„Zeit kaufen“: Lienzerin hilft Mädchen in Kenia

Verein Tukutane macht sich für mehr Chancen und gegen grausame Bräuche stark.

Workshop in Kenia. Im Vordergrund Mitte: Margaret Bachlechner

Afrikanische Mädchen, die am Land leben, erleiden meist ein ähnlich trauriges Schicksal. Ihre Rechte werden vielfach mit Füßen getreten und die Gefahr der sexuellen Ausbeutung ist enorm. Die in Kenia geborene Osttirolerin Margaret Bachlechner engagiert sich für die Bildung dieser Mädchen und warnt vor der grausamen Tradition der Beschneidung.

Es begann mit Mary, Esther und Grace, drei jungen Waisenkindern, die nach dem Tod ihrer Eltern sofort verheiratet werden sollten. Margaret setzte sich damals für Straßenkinder-Projekte ein und wollte eine Bleibe für sie finden. Sie erfuhr vom AIC Kajiado Rescued Girl’s Internat im Süden von Nairobi/Kenia, einer Zufluchtsstätte für Mädchen, die vor drohender Beschneidung oder Zwangsheirat davonlaufen. Familie Wurzer Reinhold, Pfarrteam Peggetz, Frauenrunde Heilige Familie und die Bücherei Lienz finanzierten diesen Mädchen Schulgeld, Schuluniform, Essen und das Leben im Internat.

Heute sind sie die Patenkinder von Margaret und ihrem in Lienz geborenen Mann Friedrich Bachlechner, der bereits vor 18 Jahren die technische Schulausbildung im SOS Hermann-Gmeiner Kinderdorf in Kenia entwickelte.

Margaret wollte mehr Mädchen „retten“ und gründete mit Freunden aus Deutschland den Verein Tukutane e. V. (auf Kisuaheli: Lasst uns zusammenkommen), der von der Lienzer Bevölkerung sehr großzügig unterstützt wird. Durch Einnahmen aus Veranstaltungen, Basaren, Schmuckverkauf und Spenden, konnten kurze Zeit später 45 Mädchen im rescue program aufgefangen werden. Zehn Mädchen haben bereits in die SOS Hermann-Gmeiner Technische Schule gewechselt und absolvieren dort eine höhere Ausbildung. Die Abgängerinnen dieser Schule haben eine fast hundertprozentige Chance auf einen hochwertigen Arbeitsplatz.

„Wir müssen Zeit kaufen und die Mädchen so lange behalten, bis sie genug Selbstbewusstsein entwickelt haben, um eigene Entscheidungen zu treffen. Nur so können sie ein unabhängiges Leben führen“, ist Margaret überzeugt. Neben der Schulausbildung wird deshalb in Workcamps auch vermittelt, wie der weibliche Körper funktioniert und dass die Beschneidung und die damit verbundene geringe Wertschätzung der Frau falsch sind. Sexualität ist in der afrikanischen Gesellschaft ein Tabuthema, weshalb die Mädchen nur wenig darüber wissen. Viele haben verinnerlicht, dass sie unbeschnitten als unrein gelten und sie deshalb kein Mann heiraten will. Mädchen, die verstehen, dass der Brauch der Beschneidung sinnlos ist, werden ihre eigenen Töchter davor bewahren.

Das Massai-Mädchen Elisabeth (14) flüchtete vor Zwangsheirat. Heute kann sie wieder lachen.

„Nicht nur das Geld ist wichtig, sondern auch, dass man sich die Zeit nimmt um sich selber einzubringen“, meint Margaret. So begleitet sie auch Reisegruppen in ihre Heimat. Neben Natur- und Kulturerlebnissen gewinnt man auch einen tiefen Einblick in die laufenden Hilfsprojekte. Wichtig ist Margaret, dass jeder gespendete Euro der Ausbildung und Unterbringung der Mädchen zu Gute kommt. Flüge werden privat bezahlt und „Luxusgüter“ wie Zahncreme, Seife, Pflegeöl, eigene Lesebücher oder Geld für gemeinsame kulturelle Ausflüge der Mädchen kommen aus der Nachbarschaft.

Margaret Bachlechner:

geboren in Kenia, Provinz Machakos, lebt seit 5 Jahren in Lienz, verheiratet, 4 Söhne, 1 Tochter. Sprachen: Akamba, Kikuyu, Suaheli, Englisch, Deutsch. Sie begann in Kenia mit Projekten für Straßenkinder, Umweltschutz und Kampagnen gegen FGM (female genital mutilation= Mädchenbeschneidung). Nähere Informationen zum Verein: www.tukutane.de

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1 Posting bisher
nasowas vor 7 Jahren

Eine ganz tolle Initiative, vor allem weil hier 100% der Unterstützung den Mädchen zugute kommt und nicht ein großer Teil - wie bei vielen anderen Patenschaften - der Verwaltung und Organisation. So bekommt Helfen ein Gesicht! Gibt es eine Homepage oder eine email-Adresse bzw. eine Kontonummer unter der man den Verein oder Frau Bachlechner erreichen kann?