Authentizität und Bildkraft – hochdosiert

Er hat den Blick für das Wesentliche: Kamera-Mann und Produzent Hubert Schönegger.

Hubert Schönegger ist ein einfühlsamer Beobachter und Meister der bewegten Bilder. Eine Momentaufnahme:

Wie kamen Sie in die Filmbranche – Sie übten ja ursprünglich einen ganz anderen Beruf aus?

Schönegger: Das ist richtig. Ich habe in Innichen den Beruf des Maurers erlernt und diesen einige Jahre auch ausgeübt. Dann habe ich ein Jahr lang als Model in der Modebranche in Mailand gearbeitet. Allerdings begeisterte ich mich schon früh für das Medium Film und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mich in diesem Bereich selbstständig machte. Mittlerweile ist das fast 20 Jahre her.

Sie haben sich auf Naturdokumentationen spezialisiert, zeigen die Schönheiten Ihrer Heimat in völlig neuem Licht und in oft ungewohnter Perspektive. Was hat Sie geprägt und wie wichtig ist Ihnen die authentische Abbildung von Landschaften und Personen?

Schönegger: Ich bin in einer großen Familie auf einem Bauernhof in Vierschach aufgewachsen. Die Verbundenheit zur Natur und ein bescheidener  bäuerlicher Lebensalltag haben mich nachhaltig geprägt. Vielleicht ist dadurch der etwas andere Blickwinkel auf Menschen und Landschaften zu erklären. Mein großes Bestreben war und ist immer, dass meine Aufnahmen Leben und Landschaften authentisch zeigen – so wie sie sind und nicht um irgendwelche Klischees zu bedienen.

Mit welcher Produktion verzeichneten Sie Ihren ersten und mit welcher Ihren bislang größten Erfolg?

Schönegger: Für den Film „Am Abgrund, meine Heimat, mein Leben“ – eine Dokumentation über die Wieser-Bauern in Winnebach –  erhielt ich 2002 beim renommierten Bergfilmfestival in Verona den  „Cerro d'Argento“. Seither bin ich immer wieder mit Produktionen auf Filmfestivals vertreten. Die 45-minütige „Universum“-Dokumentation „Südtirol – Leben im Naturjuwel“ wurde 2005 erstmals im Fernsehen gezeigt, im ORF und 3sat. Der Film wurde bereits mehrmals ausgestrahlt. 2008 war diese Produktion mit hohen Einschaltquoten  die erfolgreichste Sendung der beliebten „Universum“-Reihe.

Sie beeindrucken mit Ihren Filmen ein Millionenpublikum. Was fasziniert Sie selbst am bewegten Bild?

Schönegger: Ich sehe mich selbst als Beobachter. Mit dem Film hat man die Möglichkeit, tagtägliche Wunder, die sich in der Natur abspielen oder Themen, die Menschen bewegen, einem großen Publikum zu zeigen. Dazu braucht es sehr viel Zeit und Geduld. Es ist aber eine erfüllende Aufgabe, wenn man in dieser Arbeit bestätigt und der Film angenommen wird.

Schönegger, Zeidler, Leiter - ein perfektes Team

Welche Rolle spielt die Vorarbeit, die detaillierte Aufbereitung des Themas und die Erstellung des Konzeptes für das Gelingen des Projektes?

Schönegger: Für den Erfolg eines Films ist ein schlüssiges Konzept entscheidend. Schließlich geht es bei jedem Projekt auch um die Finanzierung und ohne diese gibt es keinen Film. Umso überzeugender das Konzept und detaillierter die Aufarbeitung der Themen, desto leichter fällt die Umsetzung. Man möchte nicht glauben, wieviel Arbeit und wieviel an Zeit für einen Dokumentarfilm aufgewendet werden muss.

Wie wichtig ist Musik zur Unterstreichung der Emotionen?

Schönegger: Musik, Bild, Ton und Sprecher verschmelzen im Film zu einer Einheit. Fehlt eines dieser Elemente oder ist eines nicht richtig ausgewählt, leidet die ganze Dokumentation darunter. Eine gute Musik unterstreicht Themen, leitet Szenen ein und verbindet einzelne Kapitel. Dabei darf die Filmmusik nur in seltenen Fällen dominierend sein. Meist unterstreicht sie nur die Aussagen und Botschaften des Filmes. Hansjörg Mutschlechner, ein junger begabter Komponist aus Welsberg, stellt immer wieder bei den geosfilm-Produktionen sein Können und sein Gespür für die richtigen Töne unter Beweis.

Mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen? Welche internationalen Projekte konnten Sie bereits umsetzen?

Hubert mit neuer Kamera RED ONE

Schönegger: Die Kooperation mit den großen Fernsehanstalten wie ORF, ARD, SR, SWR, BR, 3sat, ARTE und zahlreichen anderen Sendern ist für den langfristigen Erfolg entscheidend. Bei internationalen Filmen wie „ORF Universum-Wetterküche Alpen“ arbeite ich mit bekannten österreichischen Produktionsfirmen wie epo-Film in Wien oder Movieman-Productions in München zusammen. Damit gelingt es auch, mit anderen Filmschaffenden in Kontakt  zu treten und gemeinsame Projekte zu realisieren.

Wir sind vollständig auf das Digitale System umgestiegen und  arbeiten mit HD, aber was noch besser, mit der innovativen „RED ONE  Filmkamera, womit derzeit die größten Hollywood Film wie z.B. Robin Hood, Illuminati und Inception gedreht wurden und werden.

Wie viele Filme haben Sie mit Ihrer Filmproduktionsfirma geosfilm in Summe bereits realisiert?

Schönegger: Das sind bereits so viele, dass man sie kaum mehr zählen kann. Neben den größeren Fernsehproduktionen machen wir auch kleinere Projekte für Tourismusverbände, Firmen oder andere Organisationen.

Woran arbeiten Sie gerade?

Schönegger: Zurzeit arbeiten wir an zwei Dokumentationen mit je 45 Minuten, über Südtirol für den Saarländischen und Südwestdeutschen Rundfunk. Diese Dokumentationen beinhalten das Leben der Menschen im Gebirge, aber auch die moderne Zeit des Bergsteigens.

Wäre das Drehen eines Spielfilms eine reizvolle Herausforderung?

Schönegger: Mehr als eine große Herausforderung sogar, der wir uns auch demnächst stellen werden. Zuviel wird nicht verraten, aber es wird mit Sicherheit die größte Produktion der nächsten Jahre, die wir natürlich mit vollem Einsatz angehen werden. Derzeit befinden wir uns in einer intensiven Vorbereitung und in Kürze wird das Drehbuch für die weitere Umsetzung des Projektes vorliegen.

Danke für das Interview!

ALLE FOTOS: GEOSFILM

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