100 Jahre Alt Matreier Tanzmusik

Die Ikonen der Iseltaler Volksmusik feierten Jubiläum.

Wahrlich ein Fest wurde am Samstag Abend im Matreier Tauerncenter gefeiert. Die Alt Matreier Tanzmusik lud zu ihrem vorerst letzten Auftritt. Moderator Peter Kostner führte durch's Programm, das auf ORF Radio Tirol am 8. November auch zu hören sein wird. Es gratulierten die Musikkapelle Matrei, die Steirische Streich, der Tegernseer Zwoagsang und das Herbert Pixner Trio.

Die Matreier Musikkapelle spielte an diesem Abend nur eigens komponierte Märsche von ihren ehemaligen Leitern. Sie waren alle in den letzten Jahrzehnten auch Mitglieder der Tanzmusik. Als Dank und Anerkennung gab der Matreier Bürgermeister Andreas Köll bekannt, dass eine Straße oder ein Platz der Marktgemeinde in „Alt Matrei“ umbenannt werden wird.

Geehrt wurde auch Emma Steiner, die einzige Frau, die je in der Tanzmusik tätig war und am Sonntag ihren 89. Geburtstag feiert. Die Musiker gaben alte Geschichten zum Besten, Volksmusik vom Feinsten wurde gespielt und das Tauerncenter bebte vor Applaus. Am Ende der Veranstaltung trat jedoch Wehmut auf, denn die Alt Matreier Tanzmusik war zum letzten Mal in Originalbesetzung zu hören. Vier Musiker verabschiedeten sich, darunter auch Tobias Trost, der seit 63 Jahren die Tanzmusik prägte. Mit dem Walzer „Gruß an Schloss Weißenstein“ wurden die zahlreichen Zuhörer verabschiedet. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Alt Matreier Tanzmusik auch in Zukunft noch viele Menschen begeistern wird.

Dolomitenstadt.at blickt zurück und lässt bewegende Jahre dieser musikalischen Institutionen in Bildern Revue passieren. Für die Fotos danken wir Tobias Trost!

1910: Schneidig spielten die Manda der „Matreier Tanzmusik“ im Gründungsjahr 1910. Die zwei Gründer Alois und Jos (Josef) Trost (vorne sitzend) brachten mit ihrer Kapelle neuen Schwung in die Iseltaler Tanzsäle. Lois war in Trient bei der Militärmusik, deshalb haben einige seiner Kompositionen einen italienischen Anklang. Er verstarb 1917 im Heimaturlaub bei der Gamsjagd.

1927: Die Musikanten waren gezeichnet von der schweren Zeit, die sie durchlebten. Die Weltkriege, der Wehrdienst und die Not im ganzen Land prägten die Menschen. Wahrscheinlich sind die vielen getragenen Stücke in Moll Ausdruck des mühevollen Lebens der Komponisten.

1950: „Gruß an Schloss Weißenstein“ ist eines der bekanntesten Stücke der Alt Matreier Tanzmusik. Gründer Alois schrieb diesen Walzer für seine Schwester Theresia, die mit Baron Adalbert von Mengershausen auf Schloss Weißenstein verheiratet war. Zu der Zeit war er beim Militär in Italien und schickte seiner Schwester somit wohl den schönsten Gruß.

Auf diesem Bild ist auch Emma Steiner (mit Ziehharmonika) zu sehen, sie war die einzige Frau, die bisher bei der Alt Matreier Tanzmusik gespielt hat.

Auch in den 60er Jahren begleitete die Tanzmusik so manches Matreier Brautpaar am Hochzeitstag. Im Laufe der Jahre wechselten die Musikanten immer wieder. Als dann die junge Generation durchstartete, bei der auch Tobias Trost dabei war, wurde gefragt: „Wer spielt denn heut auf der Hochzeit? Die Alten oder die Jungen?“ So entstand der Name „Alt Matreier Tanzmusik“, denn bei großen Auftritten mussten sich die Jungen die alten Herren als Unterstützung dazu holen.

2002: Beim Frühschoppen in Flachau hatte Hermann Maier, der Herminator, das Vergnügen, den „Mottinga Schmies“ zu hören und selber am Hackbrett mitzuspielen.

Heute: Zehn bis zwölf Auftritte absolvierte die Tanzmusik im Jahr, die Musiker waren bereits in Zypern, im Allgäu, in Wien, Garmisch, in Bayern und  Südtirol zu hören.

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