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Im Kriechgang durch´s Einkaufsparadies.

Von Gerhard Pirkner, Mittwoch, 25. Januar 2012

Riesige Parkgaragen baut man nicht für den Citybus.  Ein Kommentar.

 

foto: photocase/benicce

 

 

Am Dienstag, 31. Jänner, wird der Lienzer Gemeinderat eine neue Flächenwidmung für das “Kaufhaus Lienz”, alias M99 beschließen. Nötig ist das, weil unter anderem die Garage des Einkaufscenters größer werden soll als geplant.

 

2008 gab der Südtiroler Projektant des M99 ein Verkehrsgutachten in Auftrag. Die Verkaufsfläche des Centers wurde damals mit 6.940 m2 angegeben, heute sollen es mehr als 8.000 m2 sein. Damals waren 334 Parkplätze für das M99 geplant, 157 davon in einem mehrgeschossigen “Garagenturm” auf dem ehemaligen Greiderer-Gelände. Dieser Plan ist gefallen.

 

Jetzt geht´s unter die Erde. Unter dem Shoppingcenter, aber auch unter der Bundesstraße und dem Greiderer-Areal sollen 400 Parkplätze in einer dreigeschossigen Tiefgarage angeboten werden. Zum Vergleich: die großen Parkplätze auf beiden Seiten der Tirolerstraße fassen vom Bahnhof bis zur Kreuzung Amlacherstraße oberirdisch ca. 460 Autos.

 

Obwohl die Architektur des Kaufhauses Lienz durch den Wegfall eines Bürogeschosses “Verkleinerung” suggeriert, wurden Verkaufsflächen und Stellplätze gegenüber dem Entwurf von 2008 eher ausgeweitet. Wo viele Parkplätze sind, fahren viele Autos hin. Niemand baut zu gewaltigen Kosten eine Tiefgarage, damit sie leer steht. Auch die Hobag AG nicht.

 

Schon 2008 errechneten die Verkehrsplaner – wohlgemerkt im Auftrag der Bauwerber – beeindruckende Zuwächse des Verkehrsaufkommens. Zusätzlich zum heutigen Verkehr müsste die B100 im Bereich der Andreas-Hofer-Straße 220 Fahrzeuge pro Stunde je Richtung als “induzierten Neuverkehr in Spitzenzeiten” verkraften, 3240 neue Kfz-Fahrten pro Tag.

 

Rechnet man mit 1,5 Personen, die im Schnitt in einem Pkw sitzen, wären das 2160 Menschen. Gut 100 Citybusse müssten täglich fahren, um sie alle zu transportieren. In anderen Worten: Ein so großes EKZ wie das Kaufhaus Lienz macht mit einem Schlag alle Bemühungen zunichte, die Pkw-Flut durch Lienz zu reduzieren. Alle City- und Talbodenbusse zusammen könnten nicht einmal den Zuwachs bewältigen, geschweige denn die Situation verbessern.

 

Wer ein Center haben will, bekommt auch den Verkehr dazu. SP-Mandatar Andreas Hofer fordert heute lautstark den Citybus. Am 31. Jänner wird er – vermutlich mit einer Mehrheit der Gemeinderäte – für das Kaufhaus Lienz die Hand heben und damit auch für dramatisch mehr Autoverkehr stimmen.

25. Januar 2012 | Beitrag von: Gerhard Pirkner | Kategorie: Kommentar | 6 Kommentare

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