Wilder die Glocken
nie klingen...
Wilder die Glocken nie klingen...
...als in der Krampuszeit. Und zwar nicht irgendwelche Glocken, sondern von Hand geschmiedete. DOLOMITENSTADT besuchte Rudl Duregger und schaute dem Schmied bei der Herstellung einer echten Krampusglocke über die Schultern.

Lange bevor die ersten Glocken gegossen wurden, wurden sie geschmiedet. Seit Tausenden von Jahren stellt man die klingenden Gefäße mit Hammer und Amboss her. Schon immer wurde ihnen eine magische Bedeutung zur Abwehr unheilbringender Kräfte zugesprochen – ihr Läuten bedeutet trotzdem nicht automatisch Gutes: Besonders Kirchenglocken dienten auch dazu, die Bevölkerung vor einer herannahenden Gefahr zu warnen. Ein Brand, ein Sturm, ein feindlicher Angriff – die Kirchenglocken versetzten die Bür-ger in Alarmbereitschaft. Auch der Winter mit seinen dunklen Gestalten wird „ausgeläutet“ und durch den Glockenklang vertrieben. Doch eine dieser dunklen Wintergestalten ist es selbst, die ausgerechnet durch das Scheppern ihrer Glocken Furcht und Schrecken verbreitet. Schon lange bevor die imposante Gestalt des Krampus zu sehen ist, löst sein höllischer Lärm Furcht und Panik aus.

Einige dieser Krampusse erhalten ihr lautes Equipment von Rudl Duregger. Im Alter von siebzehn Jahren schmiedete der traditionsbewusste Lienzer seine erste Glocke, bis heute hat er schon viele Krampusse ausgestattet. Gegenüber den gegossenen Glocken haben geschmiedete einen großen Vorteil: Sie sind sehr viel leichter als ihre gegossenen Gegenstücke und brechen auch nicht.

Was hier mit der Flex bearbeitet wird, wird einmal eine echte Krampusglocke.

Rudl heißt eigentlich Stefan, erst sein zweiter Vorname lautet Rudolf. Weil aber sein Vater, Großvater und Urgroßvater ebenfalls diesen Namen tragen, wurde auch aus ihm bald der „Rudl“. Eigentlich war es gar nicht sein Ziel, in der elterlichen Schmiede zu landen, über Umwege fing der junge Rudl aber dann doch eine Schmiedelehre an und bald gefiel ihm die Arbeit. Nicht jeder kann von sich behaupten, mit eigenen Händen aus einem einfachen Flacheisen einen Kerzenständer herstellen zu können. „Freilich war es anfangs oft nicht einfach“, meint Rudl über die Zusammenarbeit mit dem Vater, inzwischen verstehen sich die beiden aber.

Mit acht Jahren ist Rudl selbst zum ersten Mal Krampus gelaufen und blieb dann insgesamt fünfzehn Jahre lang dabei. Den Krampusbrauch findet er immer noch „volle cool“, überhaupt mag der Schmied das Brauchtum im Allgemeinen, freut sich aber auch über neue Einflüsse. Er spielte zehn Jahre lang in der Musikkapelle das Waldhorn, sein Vater war lange Schützenhauptmann. Die Schützen seien für ihn aber kein Thema. Rudl lächelt verschmitzt. Er war Zivildiener und damit habe sich das für ihn erledigt.

„Es war nicht immer leicht.“ Jetzt verstehen sich Rudl und Rudl aber blendend.

Rudl ist stolzer Osttiroler und liebt seine Heimat. Osttiroler zu sein habe auch Vorteile, erzählt er. Vor Jahren besuchte er einen Freund in Wien und auf dem Weg dorthin entdeckte er zufällig eine Schlosserei, die gerade auf der Suche nach einem neuen Mitarbeiter war. Kurzerhand ging er ohne Vorankündigung, ohne jegliche Papiere und noch dazu im „legeren“ Outfit zum Vorstellungsgespräch. Der Schlossereibesitzer war gleichzeitig amüsiert und empört. Schon drauf und dran, den überraschenden Besucher vor die Tür zu setzen, erfuhr er dann von dessen Osttiroler Herkunft. Sofort hätte er mit der Arbeit beginnen können. „Osttiroler zu sein ist wie ein Empfehlungsschreiben“, meint Rudl dazu.

Jahrelang ging er auswärts Mastensteigen, doch jetzt freut sich der osttirolverbundene Rudl, daheim zu sein. Das Feuer und die schweißtreibende Handarbeit, die mit dem Schmieden einhergehen, liebt er, doch mittlerweile schmiedet Rudl nur noch zu seinem Vergnügen. Er liebt nämlich auch das Wasser. Und diese Liebe kann er als Raftingguide ausleben. Auch das ist harte Handarbeit, bei der man ins Schwitzen kommt.

Wie ein Puzzle lassen sich die Teile der Glocke zusammensetzen.

Aber wie schmiedet man jetzt eigentlich so eine Glocke? Zunächst braucht man ein bis zwei Millimeter dickes Schwarzblech. Aus dem Eisenblech – Messing wäre viel zu teuer – wird die Glocke getrieben. Rudl legt die Schablonen auf – diese hat er von seinem Vater. Vor über vierzig Jahren wurden sie gefertigt und sind seither beim Glockenmachen im Einsatz. Mit Hilfe eines Plasmaschneiders werden dann die sogenannten Wangen und ein Keil ausgeschnitten.

Dann müssen die Ränder entgratet und die Form vorgepresst werden. Sie wird ausgehämmert, damit der Ton später besser schwingen kann. Die Teile werden mit der Flex zugeschnitten und angepasst, dann kann Rudl sie an den Enden zusammenschweißen. Die Eisenreste verarbeitet er zum Klöppel. Rudl macht ihn aus einem Stück, es gibt aber auch welche, die aus mehreren Teilen zusammengesetzt werden. Am Ende wird die Glocke noch mit Goldlack bemalt, dann ist sie auch schon einsatzbereit.

Weit fehlt es nicht mehr. Rudl hat die drei Teile jetzt zusammengeschweißt. Es braucht noch Farbe und einen Klöppel, dann ist die Glocke einsatzbereit.

Jede Glocke hat einen eigenen, einzigartigen Klang. Rudl macht seine Glocken verschieden groß, doch selbst wenn alle die gleiche Größe hätten, die Klänge würden sich trotzdem unterscheiden. Manche Krampusse kombinieren größere und kleinere Glocken, das ist bei allen unterschiedlich – Geschmackssache eben. Seine eigenen Glocken würde Rudl überall wiedererkennen – ihre Form macht sie einzigartig.

Credits
  • Autoren: Evelin Gander / Sigrid Unterwurzacher
  • Fotografie: Miriam Raneburger
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