Video der Tiroler VP-Frauen als Quotenhit

Umstrittener Imagefilm sorgt für Gesprächsstoff und Kritik.

Nur wenige Stunden stand das Video, das kein Klischee auslässt, auf der Homepage der Tiroler VP-Frauen. Nachdem der Link – aufgrund breiten Widerstandes – rasch vom Netz genommen worden war, tauchte das Filmchen auf Youtube auf und schaffte es zu beachtlicher Popularität. Immerhin 90.000 Mal flimmerte es bisher über die Bildschirme.

Eine Szene lässt die Wogen besonders hochgehen: Die „Powerfrau“ kniet nach einem arbeitsreichen Tag im roten BH vor ihrem biertrinkenden Ehemann im Feinripp und massiert ihm hingebungsvoll die Zehen. Im Anschluss geht sie joggen: „Weil wir dann noch aktiv sind, wenn die Männer schon längst schlafen“, wie es im Film heißt.

„Das Video sollte eigentlich in pointierter Form eine Diskussion über weibliche Rollenbilder im Rahmen einer Veranstaltung der ÖVP-Frauen anregen, so Bundesrätin Elisabeth Greiderer auf Anfrage von Dolomitenstadt.at. „Es stellt sicher nicht das Idealbild dar, wie ich mir das Leben von Frauen vorstelle. Dieses auch sonst nicht wahnsinnig geglückte Video kann außerhalb des Kontextes einer Diskussionsveranstaltung leicht missverstanden werden. Schade, dass es nun eine an sich wichtige Diskussion erschwert.“

Geärgert hat sich die Lienzer Gemeinderätin Susanne Idl-Arakelian über den Film: „So sehr es Sinn machen kann, an Themen mit Übertreibung heranzugehen, um Klischees aufzudecken, so sehr ist das hier schief gegangen. Es müsste darum gehen, Frauen darin zu unterstützen auch einmal „nein“ zu sagen und ihre Männer oder Lebensgefährten völlig selbstverständlich die halbe Hausarbeit machen zu lassen. Dieses Video setzt stattdessen einfach nur alte Rollenbilder fort. Wir Frauen in der Politik sollten uns dadurch auszeichnen, neue Wege zugehen und Frauen darin einzubinden.“

Bezirkshauptfrau Olga Reisner war das Video bei Anfrage unbekannt. Nach Übermittlung des Links wollte sie sich dazu nicht äußern, „da es sich um keine Kernaufgabe der Verwaltung, insbesondere der BH Lienz, handelt“. Caritas-Regionalleiterin Gabriele Lehner gab ihr Statement in ihrer Eigenschaft als Frau ab: „Das Video ist nicht geeignet, Anliegen von uns Frauen  zu unterstützen. Es ist einfach nur abstoßend.“

Kritik kommt auch von Sigrid Ortner, Gemeinderätin der Unabhängigen Liste Tristach: „Gut gemeint, aber schlecht getroffen!“ „Die Erotische“ sei jedoch unerträglich, findet Ortner. Die beiden Osttiroler Bürgermeisterinnen Elisabeth Blanik und Martina Klaunzer antworteten zwar auf unsere Anfrage,  wollten das Video aber nicht kommentieren.

Gar keine Antwort bekam Dolomitenstadt.at von Familienstaatssekretärin Verena Remler, Mitglied der Tiroler VP-Frauen. Sie schwieg zu diesem Video ebenso wie im Familienausschuss am 24. März, wo sie von der Grünen Jugendsprecherin Tanja Windbüchler um eine klare Stellungnahme zu dem Film gebeten wurde.

Und hier ist der cineastische Rohrkrepierer. Was sagen denn Sie dazu? Wir freuen uns über Kommentare!

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8 Postings bisher
Angela Guttner vor 6 Jahren

Achso, dann war dieser Werbespot also auch von der ÖVP (Kam mir gleich so bekannt vor):

http://www.youtube.com/watch?v=072LrlGvSq8

weggezogen vor 6 Jahren

BHOA! IST DAS PEINLICH! Hat das der Platter schon gesehen? Oder der Pröll - oder sonst wer, der Verantwortlichen? Armes, armes Österreich (oder eh nur Tirol?)

MelissaM vor 6 Jahren

Liebe Veronika, eine kluge Deutung dieses schmuddeligen kleinen Machwerks politischer und werblicher Einfaltspinsel. Danke!

veronika vor 6 Jahren

...ha, der film is wirklich vielseitig deutbar, eine variante: ...mir scheint so, dass hier die "härtesten frauen des landes" das bisschen volk repräsentieren, welches noch um eine demokratische mitarbeit kämpft. die "wichtigen politischen kräfte des landes" (eh nur männer) wollen gepflegt werden und dürfen sich natürlich auch mal zurücklehnen, ...weil die politik (der mann) dann eingeschlafen ist, muss sich das volk (die frau) sich in bürgerinitiativen (laufen) den erfolg holen ;-))

Stefan vor 6 Jahren

Also ich muß sagen, wenn das die Auffasssung der VP über die Rollenverteilung und Emanzipation ist, sollten sie sich nicht wundern das irgendwann mal keine Männer zur Wahl gehen. Laut diesem Video ist eigentlich nur die Frau das Sinnbild der arbeitenden Person und der Mann ist der Macho wie er im Buche steht. Das nenn ich Diskriminierung des Mannes. Eine Frechheit uns Männer so hinzustellen.

Behu vor 6 Jahren

...sind das die Pflichtaufgaben der Tiroler ÖVP Frauen? Dann muss ich mal die politische Gesinnung meiner Frau überprüfen, wahrscheinlich ist Sie bei der falschen Partei. Bei mir ist es eher umgekehrt - ich hab bloß keinen roten BH an;-))

nanny vor 6 Jahren

Also ich fands einfach langweilig. Nach der "Eingangsphase" diese vielen faden Frauenstatements über ohnehin Bekanntes + Parteireklame. Die angesprochene "erotische Szene" fand ich eher komisch. Bin jetzt 50 Jahre verheiratet, habe meinem Mann aber noch nie die Zehen massiert zwecks Erotik oder so :-). Sonst ist "das-viele-Berufe-haben" am Beginn des Videos wahrscheinlich ironisch gemeint - das hätte aber viel pointierter und "lustiger" herauskommen müssen. So ist es einfach - wie schon anfangs gesagt - langweilig.

defregger vor 6 Jahren

echt geil!

die vp tirol hottse nimma olle! peinlicher gehts immer!!!