ÖGB Lienz: Details zu Passantenbefragung

Osttiroler sind verärgert über zu geringen Beitrag Wohlhabender zum Gesundheitssystem.

„Sozialer Ausgleich ist die beste Medizin“

Ende September wurden im Rahmen des ÖGB Jahresschwerpunktthemas FAIR TEILEN Osttiroler vor der Regionalstelle der Tiroler Gebietskrankenkasse von ÖGB Mitarbeitern und Funktionären befragt. Von 72 Passanten waren 74 Prozent der Meinung, dass Reiche zu wenig an die Krankenversicherung abliefern. Einkommen über 4.110 Euro im Monat sind nicht beitragspflichtig, das ärgert den Durchschnittsbürger.

Angst vor Arbeitsplatzverlust durch Krankenstand

Der Druck scheint enorm zu sein: 42,8 Prozent aller Befragten haben Angst, durch Antritt des Krankenstandes den Arbeitsplatz zu verlieren. „ ArbeitnehmerInnen können im Krankenstand gekündigt werden. ArbeitgeberInnen müssen jedoch aufgrund gesetzlicher Bestimmungen bei Kündigung im Krankenstand den Krankenstand bezahlen, soweit der Arbeitnehmer noch einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung hat“, informiert der Osttiroler ÖGB Vorsitzende Willi Lackner.

Selbstbehalte zu hoch

Selbstbehalte können bis zu 100 Prozent betragen, etwa bei Brillen. 66,5 Prozent der Befragten beklagten die zu hohen Belastungen. „Der ÖGB wird einer weiteren Verschlechterung wie neuen Selbstbehalten auf keinen Fall zustimmen“, erklärte Lackner. Selbstbehalte sind sozial ungerecht und führen auch dazu, dass Menschen mit niedrigen Einkommen den Arztbesuch so lang wie möglich aufschieben.“

Starkes Vertrauen in Gesundheitssystem

„Mehr als 74 Prozent der Befragten befinden unser Gesundheitssystem als sehr gut“, so der ÖGB-Vorsitzende. „Jetzt gilt es dies zu stärken. Man könnte Überstunden reduzieren oder sie für Arbeitgeber weniger attraktiv machen, also teurer. Die Einnahmen aus einer Überstundenabgabe sollen in arbeitsmarktpolitische Maßnahmen und ins Gesundheitssystem fließen. Ein weiterer Ansatzpunkt wäre Einnahmen aus Vermögen dem Gesundheitssystem zukommen zu lassen.“

Gesunder Arbeitsplatz als Heilmittel

Arbeit wirkt sich auf die Gesundheit aus. Bis zu 50 Prozent der Krankenstände gehen auf Belastungen am Arbeitsplatz zurück. Vor allem Rückenbeschwerden und psychische Probleme werden durch Arbeit verstärkt. „Deshalb muss auch die Prävention am Arbeitsplatz ansetzen“, betont der ÖGB-Regionalvorsitzende. „Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers muss viel weiter gehen als bisher.“ Der ÖGB fordert ein Präventions- und Gesundheitsförderungsgesetz, das die Unternehmen in die Pflicht nimmt.

Betriebliche Gesundheitsförderung existiert derzeit nur in wenigen Vorzeigebetrieben, die Bereitschaft der Betriebe ist kaum vorhanden.  „Wir wissen, dass die Präventionswirkung ausgezeichnet ist“, so Lackner. „Investitionen in diesem Bereich rechnen sich auch für die Arbeitgeber.“

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