Weitere Egger-Bilder von Erben zurückgefordert

Stadtrat berät über Restitution von „Wildbrethändlerin“ und „Christnacht“

"Die Wildbrethändlerin" - Albin Egger-Lienz malte dieses Bild 1902. Jetzt wird über seine Rückgabe an die Erben der ursprünglichen Besitzer verhandelt.

Am Dienstag, 9. November, beschäftigt sich der Stadtrat in Lienz wieder mit der Rückgabe von Egger-Lienz-Werken an die Erben der ursprünglichen Besitzer. Stellvertretend für die Erben nach Lothar und Eveline Egger-Möllwald sowie Oskar und Therese Neumann fordert die Israelitische Kultusgemeinde über ein Anwaltsbüro die zwei Egger-Lienz-Gemälde „Wildbrethändlerin“ und „Christnacht“ aus der Sammlung Schloss Bruck zurück.

Bisher zeigte sich die Stadt bei Restitutionsforderungen entgegenkommend. Bürgermeister Hannes Hibler: „Dieses Thema ist sehr ernst und nicht geignet für politisches Hickhack.“ Im Jahr 2002 erhielt Ruth Altmann, Schwiegertochter des 1938 vertriebenen Wiener Juden Bernhard Altmann, die Ölstudie zur Mittelfigur in „Bergmäher“ zurück. 2006 ging das Gemälde „Totentanz 1809“ und 2008 die Skizze „Trommler“ an die Erben der ursprünglichen Besitzerinnen.

Für Hibler ist die Sachlage im aktuellen Fall nicht so klar wie etwa beim „Totentanz“. Der sei 1938 buchstäblich von der Wand der Besitzerin Melanie Schwarz abgehängt und „arisiert“ worden, ein eindeutiger Fall von Restitution. Dagegen sei zum Beispiel die jetzt eingeforderte „Wildbrethändlerin“ 1949 vom ehemaligen Lienzer Bürgermeister Emil Winkler im Dorotheum ersteigert und 1964 an die Stadt weiterverkauft worden.

Winkler war Bürgermeister in den NS-Jahren 1938-1945 und bis Ende der fünfziger Jahre Betreiber der „Winkler Kunstmühle“ auf dem heutigen M99-Areal.

Der erweiterte Stadtrat wird sich am Dienstag mit den aktuellen Fällen befassen. Mit besonderem Medieninteresse auch außerhalb Osttirols ist zu rechnen.

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