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Der Hochstein ist tot. Es lebe der Hochstein!

Von Gerhard Pirkner, Samstag, 9. Juli 2011

Ein Kommentar von Gerhard Pirkner.

 

Klaus Hofstätter, Vorstand der Lienzer Bergbahnen AG. Foto: Brunner Images

Klaus Hofstätter ist ein offener Mensch. Der neue Chef der Lienzer Bergbahnen spricht im Dolomitenstadt-Interview freundlich und glasklar eine Wahrheit aus, die weder seinem Vorgänger Andreas Kleinlercher noch dessen Arbeitgebern in Stadt und Tourismusverband je über die Lippen kam: es wird keinen Ausbau des Lienzer Hochstein-Skigebietes mehr geben. Nicht demnächst und auch nicht in Zukunft.

 

Reine Utopie, sagt der neue Manager und rechnet vor, dass ein Lift noch keinen Sommer oder Winter macht. Da müssten neue Pisten her, ein größerer Parkplatz, noch mehr Beschneiung. Gut zwei Dutzend Millionen Euro würde das kosten. Mindestens! Und mehr Betten würde man obendrein brauchen, viel mehr Betten, möglichst gefüllt mit viel mehr Gästen.

 

Das ist tatsächlich reine Utopie. 20 Millionen wurden in den vergangenen zehn Jahren auf dem Zettersfeld investiert, 12 Millionen auf dem Hochstein, mehr als 40 Millionen für die Matreier Lifte, 20 Millionen in Sillian – alles hoch subventioniert mit den höchsten Tourismusbeiträgen des Landes und einer Menge  zusätzlichem Steuergeld.

 

Mehr Gäste sind deshalb nicht gekommen und daran ist nicht nur die chronisch schwache Vermarktung des Bezirkes schuld. Osttirol ist keine Massentourismus-Region und wird auch keine werden. Schultz und “Oschtirodler” hin oder her. Osttirol hatte schon zwei Millionen Nächtigungen, als es all die touristischen Prestigebauten nicht gab.

 

Wertschöpfung durch möglichst naturnahe Qualitäten und Attraktionen heißt in anderen Regionen längst die Devise. Kletterer und Wanderer, Biker und Paddler, Gourmets und Biathleten, Selbstfinder und Seelenbaumler brauchen keine sauteure Achtergondelbahn für 300 Höhenmeter.

 

Der Berg ist das Ziel, nicht der Lift. Und diesen Berg – in all seiner Schönheit und Schroffheit – erobern sich die neuen Touristen gerne im Schweiße ihres Angesichts, auf teuren Spezialrädern und superleichten Tourenskiern, in coolen Klamotten und bei fast jedem Wetter.

 

Wo diese Menschen zu finden sind? Zum Beispiel auf der Hochsteinhütte! Und daran wird sich auch dann nichts ändern, wenn kein 20 Millionen-Lift in die oberen Sektionen des Berges führt. Es lebe der Hochstein!

 

Die neuen Touristen erobern den Berg gern im Schweiße ihres Angesichts. Foto: TVB Lienzer Dolomiten

9. Juli 2011 | Beitrag von: Gerhard Pirkner | Kategorie: Feature, Kommentar | 9 Kommentare

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