Schi
wie Schießen
Schi wie Schießen

Einst waren die Jäger im hohen Norden noch auf Holzlatten, mit Pfeil und Bogen auf der Pirsch unterwegs, heute jagen hochtrainierte Athleten auf modernsten Langlaufskiern, mit Kleinkalibergewehren Weltcuppunkten und Ruhm hinterher. Der Zweck hat sich geändert, die Idee ist dieselbe. Eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Biathlon ist wieder modern.

Dieser Trend blieb auch uns, fünf jungen Leuten aus Osttirol, nicht verborgen und so begaben wir uns auf den Weg, den zunehmend populärer werdenden Sport auszuprobieren. Obertilliach macht’s möglich. Das Langlauf- und Biathlonzentrum im kleinen Wintersportort im Osttiroler Lesachtal bietet eine hervorragende Möglichkeit, den Sport mit Schiern und Waffe zu testen. Für Anfänger, Interessierte oder Gäste wird regelmäßig der Kurs „Faszination Biathlon“ angeboten. Auch wir sahen darin den ersten Schritt, der Sportart zu begegnen.

Bereits vor dem Kurs stimmten wir uns mit einer weitläufigen Aufwärmrunde ein. Auf Teilen der „Schwalenrunde“ und der „Dorfrunde“ zogen wir bei strahlendem Sonnenschein unsere Spuren in den Schnee, allein auf weiter Flur durch eine malerische Winterlandschaft, vorbei an den bekannten „Tillga Schupfn“. Auf dem Weg über die optimal präparierte Piste zog eine kleine Schanze unsere Aufmerksamkeit auf sich. Langlaufen und Schießen – warum nicht auch Schispringen? Diese Gelegenheit wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen – mit bescheidenem Ergebnis. Fünf Starts, fünf Bruchlandungen. Und eine Riesengaudi! Letztlich blieben wir doch beim Langlaufen.

Nach dieser ungeplanten Aktion liefen wir in mehr oder weniger flottem Skating-Schritt zurück zum Zentrum, wo uns bereits zwei kundige Einheimische erwarteten. Matthias Scherer, Bürgermeister von Obertilliach, und Bernhard Scherer begleiteten uns zum Schießstand, jenem Ort, der aus Langlaufen Biathlon macht. Vor dem Schießtraining gab es einen kurzen Geschichtsunterricht: „Früher wurde noch über den Bach geschossen. Diverse Bestimmungen der IBU (Internationale Biathlon Union) haben dann eine Verlegung notwendig gemacht.“ Verwendet werden am Schießstand Kippscheiben, die in 50 Metern Entfernung zu den Schießmatten positioniert sind, erklärte uns Scherer: „Aufgrund der großen Frequenz im Winter haben wir uns für Kippscheiben entschieden. Sie sind erheblich einfacher in der Wartung und erfordern weit weniger Technik als Drehscheiben.“

„Mission impossible“ heißt es bei unseren Schisprungversuchen.
Dann geht es in tiefer Hocke die bewältigten Höhenmeter wieder hinunter.
Nach der kurzen Technik-Einschulung durch Bürgermeister Scherer geht es los.
Alina übt mit Bernhards Unterstützung die ersten Schüsse. Die Position passt perfekt, die Konzentration auch, nur mit dem Treffen klappt’s noch nicht immer.
Volle Konzentration beim Anschlag.
Bei erfrischenden Getränken in der warmen Wintersonne lassen wir den anstrengenden Tag noch einmal Revue passieren. Die Beteiligten (v. l.): Mario, Sarah, Sara, Alina und Simon.

Nach der Theorie bekamen wir langsam Lust auf mehr – auf die Praxis. Wir wollten endlich schießen! Gespannt blickten wir auf das, was sich hinter den beiden Experten befand: Zwei Kleinkalibergewehre und eine Menge Munition vom Kaliber 5,62 mm standen bereit. „Die Gewehre sind auf 250 Meter tödlich“, wurden wir gewarnt. Also galt für den Einsatz besondere Vorsicht. Es begann mit dem „Liegendanschlag“. Anfänger dürfen auch aus dieser Position auf die größeren Scheiben mit 11,5 cm Durchmesser schießen, die sonst nur für die Stehendschützen gedacht sind. Das Ergebnis war dementsprechend ermutigend. Durch die Bank hatten wir mäßige bis gute Erfolge zu verzeichnen – definitiv ein annehmbarer Start.

Um uns in die Lage eines Wettkampf-Athleten hineinzuversetzen, ging  der zweiten Schusseinheit eine kurze Phase körperlicher Anstrengung voraus, was einen erhöhten Puls zur Folge hatte. Jetzt dämmerte uns langsam, was es heißt, Biathlon professionell zu betreiben. Durchschnittlich fand plötzlich nur noch ein Schuss seinen Weg ins Ziel und dabei schossen wir auf die größeren Scheiben. „Simon Eder, österreichischer Spitzenbiathlet, benötigt 22 Sekunden für einen gesamten, meist erfolgreichen Anschlag“, ließ uns Scherer wissen. Wir brauchten mehrere Minuten,  um ein paar Schüsse ins überdimensionierte Ziel zu bringen. Natürlich versuchten wir auch das Schießen im Stehen und im Liegen auf die passenden Scheiben mit 4,5 cm Durchmesser. Ein paar erfahrene Biathleten gaben uns im Vorbeilaufen Insidertipps.

Nach dem Abenteuer Biathlon kehrten wir noch ins Gasthaus „Im Zentrum“ ein. Hier hat man von der Terrasse den perfekten Blick auf Schießplatz und Loipe. So kann man den Profis wortwörtlich auf die Finger schauen. Mit etwas Glück – das wir leider nicht hatten – ist Obertilliach-Stammgast Ole Einar Björndalen darunter, ein Jahrhundert-Biathlet. Beim Biathlon treffen Ausdauersport und Präzision zusammen, Elemente, die den Sport für den Zuschauer und auch für die Athleten attraktiv machen. Auch uns hat diese Kombination fasziniert und viel Spaß gemacht. Jetzt haben wir auch keinen Grund mehr, James Bond zu beneiden, wissen wir doch nun aus Erfahrung, wie es sich anfühlt, im kleinen Wintersportort Obertilliach eine Waffe abzufeuern! Der eine oder andere von uns wird sicher auch künftig den Weg in das „hölzerne Dorf“ finden und wer weiß, vielleicht werden sogar noch einmal richtige Biathleten aus uns. Schließlich beginnt alles mit dem ersten Schritt – und der wäre getan.

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