alte Bäume stehen im „Zedlacher Paradies“ hoch über dem Iseltal.

Ab dem Sommer 2016 geht man behutsam neue Wege im alten Paradies. Unter Federführung des Nationalparks Hohe Tauern werden die Figuren Trosts und die bestehenden Informationen über Flora und Fauna durch eine neue Eintrittspforte ergänzt, Lehrwege mit besseren Orientierungsmöglichkeiten versehen, Hörstationen eingerichtet und einige Attraktionen geschaffen, die eigentlich immer schon hier waren, jetzt aber mehr Aufmerksamkeit erhalten.

An einem alten Baum, der umgefallen ist, werden Klettergriffe montiert und schon entsteht ein neues, natürliches Spielgerät für Kinder. Ein Feuchtbiotop wird in den Lehrweg eingebunden und bereichert die Zahl der zu bewundernden Spezies um Frösche, Libellen und andere Besonderheiten der Flora und Fauna.

Seit 1998 führt ein Waldlehrpfad durch das Zedlacher Paradies. Heuer im Sommer präsentiert er sich runderneuert und noch informativer für Besucher jeden Alters.

Die Zedlacher selbst hatten angeregt, nach fast zwei Jahrzehnten ihren Lehrweg mit frischen Ideen zu neuem Leben zu erwecken. Der Kärntner Tourismus-Experte Eckart Mandler entwickelte ein Konzept für eine sanfte Tourismusinitiative im besten Sinn. Der Nationalpark Hohe Tauern wurde als Umsetzungspartner gewonnen und integriert den neuen Weg in sein umfassendes Konzept der Naturvermittlung. Gemeinsam mit dem Regionsmanagement wurde ein „Leaderprojekt“ eingereicht, im Klartext ein Konzept zur Lukrierung von EU-Geldern, die auch tatsächlich flossen. „Es gab zunächst Bedenken, dass die Grund- und Waldbesitzer nicht zustimmen könnten“, erzählt Peter Gruber, Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung. Immerhin führe der Lehrweg durch einen Wirtschaftswald, in dem auch Holz gewonnen und Vieh geweidet werde.

Die Grundbesitzer und Bauern wurden also zur Mitarbeit eingeladen – und waren begeistert. „Da hat sich eine echte Leidenschaft entwickelt und viele gute Ideen sind entstanden“, erzählt Gruber. Zedlach selbst wird über eine neue Besucherlenkung besser als bisher an das „Paradies“ angebunden, das man über einen romantischen Hohlweg zwischen steinernen Mauern erreicht. „Wir möchten, dass die Leute in Zedlach bleiben und von dort aus den Lehrweg erleben“, erläutert Gruber und hat auch schon einen Eröffnungstermin: „Vor Schulschluss Ende Juni wollen wir fertig sein, damit schon die Kinder bei den Schulausflügen das neue Paradies erleben können.“

Credits
  • Autor: Gerhard Pirkner
  • Fotografie: Wolfgang C. Retter
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