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Der Plan der Virgentaler Rechenkünstler

Von Gerhard Pirkner, Dienstag, 20. Dezember 2011

Aus 25.000 sollen 200.000 Euro werden. In 5 Jahren, ohne Risiko.

 

Rechenkünstler auf dem "Virgentaler Weg". Von links: Dietmar Ruggenthaler, Wolfgang Widmann und Anton Steiner.

 

Im Vorfeld eines “Iselforums” präsentierten die Bürgermeister von Virgen und Prägraten, Dietmar Ruggenthaler und Anton Steiner am 19. Dezember den Medien einige Ideen, wie ein 140-Millionen-Iselkraftwerk dazu beitragen könnte, mehr Gäste in das Virgental zu pumpen.

 

Der eingeladene Trendforscher Andreas Reiter vom ZTB Zukunftsbüro schlug ausgerechnet “Wasser” als werbliches Alleinstellungsmerkmal für das Virgental vor, nicht unoriginell vor dem Hintergrund, dass sämtliche Kraftwerksgegner genau dieses wertvolle Gut vor dem Zugriff der E-Wirtschaft schützen wollen.

 

Diskutiert wurde letztlich die Frage, warum die beiden Gemeinden zwar kein Geld für Tourismusprojekte haben, sich aber als relevante Partner an einem Großkraftwerk beteiligen möchten.

 

Eine sprudelnde Geldquelle als Landschaftsaquarell, hoffentlich nicht mit dem Einfaltspinsel gemalt.

Für die beiden Bürgermeister und Wolfgang Widmann, den Geschäftsführer des Projektanten INFRA ist Geld verdienen auch ohne relevanten Mitteleinsatz der Kommunen möglich. Widmann ist das Mastermind hinter einem erstaunlichen Rechenmodell.

 

Nur jeweils 25.000 Euro wollen die Gemeinden Virgen und Prägraten demnach als Gesellschafter in eine Projektgesellschaft einbringen, an der sich mit 50.000 Euro auch die INFRA beteiligt. Bereits 2017 sollen beide Gemeinden je 200.000 Euro zurückerhalten, dann nämlich, wenn das künftige Iselkraftwerk begonnen hat, Energie zu erzeugen.

 

Es würde zwar satte 140 Mio Euro kosten, dieses Kraftwerk zu bauen, aber angesichts zu erwartender jährlicher Millionenerträge stünden potenzielle Finanziers, darunter Pensionsfonds, Schlange, so Ruggenthaler. Also können – die Zustimmung der Bürger und alle behördlichen Genehmigungen vorausgesetzt – 2014 die Bagger auffahren. Die bis dahin auflaufenden Projektierungskosten von rund sieben Millionen Euro streckt die INFRA als Hauptgesellschafterin vor. Sie trägt, nach Aussage von Geschäftsführer Widmann, damit allein das Risiko im Fall eines Flops. Das wäre dann ein “stranded Investment” für die INFRA, die deshalb auch immer mehrere Eisen im Feuer habe.

 

Auf Basis prognostizierter Stromertrags- und Preiskalkulationen errechnet die INFRA rund 22 Jahre Rückzahlungsdauer für die Fremdmittel. Lässt man sich für die Tilgung länger Zeit, kann man sich bei niedrigeren Rückzahlungsraten schon zum Start einen Ertragsanteil genehmigen, konkret jene 200.000 Euro, die Ruggenthaler und Steiner das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

 

In Kurzform: Aus 25.000 werden 200.000 Euro, in fünf Jahren, ohne Risiko für die Gemeinden. Ein Investorentraum. Das Geld soll in die Iselstiftung fließen und sich von dort auf Projekte ergießen, die den Tourismus im Tal zum Erblühen bringen. Das ist der Plan. Wo ist der Haken? Der Haken sind die Bürger. Die wollen nämlich den Fluss in seiner ursprünglichen Natur erhalten und sind weit schwerer zu berechnen als Wassermengen und Kreditzinsen.

20. Dezember 2011 | Beitrag von: Gerhard Pirkner | Kategorie: Feature, Wirtschaft | 6 Kommentare

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