Vogelexperte kritisiert Kahlschlag

Die Rodung der Bäume entlang der Bahngleise zerstöre wichtige Brutplätze.

Aus Sicherheitsgründen wurden Bäume und Buschwerk gerodet. Foto: Wolfgang Retter

Seit Ende April wurden entlang der Bahnlinie der ÖBB und der parallel verlaufenden Bundesstraße zwischen Oberdrauburg und Nikolsdorf auf einer Länge von 5,5 Kilometern sämtliche Bäume gefällt. Auch die Buschbestände fielen dem Kahlschlag zum Opfer. Ein Umstand, der den Osttiroler Vogelexperten Dieter Moritz zur Verzweiflung treibt. „Da schweres Gerät eingesetzt wurde ist diese radikale Schlägerung mit einer Rodung gleichzusetzen“, wettert Moritz.

Der Vogelexperte kritisiert dabei nicht, dass die Bäume geschlägert wurden, sondern vielmehr den Zeitpunkt der Arbeiten. „Die Sicherheit der Straßen- und Bahnbenutzer muss vorhanden sein, aber gerade im April ist die Vogelwelt längst in ihrer Brutperiode“, weiß Moritz.

Aus diesem Grund traf er sich vor kurzem mit Bezirkshauptfrau Olga Reisner zu einem Gespräch. „Dabei bat ich darum diesen Eingriff zu unterlassen oder zumindest auf das nötige Ausmaß zu beschränken“, so Moritz.

Die Bezirkshauptfrau habe ihm erklärt, dass man die Bäume aus Sicherheitsgründen entfernen müsse. Zudem würden diese binnen weniger Jahren ohnehin nachwachsen. Doch damit begnügt sich Moritz nicht: „Die Bäume sind dann so klein, dass weder Höhlenbrüter wie Spechte oder Wendehälse darin brüten können, noch Freibrüter wie der Buchfink, Grünling oder die Goldammer.“.

Zwischen dem Bahngleis und der Straße haben die Vögel keine Nistmöglichkeit mehr. Foto: Wolfgang Retter

Damit in Zukunft solche Schlägerungsarbeiten im Winterhalbjahr absolviert werden, wandte sich Dieter Moritz nun an die Österreichischen Bundesbahnen. In einem Schreiben bittet der Vogelfreund darum, in Zukunft nur kranke und tote Bäume zu entfernen. Dies könne man bereits im Herbst erledigen.

Außerdem sollte darauf Rücksicht genommen werden, dass man nur Bäume fällt, die bei ihrem Sturz tatsächlich den Bahnkörper oder die Straße erreichen. „Ansonsten bin ich gerne bereit, Daten über die jeweiligen Brutzeiten zur Verfügung zu stellen, damit solche Beeinträchtigungen weitestgehend vermieden werden können“, bietet Moritz seine Hilfe an.

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7 Kommentare bisher

  1. wolf_c
    wolf_c

    … wieviel Zynismus und Gefühlsrohheit, sofern überhaupt noch irgendwelche Gefühle in diesen Geisteshaltungen spürbar sind, also wieviel Verachtung braucht es, um sich über den Tod von Lebewesen lustig zu machen, und mit dem Finger auf die zu zeigen die dafür wenigstens noch etwas Liebe übrig haben? müssen diese Typen dies tun weil sie Spaß an der Grausamkeit finden? Können die noch Mitgefühl empfinden? oder ist da nix mehr, nix mehr, ausser Unbewußtheit? wie gehen diese Zeitgenossen mit ihren Mitmenschen um?
    Niemand sagte, daß eine Sicherheit mißachtet werden soll, bloß der Zeitpunkt der Tat war der schlechtestmögliche für viele Lebewesen; dies ist, wenn ich es recht verstehe, die meiner Meinung nach berechtigte Kritik, sonst nichts.

  2. realist
    realist

    @ soonig

    Ich bin auch für Umweltschutz!

    Doch eine Frage sei mir erlaubt:

    Wo bitte nistete der Mauersegler bevor es das Ämterhaus gab?
    Bist du auch gegen den Abriss der Mühle? – War ja die Hauptherberge von Ratten und Tauben – Sind doch auch Lebewesen oder?

  3. Naturbursch

    Komisch, dass es für manche nicht einleuchtend scheint, dass eine Holzschlägerung im Frühjahr über 5km, mehr oder weniger direkt entlang der Drau und entlang der Nikolsdorfer Felder das Brüten der Vögel, als auch zahlreiche andere natürliche Gleichgewichte stört. Viel mehr als der Graureiher, den ja Jäger und Angler meinen schießen zu müssen, nur weil er ein paar Fische aus den Bächen holt, was ja eigentlich sein von der Natur vorgesehener Platz ist. Wer war zuerst hier? Der Angler oder der Graureiher?
    Ach ja abschließend noch: zum Glück ist der Feueradler wieder weg. Ein Jahr: schön und gut, aber länger hätte er unsere schönen Berge nicht verschanteln dürfen. Als ob unsere Berge das nötig hätten, damit man sie sich anschaut! Sind ja zum Glück keine Werbetafel die man mit Eyecatchern unnötig beschmutzen muss! Diese Art von Tourismusprostitution ist wiederlich, können wir gleich “Little Kitzbühel” auf unsere Bezirkseingangsportale schreiben.

  4. soonnig

    Dieter Moritz hat durch seinen Einsatz verhindern können, dass das Lienzer Ämterhaus in eine Glashülle gesteckt wird und die vielen Mauersegler, die dort nisten, heimatlos werden. Die neue, weiße Fassade des Gebäudes sieht nicht nur schöner aus, die Vögel sind nach den Wintermonaten wieder in Lienz eingetroffen und fühlen sich in ihrer alten Heimat “Ämterhaus” sichtlich wohl. Das ist gut so!!!!

  5. MelissaM

    Es ist seltsam, dass es Menschen gibt, die über jemanden lästern, weil er Vögel schützt.

  6. seppl17

    Wer nimmt diesen sogenannten Experten noch ernst?

  7. bergfex
    bergfex

    Herr Moritz hat vergessen den Feueradler und den Gummiadler anzuführen. Die brüten das ganze Jahr.