Osttirolerin im Einsatz für „Ärzte ohne Grenzen“

Die gebürtige Matreierin Margaretha Maleh ist diesmal in Jordanien humanitär unterwegs.

Margaretha Maleh erhielt vom Osttiroler Chor als Abschiedsgeschenk einen gelben Schal

Nach einem 8-monatigen Einsatz in Papua Neuguinea führte sie ihre Arbeit für die 1971 gegründete Hilfsorganisation in diesem Jahr nach Jordanien. Maleh, die nicht nur als Psychotherapeutin auf eine Berufserfahrung  von 20 Jahren zurückblicken kann, sondern sich außerdem in Österreich als Präsidentin des „Österreichischen Verbands für Spastiker-Eingliederung“ für Menschen mit Behinderung einsetzt, sprach mit dolomitenstadt.at über ihre Erfahrungen im Einsatz für „Ärzte ohne Grenzen“.

Frau Maleh, was war Ihre Intention, sich für „Ärzte ohne Grenzen“ zu melden?


Schon seit meiner Jugend wollte ich einige Zeit in der „weiten Welt“ verbringen, um humanitäre Hilfe zu leisten. Da meine Kinder nunmehr erwachsen und selbständig sind, habe ich die Gelegenheit ergriffen und mich als Psychotherapeutin bei „Ärzte ohne Grenzen“ beworben.
Ich habe mich für genau diese Organisation beworben, da die Prinzipien von Neutralität und Unabhängigkeit von politischen, religiösen und wirtschaftlichen Mächten meinen eigenen ethischen Werten entsprechen.

Von August 2008 bis April 2009 waren Sie schon einmal im Einsatz für „Ärzte ohne Grenzen“, damals in Papua Neuguinea. Kann man sich als Mitarbeiter die Destination seines Einsatzes aussuchen und wenn ja, warum haben Sie sich für Papua Neuguinea und Jordanien entschieden?


Da „Ärzte ohne Grenzen“ bekannterweise in Krisengebieten tätig ist, wo bestimmte Hilfsmaßnahmen (z.B. medizinische, psychosoziale Projekte, Unterernährung, Katastropheneinsätze etc.) angefordert und geplant werden, wird als erstes nach den entsprechenden beruflichen Qualifikationen gesucht und dann bei den freien Mitarbeitern angefragt, ob man Zeit und Interesse an diesem oder jenem Einsatz hat.
Die Anfrage für einen Einsatz nach Papua Neuguinea hat mich echt überrascht – soooo weit weg, und soooo fremd, aber meine Neugierde und die Beschreibung meiner zukünftigen Tätigkeit haben sofort mein Interesse geweckt. Es ist eine unvergessliche Erfahrung unter so viel Fremdheit so viel Vertrautes zu entdecken. Menschliches Leid und Not fühlen sich überall gleich an – und Leid und Not lindern ist die einzige Lösung.

Sie sind als Psychotherapeutin in Jordanien. Wie sieht Ihre Arbeit vor Ort aus?


Das Team von ÄoG Holland, zu dem ich gehöre, leitet ein Mental Health Projekt im Irak, um die durch die Kriege schwer traumatisierten Menschen psychologisch zu unterstützen. Aus Sicherheitsgründen sind wir in Amman stationiert, da es unter den derzeitigen Bedingungen noch immer nicht möglich ist, direkt in Bagdad stationiert zu sein. Das Projekt für den Irak ist recht einzigartig, da wir „Mental Health Counsellor“ an verschiedenen Krankenhäusern ausbilden und supervidieren. Die Trainings finden in Amman statt, die Supervision erfolgt über „Video Konferenz“. Wir haben Dolmetscher zur Verfügung und sind natürlich voll und ganz auf eine funktionierende Technik angewiesen. Es erstaunt mich immer wieder, dass wir trotz unglaublicher Beschränkungen und Hindernisse Wege finden um erfolgreich Hilfe zu leisten.

Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit in Jordanien im Gegensatz zu der in Österreich? Gibt es auch Unterschiede zwischen Ihrer jetzigen Arbeit und der in Papua Neuguinea?


Zu meinem Leidwesen habe ich in diesem Projekt bis jetzt keinen direkten Kontakt zu den Patienten oder Klienten, was ich sehr vermisse. In Papua Neuguinea habe ich in einer Klinik gearbeitet und täglich mit den Einheimischen Freud und Leid erlebt – das war so persönlich und real.
Und in Österreich – der Heimat von Siegmund Freud, arbeite ich auch als Psychotherapeutin in freier Praxis, womit ein weiterer meiner Jugendträume in Erfüllung gegangen ist.

Herzlichen Dank für das Interview!

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